Nachrichten aus der Provinz: Gelsenkirchen ´mal wieder spitzenmäßig!

Als Gelsenkirchener freut man sich natürlich über positive Meldungen, etwa über das putzige Eisbären-Baby im heimischen „Zoom“(dass drei von vier Eisbären-Babys nach der Geburt gestorben sind, wollen wir mal vergessen) und den momentan relativ guten Tabellenplatz des FC Schalke 04.

Denn oft genug ist unsere gebeutelte Stadt mit Spitzenplätzen negativ in den Schlagzeilen, so etwa mit den Dauerbrennern: höchste Arbeitslosenquote, die weit über dem Landesdurchschnitt liegt, viele Langzeitarbeitslose, viele Schulabgänger ohne Abschluss, viele HartzIV-Empfänger, viele innerstädtische Baustellen und viel zu enge Eingangstüren zum Hauptbahnhof, dessen Dienststelle der Bundespolizei auch nicht immer ausreichend besetzt ist.

Da freut man sich doch über neue Spitzen-Meldungen:

Im Spitzenbereich  liegt Gelsenkirchen nach aktuellen Zahlen  im Gerichtswesen und bei den KITA-Plätzen.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, zuständig auch für andere Städte, so etwa Dortmund, Lünen, Schwerte und Castrop-Rauxel, meldet einen neuen Höchststand bei Verfahren zum Asylrecht.

Die 19 Kammern des Verwaltungsgerichts verzeichneten im Jahr 2017 insgesamt 16847 Verfahrenseingänge. 66 Prozent davon betreffen das Asylrecht. Dabei ist das Niveau bei asylrechtlichen Streitfällen im Vergleich zu 2016 noch einmal gestiegen. 8895 Klage- und 2227 Eilverfahren gingen am Gericht ein.

Über 11000 Neufälle  (Klage- und Eilverfahren) waren also im Asylrecht  2017 zu verzeichnen, gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von deutlich über 40%. Von den Asylfällen waren Ende des Jahres 2017 noch 9200 offen. Um diese Altlasten im laufenden Jahr überhaupt abtragen zu können und den Berg der neuen Verfahren in 2018 nicht weiter anwachsen zu lassen, helfen nicht nur Richter aus anderen Rechtsbereichen (so etwa Finanz- und Arbeitsrecht) aus, sondern es wurde eine weitere Kammer eingerichtet, so dass das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht nun 20 Kammern hat – ein neuer Spitzenwert! Dass die Zahl der Richterstellen (bisher 80)  und der Stellen für Verwaltungsmitarbeiter zusätzlich aufgestockt werden, versteht sich da von selbst!

Einen Spitzenplatz nimmt Gelsenkirchen auch ein, was die Anzahl von Kindern mit  „Migrationshintergrund“ in Kitas angeht. Nach den neusten Landeszahlen des Regionalverbandes Ruhr (Quelle: WAZ v.18.1.18, Mantelseite 4) kamen 41,5% aller Kita-Kinder in Gelsenkirchen aus dieser Gruppe (Stand 1.3.2017). Damit lag Gelsenkirchen vor anderen Städten aus dem Ruhrgebiet wie  Herne, Dortmund oder Essen. Gemeinsam mit Duisburg hält Gelsenkirchen den Spitzenplatz in der Gruppe der Kinder, bei denen zu Hause überwiegend kein Deutsch gesprochen wird (40%, Ruhrgebietsdurchschnitt 29%), wobei insgesamt die Zahl der Familien, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, um 22% gewachsen ist.

Man könnte die beiden genannten Bereiche nun so zusammenfassen: Obwohl die Zahl derjenigen Menschen mit „Migrationshintergrund“, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, anwächst und in Gelsenkirchen einen Spitzenwert erreicht, was für die Zielsetzung „Integration“ nicht gut ist, wird das dadurch kompensiert, dass die Inanspruchnahme von Rechtsmitteln, etwa vor dem Verwaltungsgericht, durch Menschen dieser Gruppe steigt, was immerhin auf eine Integration in unser Rechtswesen  hindeutet und zugleich ja auch Arbeitsplätze schafft.

