Wenn Allmende und High Tec sich begegnen – Freifunk im Tierheim Gelsenkirchen

mechanisches tier

Was Physikern und Astronomen ihr schwarzes Loch, der Filmindustrie, Verschwörungstheoretikern und Versicherungswirtschaft ihr Bermudadreieck, ist einer Stadt ihr Tierheim.

 

mechanisches tierAuf unerklärliche Weise verschwinden hier die Problem-Produkte unserer ambivalenten Beziehung zur Kreatur aus unserem Blickfeld und stranden als Ausschuss-Ware im kommunalen Niemandsland.

Möglichst weit entfernt von Wohnbebauung, möglichst Mitten in Funklöchern, nah an Schnellstraßen, Sümpfen, Wüsteneien, liegen diese Hot-Spots der kollektiven Gewissens-Weiß-Waschung einer reichen Bürger Gesellschaft, die zwar von Massentierhaltung schockiert ist, ein Einkommen aller aber, um sich Nahrungsmittel aus artgerechter und umweltverträglicher Herstellung leisten zu können, nicht ermöglicht.

Hand in Hand arbeiten hoch engagierte Ehrenämtler und lohnabhängig Beschäftigte an diesen Depot- und Sammelstellen der verlorenen Reste unseres durch Effizienzdenken, Nutzenmaximierung und Ex und Hopp Mentalität geprägten Umgangs mit dem Lebendigen.

 

Pioniere sind sie, diese Tierheimer.

 

Pioniere und praktische Wegbereiter der allmählich wachsenden Erkenntnis, dass Tiere nicht nur keine Sachen sind, sondern empfindungs- und leidensfähige Wesen, befähigt zu großen Intelligenzleistungen, Werkzeuggebrauch und anderen, nur dem Menschen zugesprochenen Leistungen – wie z.B der Errichtung komplexer Lügengebäude bei sozialer Interaktion.

Pioniere und praktische Wegbegleiter von gestrauchelten Menschen in das komplizierte System einer durch Rechte und Pflichten geordneten Zivilgesellschaft zurück.

Was dem einen Delphintherapie in fernen Ländern ist, kann dem anderen vor Ort, bei der Ableistung seiner gerichtlich angeordneten Sozialstunden, tiergestützte, emotionale Erkenntnis bringen, über die Sinnhaftigkeit von Regeln.

Pioniere und praktische Wegverbreiterer von Allmende und Common Ideen, bieten sie, obwohl selber wegen chronischer Unterfinanzierung dauergestresst, kreativ alternative Wirtschaftsformen durch Nachbarschaftshilfe, Tauschbörsen und Flohmärkte an.

Freifunk und Tierheim = zwei Non Profit Konzepte – eine Idee

Pioniere auf ihrem Gebiet, sind auch die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlenden, wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entziehenden Programmierer, Administrierer und Kommunizierer des Freifunk Projektes.

Es sind hochqualifizierte technische Spezialisten mit ähnlicher ethischer Grundhaltung wie die der Tierschützer.

Ihr Ziel: die digitale Spaltung der Gesellschaft aufzuheben, freie und unabhängige Netzwerkstrukturen aufzubauen und dazu unzensierte offene WLAN-Netze zu nutzen.

Die in Deutschland (noch) geltende „Störerhaftung“ greift dabei nicht, da das Freifunk Netz von dem Internetprovider Freifunk Rheinland e.V. betrieben wird.

Ähnlich wie ein Mobilfunkanbieter, haften Provider nicht für mögliche Rechtsverstöße ihrer Kunden, weshalb Freifunk als offenes WLAN angeboten werden kann.

Was also lag näher, als die beiden zusammen zu führen und WLAN Hot-Spots auf dem Gelände des Tierheims zu ermöglichen?

 

Freifunk WLAN im Tierheim? Wer braucht denn so etwas?

freifunk tierheimSeit Anfang 2015 sind die Gebäude und das Gelände des Tierheims, Dank des Freifunks Rhein/Ruhr, WLAN-Hot-Spots und eine exzellente Hilfe vor Ort bei der Vermittlung von Tieren, können doch nun z.B. Handy-Fotos, sms, e-mails, schnell und sicher versandt werden.

Dazu wird einfach ein Freifunk-Router an ein vorhandenes DSL Modem angeschlossen. Fertig.

Mancher Mitarbeiter und Besucher ist froh, dem Funkloch seines Anbieters entkommen zu sein, mancher Freifunker ist froh, sein Konzept lebensnah verwirklicht zu sehen. Eine schöne win-win Situation für alle.

Was nix kostet taugt auch nix – oder wer bezahlt das alles?

Kosten werden natürlich generiert, als Faustregel gilt, dass ein aufgestellter Freifunk Router neben den Stromkosten 6 Euro Serverkosten jährlich verursacht.

Diese werden durch Spenden abgedeckt, weshalb „Router-Patenschaften“ mit noch so kleinen Beträgen eine wertvolle Unterstützung der Freifunk Idee sind.  

Neben dem Gelände des Tierheims gibt es einen weiteren Freifunk-Hot-Spot in Gelsenkirchen, es ist das Innenstadtquartier rund um die Hauptstraße.

Ob weitere Gebiete mit Unterstützung der Kommune folgen werden, entscheidet sich am 19.02.2015 im Rat der Stadt. Dort stimmen die Ratsmitglieder über einen Bürgerantrag zum Ausbau des Freifunks auf dem Gebiet der Stadt ab.

 

Spenden für Freifunk

 

Spenden für das Tierheim

 

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