Das ist doch spitze, oder?

Ach ja! Ich gehöre übrigens zu den 34% ohne Migrationshintergrund (wenn man einmal von der Einwanderungsgeschichte meiner Familie absieht), die 2017 vor dem Verwaltungsgericht geklagt haben – gegen die Stadt Gelsenkirchen wegen eines Gebührenbescheides. Im Juli 2017 habe ich die Klage eingereicht, Anfang August hat mir das Verwaltungsgericht einen Bescheid über Gerichtsgebühren zugestellt. Eine Entscheidung habe ich noch nicht, noch nicht einmal einen Verhandlungstermin  – ich setze meine Hoffnung in die neue (20.) Kammer !

Boulevardtheater, Schmierenkomödie -Schurkenstück?!

In meinem Beitrag vom 12.1.18 zum Abschluss der „Sondierungen“ heißt es einleitend:

„Jetzt ist das Boulevardstück (oder doch eher Schmierenkomödie?) mit dem Titel „Sondierungen“ endlich beendet, das uns seit Tagen vorgeführt worden ist.“

Nun denke ich darüber nach, ob die Wortwahl für die Verhandlungen überhaupt passend war und ob ich nicht besser den Begriff „Schurkenstück“ hätte wählen sollen. Warum ich jetzt darüber nachdenke? Nun, weil ich beim Schreiben des Beitrags noch nicht den aktuellen SPIEGEL (Ausgabe 3 vom 13.1.18) in den Händen hatte. Glaubt man nämlich dem SPIEGEL, dann haben uns die Sondierer, was den sog. Familiennachzug“ angeht, ganz gewaltig an der Nase herumgeführt.

Klar war ja sowieso, dass es nur um den Familiennachzug von Menschen mit „subsidiärem Schutz“ ging, eine Gruppe, die insgesamt nur einen kleinen Teil der ebenso grob wie sachlich falsch „Flüchtlinge“ genannten Gruppe ausmacht. Von  der Debatte,ob der für diese Gruppe bis Ende März ausgesetzte Familiennachzug weiter aufgehoben wird oder nicht, sind die Menschen mit Asylstatus überhaupt nicht betroffen, denn hier steht der Familennachzug nicht zur Debatte. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang einerseits die Regelungen des DublinII-Vertrages und der Begriff der Familie. Und hier hat sich, laut SPIEGEL (S. 24), einiges getan. Währen die „Sondierer“ uns zum „Familiennachzug“ also ein „hartes Ringen um Zahlen“ vorführen, kommen aus Brüssel ganz andere Setzungen. Denn anders als in den bisherigen Dublin-Reglungen soll nun nicht mehr das Land für den Asylantrag zuständig sein, in dem der Asylsuchende ankommt, sondern, so der Vorschlag aus Brüssel, das Land, in dem bereits Familienangehörige leben. Zugleich soll der Begriff „Familie“ ausgeweitet werden, sozusagen weit über den Kern einer Familie hinaus bis zu einer Art  „Clan-Zugehörigkeit“. Zudem soll  allein die „Behauptung“ der Familienzugehörigkeit ausreichen, um unter diese Bestimmungen zu fallen. Der SPIEGEL beruft sich in seinem Artikel auf einen Vermerk aus dem Innenministerium  und Einschätzungen von CDU-Parlamentariern, namentlich auf Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Innenmenisterium, CDU, sowie die Unionspolitiker Stephan Mayer und Stephan Harbart.

Während hier die GroKo-Sondierer also ein Scheingefecht um Zahlen führen, stimmen CDU- und SPD-Mitglieder in Brüssel einem Vorschlag zu, der die bisherigen Dimensionen des Familiennachzugs sprengen würde.

Wenn das kein Schurkenstück ist!

Nur noch eine Frage ist zu klären, nämlich…

Jetzt ist das Boulevardstück (oder doch eher Schmierenkomödie?) mit dem Titel „Sondierungen“ endlich beendet, das uns seit Tagen vorgeführt worden ist. Ein Stück, bei dem es von Anfang an darum ging, dem Volk zu zeigen, dass die Sondierer nahezu bis zur körperlichen und geistigen Selbstaufgabe in stundenlangem Ringen, das Wohl der Untertanen immer im Auge, um ein tragfähiges Ergebnis bemüht waren. Und dieses Ergebnis haben sie jetzt vorgestellt, auf fast 30 Seiten, die Unterpunkte und Detailabsprachen  zu allen möglichen Politikbereichen (Migration, Europa, Bildung etc.) enthalten, deren entscheidender Aspekt aber ganz zum Schluss kommt. Da geht es um die Arbeitsweise der GroKo und wir können lesen:

Arbeitsweise

Wir wollen das Vertrauen in die Demokratie und in unsere staatlichen Institutionen  stärken. Im Fall einer Koalitionsbildung werden wir durch unsere Arbeitsweise in der Regierung und zwischen den Fraktionen deutlich machen, dass wir uns als Bündnis der Demokratie für die Menschen in unserem Land verstehen.

Und worin findet dieses „Bündnis der Demokratie“ seinen vornehmsten Ausdruck? Da heißt es:

Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab. Das gilt auch für Fragen, die nicht Gegenstand der vereinbarten Politik sind. Wechselnde Mehrheiten sind ausgeschlossen.

(Ergebnis der Sondierungsgespräche von CDU,CSU und SPD, Finale Fassung vom 12.1.2018)

 Da schafft dieses „Bündnis der Demokratie“, eine Klingelingeling-Phrase, mal eben so im Vorbeigehen den Abgeordneten ab, der nur seinem Gewissen verpflichtet ist, und geht sogar über den Fraktionszwang hinaus. Da ist im Grunde die Basis für eine Einheitspartei gelegt, in der abweichende Meinungen per Vertrag verboten sind, denn es heißt ganz imperativisch: „Wechselnde Mehrheiten sind ausgeschlossen.“ Was wohl so zu lesen ist, dass Abweichler, Opponenten- kurz: Abgeordnete mit eigener Meinung auch ganz schnell ausgeschlossen werden können aus dieser Einheitspartei.

Was fehlt, ist eigentlich nur noch der passende Name für diese Einheitspartei, in der CDU, CSU und SPD von heute an aufgehen.

 

Die Koalition der Verlierer oder Wie man ein totes Pferd reitet

Mit indianischen Weissagungen ist das so eine Sache. Der in der Öko-Bewegung äußert beliebte Spruch, als Weissagung der Cree bezeichnet, Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“, stammt entgegen der landläufigen Meinung wohl nicht vom Cree-Häuptling Seattle, sondern von der kanadischen Dokumentarfilmerin Alanis Obomsawin.

Insofern muss man auch vorsichtig sein mit der Herkunft des Spruchs „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“, der den Dakota-Indianern zugesprochen wird. Vielleicht stammt diese Weisheit von einem Pferdezüchter aus Westfalen oder einem sieglosen Jockey von der Trabrennbahn in Gelsenkirchen.

Und erst recht vorsichtig sein muss man mit Meinungsumfragen, deren Aussagekraft, das wissen wir spätestens seit den falschen Prognosen zum Brexit-Entscheid und zur Wahl Trumps, nicht immer von besonderer Treffgenauigkeit ist. Insofern müssen die Sondierer von CDU/CSU und SPD auch nichts um die Ergebnisse der neusten Umfragen zur GroKo geben. Danach liegt die Zustimmung zu dieser Neuauflage der  abgewählten Regierung nur noch bei 45%, wogegen 52% der Befragten eine Neuauflage weniger gut bzw. schlecht finden (Deutschland Trend/infratest dimap vom 4.1.18). Und auch die Ergebnisse der jüngsten Sonntagsfrage (8.1.18/INSA) kann man geflissentlich vernachlässigen. Nach dieser Umfrage kämen CDU und CSU nur noch auf 31,5% (BuTa-Wahl 32,9) und die SPD lediglich auf bescheidene 19,5 %, verlöre also gegenüber der Bundestagswahl noch einmal ein Prozent! Die Großkoalitionäre würden also gegenüber der Bundestagswahl 2017 weiter an Zustimmung einbüßen, die SPD würde sogar unter 20% gedrückt. Zulegen könnten die AfD (von 12,6 auf 13,5 %), aber auch Grüne und Linke. Die FDP wäre mit minimalen Verlusten dabei (10% statt 10,7%). Nach diesen Ergebnissen kann man also durchaus das GroKO-Projekt als totes Pferd bezeichnen.

Dass CDU/CSU und SPD diesen Pferdleichnam aber trotz sinkender Zustimmungswerte weiterhin reiten wollen, kann mehrere Gründe haben: In dem Spruch heißt es ja, man solle absteigen, wenn man es merkt, dass das Pferd tot ist. Vielleicht liegt ja bei den drei Parteien eine Denkblockade vor, so dass sie noch nicht gemerkt haben, dass sie ein totes Pferd reiten. Für diese Annahme spricht, dass Lars Klingbeil, seines Zeichens Generalsekretär der SPD, nach der ersten Sondierungsrunde meinte, der Welt mitteilen zu müssen:

„Wir befinden uns in einer neuen Zeit. Und diese neue Zeit braucht eine neue Politik.“

Das ist schon mal ein Brüller, wenn auch ein wenig bei der FDP abgekupfert, die ihr Wahlprogramm zur Bundestagswahl unter das Motto gestellt hatte „Neues Denken“. Was neu ist an der Politik, die beabsichtigt ist, erschließt sich allerdings noch nicht ganz – bis jetzt, so hört man, habe man sich lediglich auf einen Ausgabenrahmen verständigt, der soll, wie schon bei den Jamaika-Verhandlungen besprochen, zwischen 40 und 50 Milliarden Euro liegen. In dieser Größenordnung sollen dann die Kosten der Geschenke liegen, die dem Wahlvolk gemacht werden können – von den Steuern, die das Wahlvolk zuvor fleißig selbst erarbeitet hat.

Ach ja – das alte und eh nicht realistische Klimaziel wird wohl beerdigt, nämlich die bis zum Jahre 2020 geplante Reduktion  des Kohlendioxidausstoßes um 40% gegenüber 1990. Vielleicht ist das die neue Politik? Das Eingeständnis eines Scheiterns als Programm für die Zukunft!

Um im Bild vom Pferd zu bleiben, hieße das für die GroKo:

Wir streichen die Stallung in hellen Farbtönen, schaffen einen neuen Sattel an, verdoppeln die Futterration für das Pferd, kaufen eine größere Peitsche und lassen täglich durch uns gewogene Medien verlautbaren, dass wir die vom Volk gewählten Reiter sind – und deshalb gilt:

Unser Pferd ist zwar tot, aber wir reiten trotzdem weiter!

 

 

Gedanken zum Fest und Jahresende:Keine Rejierung? Ejal! Et läuft doch!

Hat eigentlich jemand in den letzten Wochen eine Regierung vermisst? Wohl nicht!

Der DAX klettert auf Höchststände, die (offizielle) Arbeitslosenzahl ist auf einem Tiefstand, bei der BILD- und ZDF-Aktion „Ein Herz für Kinder“ haben die Deutschen in diesem Dezember 18,9 Millionen Euro gespendet (Rekord!) und Bayern München ist selbstverständlich wieder Herbstmeister. Et läuft!

Und der Bundestag kommt auch ganz gut ohne Regierung aus. Denn – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – haben die Abgeordneten einen Beschluss der alten GroKo umgesetzt und entschieden, ihre Diäten jährlich zum 1.Juli automatisch zu erhöhen, indem sie an die Nominallohnentwicklung angepasst werden. Das geht dann still und leise, ohne eine lästige Debatte und ohne öffentlichen Aufschrei. Der Sockelbetrag, der – durch die Abgeordneten des Bundestages – von 6600 Euro im Jahre 2010 auf 9542 Euro pro Monat im Jahre 2017 erhöht wurde (eine Steigerung von rund 44% in sieben Jahren) und im kommenden Jahr dann aufgestockt wird, muss allerdings versteuert werden.

Das trifft auf die Kostenpauschale von im Moment 4318 Euro allerdings nicht zu. Und ein Büro im Bundestag – kuschelige 54 Quadratmeter – kommt kostenfrei on top; ebenso die Netzkarte der DB, die Dienstwagenflotte des Bundestages, soweit es sich um Fahrten im Großraum Berlin handelt, sowie kostenfreie Inlandsflüge. Für die Büroausstattung gibt es dürftige knapp 13000 Euro und monatlich  fast 21 000 Euro für Personalkosten (Mitarbeiter).

Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass mancher Abgeordnete auch noch etwas dazu verdienen muss, denn ohne den einen oder anderen Nebenverdienst kann sich ja wohl im teuren Berlin kaum jemand durchschlagen. Der Beschluss im Bundestag wurde von einer Ganz Großen GroKo gefasst, einer GaGroGroKo aus CDU, CSU, SPD, Grünen und  FDP, denn nur  Schmuddelkinder vom linken und rechten Rand stimmten dagegen.

Obwohl es also läuft, verstummen die Rufe nach einer Regierungsbildung nicht. Mal mahnt der Uhu im Palais Schaumburg nochmal nachdrücklich zur Eile, dann melden sich Wirtschaftsführer, dann wieder der Uhu, Vertreter des Einzelhandels, der IHK und der deutschen Industrie. Alles nur Geklapper, denn die Wirtschaft prosperiert am Ende des Jahres auch ohne Regierung weiter – die Waffen- und die Weihnachtsgeschäfte erreichen Spitzenwerte!

Und eigentlich läuft es auch in der Politik, obwohl es doch nur eine „geschäftsführende Regierung“ gibt. Aber die hat sich immerhin durch ihre Vertretung bei der UNO hinter eine Resolution gestellt, die die USA für die Ankündigung Trumps verurteilt hat, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen und Jerusalem damit faktisch als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Tja, dieser Trump! Nicht nur, dass er ein Wiesel auf dem Kopf hat, wo andere Leute eine Frisur haben, jetzt macht er auch noch etwas, was er im Wahlkampf angekündigt hat, was ihn also in dieser Hinsicht von anderen Politikern unterscheidet. Etwa von Barack Obama. Der hatte zwar von Jerusalem als Hauptstadt Israels gesprochen, aber Schritte zur Durchsetzung dieser Position vermissen lassen.

Let me be clear. Israel’s security is sacrosanct. It is non-negotiable. The Palestinians need a state that is contiguous and cohesive, and that allows them to prosper — but any agreement with the Palestinian people must preserve Israel’s identity as a Jewish state, with secure, recognized and defensible borders. Jerusalem will remain the capital of Israel, and it must remain undivided.So sprach der Friedens-Mann im Jahre 2008, am 4.Juni, vor der AIPAC (Amerikanisch-israelischer Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten“, eine pro-israelische Organisation, Hervorhebung im Fettdruck durch mich, BM).

Gut! Das war einige Monate vor den US-Wahlen im November 2008, bei denen Obama zum Präsidenten gewählt wurde. Und vielleicht hat ihm die Rede ja auch ein paar Stimmen jüdischer Wähler eingebracht. Und warum soll es ein Obama anders halten als andere Politiker, die nach dem Motto „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“ handeln? Aber wenn Trump nun Ankündigungen aus dem Wahlkampf Taten folgen lässt, dann ist er der Buhmann.

Sozusagen ein willkommener Buhmann, denn seine Ankündigung war ein geeigneter Anlass für Angehörige der muslimisch-arabisch-türkischen  Kulturgemeinschaft, den Hass auf Israel und den schon seit Urzeiten gepflegten und zur DNA ihrer Kultur und Religion gehörenden Antisemitismus auszuleben, was man dann mit dem rituellen Verbrennen von Fahnen des Staates Israel, den üblichen „Allah- ist groß-Rufen“ und dem einen oder anderen „Tod-den-Juden-Geschrei“ bestgelaunt feierte. Die ganze Party in Blickweite zum Bundestag und unter zurückhaltender Aufsicht der Ordnungskräfte.

Tja, wenn der deutsche Nazi auf die Straße geht – in schwarzer Kleidung, mit Springerstiefeln und der in diesem Milieu gern zur Schau gestellten Hackfresse –  dann werden die Knüppel der Polizei schon mal gerne blank gezogen, denn deutscher Antisemitismus geht ja gar nicht! Leben andere Kulturkreise ihren Antisemitismus aus, wird das offensichtlich als folkloristischer Beitrag zur Integration und zum friedlichen Zusammenleben gewertet, was seinen Charme erst richtig dadurch entfaltet, dass zu den Teilnehmern und Organisatoren nicht nur etliche Syrer und andere Menschen gehörten, die hier als „Schutzsuchende“ eingetroffen sind, sondern auch Organisationen, die von amtlichen Stellen im Kontext von Beiräten, Integrationsversammlungen und ähnlichen Laberkonferenzen hofiert werden.

Mindestens genauso peinlich: das Schweigen von politischer Seite und in den meisten Leitmedien über rund zwei Tage, bis die BILD (ausgerechnet die BILD!) diese Vorfälle öffentlich machte! Aber immerhin: Unser CDU-Landesvater Laschet wusste uns mitzuteilen: „Der Antisemitismus ist nicht importiert“! Recht hat er! Aber die Tatsache, dass es einen Bodensatz von Antisemitismus in unserem Land gibt, ist kein Grund dafür, den Antisemitismus derjenigen, die in unserem Land aufgenommen worden sind, zu relativieren und zu verharmlosen! Oder sich mit weichgespülten Allgemeinplätzen zu begnügen, wie etwa unsere geschäftsführende Kanzlerin.

Die, das muss man allerdings festhalten, sich ja ebenfalls treu bleibt: Ob Kanzlerin oder nur geschäftsführend im Amt: sie ist und bleibt eine Meisterin des inhaltslosen Geschwurbels. Insofern: Keine Rejierung? Ejal! Et läuft doch!

 

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern….

zu einer Zeit, als Löcher in den Hosen noch als Zeugnis der Armut galten, sagte mein Klassenlehrer immer: „die Hose darf ruhig geflickt sein, Hauptsache ihr bleibt sauber und ordentlich“ – was konkret und gleichzeitig metaphorisch gemeint war und uns lehren sollte, wie wir unsere Würde bewahren und Anstand ausleben könnten.

Von der sozialen Herkunft war ich sicher nah am Schmuddelkind, musste deshalb nicht zu ihnen fliehen, um der bürgerlichen Langeweile zu entgehen. Noch heute habe ich keine Berührungsängste, auch wenn es dem Image schadet. Meine Neugier auf Menschen, Produkte, Traditionen fremder Kulturen und Länder ist geblieben. Ich esse international, höre, lese, sehe so. Ich fahre einen Dacia. Aus Rumänien.

Meine neue Nachbarschaft aus Rumänien und Bulgarien ist ähnlich aufgeschlossen und fährt deshalb Völker verständigend deutsche Autos. BMW und Mercedes. Meist weiß und meist in den oberen Klassen angesiedelt. Ich mag das, diese gegenseitige Wertschätzung, den Respekt und die Achtung vor der Leistung des anderen.

Die einen cruisen luxeriöse schneeweiße Sehnssuchtszeugnisse der Präzision, von fein austarierten Regelwerken der Ingenieurs- und Handwerkskunst, durch Gegenden mit dem Charme des Niedergangs und Verfalls, die anderen hängen Träumen von Freiheit und Ekstase nach, so wie uns Folklore und Vorurteil, Carmen und Gypsy Kings vermittelt haben.

Die Wahrheit – hier Realität – ist leider nicht wie die Kunst, nicht erhaben. Sie ist medioker. Banal. Trivial. Realitätsüberwindung ist deshalb die vornehmste Aufgabe des Künstlers, zu dem ich mich hier kurzfristig deklarieren möchte. Für mein Kunstprojekt „Feldmarker Objet trouvés“ dokumentiere ich seit einigen Wochen verloren gegangene Objekte, Stimmungen, Aktionen, heute unter anderem ein im Stich gelassenes Zweit- oder Dritt-Auto mit einem orangenem städtischen Aufkleber, der dem Auto Böses verspricht, wenn es sich nicht selber freiwillig in die Wertstoffverwertungskette begäbe.

Kaum dass ich einen ersten Schnappschuss im Kasten hatte, öffnete sich ein Fenster über mir und zwei glutäugige Damen rabulierten mir die Welt, rauschhaft, ekstatisch, wild! Sie lockten damit offensichtlich einen Lohengrin an, der auf einem weißen Mercedes geritten kam, um mir das Verhältnis zwischen göttlicher Sphäre und Feldmarker Jammertal neu zu definieren.

Lohengrin plusterte sich vor mir auf, blieb aber dennoch eineinhalb Köpfe kleiner. Die Damen befeuerten ihn, doch zu wachsen, Impulsivität ejakulierend zu verteilen, wenn schon nicht auf Augenhöhe palavert werden könnte.

Lohengrin griff in die Schalker Trickkiste. „Ein Schalker darf das“ übersetzte er sich in „Ich darf mein Auto herrenlos herum stehen lassen, so lange ich will, aber mindestens noch 4 Wochen..“

Weil das weder überzeugte, ich mindestens genau so böse gucken konnte wie er, versuchte er eine anwesende Nachbarin damit zu beschämen, dass sie seinen Müll auf ihrem Grundstück nicht wertschätzen würde und deshalb verachtenswert wäre. Irgendwie Deutsch..

Ich verliere mich in Gedanken… und zitiere sinngemäß ein Gespräch mit einem Freund:

“ schlimm wird es erst, das weiß ich aus familiärer Erfahrung, wenn der Balkanese (sei es nun ein Bosnier, Serbe oder Kroate) auch noch anhebt, seine „Volksmusik“ vorzutragen – ewig melancholische oder euphorische, vor allem aber dramatische Darstellung von Gegebenheiten, Gefühlen und Banalitäten, Sehnsucht nach der Heimat (obwohl man hier gerne die Vorzüge unseres Systems genießt und ja auch hier bleiben will). Schlimm wird es – das kenne ich aber nur aus entsprechenden Fernsehbeiträgen, die bei meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft laufen, wenn Männer beim Singen ihre Brustbehaarung zur Schau stellen und Frauen meinen, etwas (re-präsentieren zu müssen, (Outfit, Gestik, Mimik) was sie für sexy halten, mir aber immer eher etwas “billig“ bzw. “nuttig“ vorkommt. Ja, das ist schon eine Bereicherung (an Erfahrung)….

Womit wir wieder bei den Schmuddelkindern wären, mit denen zu spielen verboten ist. Die haben heute kein Rattenfell am Kragen, dafür das Kreuz der internationalistischen (wahlweise Kulturellen- Religiösen- Geschlechter etc. Solidarität) – und bleiben, was sie sind.

Projektionsfläche & Sehnsuchtsort, anarchische Kraft …… man muss es nur mögen. Aus der Ferne geht das.