Über den Emscherboten

Der „Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen“ erschien zuerst im Dezember 1977 mit der Zielsetzung, gegen „Verschleierungs- und Unterdrückungstendenzen“ anzukämpfen und „Missstände zu ändern“, „Informationen zu sammeln und zu veröffentlichen“ (Nr. 1/1977).

Der Herausgeberkreis setzte sich aus verschiedenen Initiativen zusammen, die an der Zeitung mitarbeiteten: „BI gegen Atomkraftwerke, Freundschaftsgesellschaft des Deutschen und Spanischen Volkes, Vereinigte Kriegsdienstgegner, Jugendclub Katernberg, Theater Lokomotive Emschertalbahn, Jugendzentrum Komic e. V.“ (ebd.).

War in der frühen Phase das Agitationsfeld noch sehr allgemein gehalten, so änderte sich mit der Nr. 1/1980 deutlich der Stellenwert der Zeitung. Zur Neuherausgabe hieß es: „Nach zwei Jahren düsterer Friedhofsruhe geht wieder ein frischer Wind durch die Gelsenkirchener Presselandschaft. Die vorliegende Ausgabe des Emscherboten ist verständlicherweise nur ein Anfang … Wir – das sind zur Zeit ca. zehn Leute aus verschiedenen Bereichen, die sich’s zum Ziel gesetzt haben, den Emscherboten zu neuem Leben zu erwecken. Diese erste Nummer ist ohne Grundsatzdiskussion über Redaktionsstatuten usw. entstanden. Einig waren wir uns darin, dass es auch und gerade in Gelsenkirchen notwendig ist, eine konkrete Gegenöffentlichkeit zu schaffen und dem Öffentlichkeitsmonopol von WAZ & Co den Kampf anzusagen … Wir wollen vor allem die Nachrichten, Informationen und Meinungen veröffentlichen, die in der bürgerlichen Presse gewöhnlich verfälscht. werden“ (NrEmscherbote. 1/1980).

Der bürgerlichen Medienlandschaft in Gelsenkirchen den Kampf anzusagen, das wurde sozusagen zum politischen Programm der Zeitung, wobei im Laufe der Zeit die Kritik am „Öffentlichkeitsmonopol von WAZ & Co.“ nicht durchgehalten werden konnte. Deutlich kommt das in einer Stellungnahme eines Redaktionsmitgliedes bzw. Insiders aus dem Januar 1982 zum Ausdruck: „Wer braucht den Emscherboten? In der Redaktion ist dies ziemlich unklar. Ich meine, dass der EB für die Mehrheit der Redaktion nicht mehr als ein privates Hobby ist, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Alternativlinge und Linksdenker. Gemacht und gekauft aus Verpflichtung, hohler Solidarität und Selbstzweck. Das ist kein Konzept. Einige wollen über den gesamten Widerstand in Gelsenkirchen berichten, andere den Arbeiter, den Bürger, den Normalen erreichen. Der Emscherbote soll kein Blatt der Szene sein, obwohl es in dieser großen kaputten linkspolitischen Szene für ihn genug Arbeit gäbe. Auf allen Wellen mit reiten, ob Kultur, BI-Berichte, Reportagen etc. und was herauskommt, ist ein schlechtes (auch schlecht zusammengezimmertes), langweiliges Zufallsblatt. Bisher ist über lahme Unterhaltung hinaus nicht viel gekommen … Fast 20 Leute in der Redaktion heben sich gegenseitig auf und schaffen es nicht, die Zeitung zu einem politischen Faktor zu machen … Der Hobby- und Freizeitjournalismus der EB-Redaktion hat seine Grenzen erreicht und ist am Ende.“ Plädiert wird für die „sofortige Einstellung des EB bis ein Konzept da ist, das nachweisen kann, dass man in GE eine Stadtzeitung braucht“ (Nr. 14/1982).

Da wurde die Konzeptionslosigkeit der Zeitung bereits deutlich kritisiert. Die Redaktion erklärte kurze Zeit später dazu: „Nun, wir haben keines. Das Konzept kann m. E. nur Ausdruck inhaltlicher Übereinstimmungen und Auseinandersetzungen sein.“ (Nr. 18/1982)

Eigentlich hatte der „Emscherbote“ seine Programmatik, mit der er angetreten war, da bereits deutlich aufgegeben. Die Kritik an „WAZ & Co.“ dürfte somit nur ein Zwischenstadium gewesen sein, das der schubartigen Umwandlung zu neuen und neueren Bewegungen in Gelsenkirchen wich. Nun galt: „Wir müssen und werden uns engagierter mit der GE-Szene auseinandersetzen …“ (ebd.)

Unklar war indes, wie das von statten gehen sollte. Im Oktober 1983 stellte die Redaktion fest: „… sind wir allerdings eher der Meinung, dass uns solche Auseinandersetzungen gerade öffentlich fehlen! Viel zu häufig werden gerade wichtige politische Positionen nur privat und damit auch oft unüberprüfbar, gerüchteweise ausgetauscht. Aus diesem Grunde sollten wir als Stadtzeitung auch solche Diskussionen aufgreifen, auch wenn ihnen oft der Ruf anhaftet, die eine oder andere Gruppierung zu diskreditieren …“ (Nr. 32/1983).

Dass von Kritikern, in Leserbriefen und Kommentaren bemängelt wurde, dass der „Emscherbote“, trotz oder gerade wegen dieses Eingeständnisses, von der „WAZ“ bereits links überholt werde, nagte nicht nur an der Stimmung, sondern auch an einer gewissen Vereinnahmung der Zeitung von außen: „Die Stimmung ist eh schon fast auf dem Nullpunkt. In der nächsten Zeit stehen bei uns wohl einige Auseinandersetzungen an, denen wir alle am liebsten aus dem Wege gehen würden … Da reden wir immer daher, was wir so alles machen müssen … und faktisch kommt oft nichts dabei heraus …. Ist der EB wirklich nicht nötig für Gelsenkirchen …? Wir glauben es fast! Diese entsetzliche Sprachlosigkeit der Käufer/innen ist schwerlich anders zu interpretieren, ganz zu schweigen von den Gelsenkirchener Initiativen. Offensichtlich können wir euch wirklich alles vorsetzen …“ (Nr. 28/1983).

Im November 1983, kurz vor der Einstellung der Zeitung, waren die Widersprüche dann ganz offensichtlich: „Viele haben im Laufe der Zeit beim Emscherboten mitgearbeitet und anschließend entnervt das Handtuch geworfen. Übrig geblieben sind nur die Erinnerungen, die ihr im Impressum findet. Daneben macht sich in der letzten Zeit eine neue Strömung bemerkbar: Initiativen nutzen den Emscherboten verstärkt zur Selbstdarstellung …“ (Nr. 33/1983).

Ob die Zeitung somit ideologisch okkupiert wurde, kann nicht gesagt werden. Offenbar gab es aber eine „unsichtbare Hand“, die mehr oder weniger von „links“ gegen die Verluderung mit stiller Maulwurfsarbeit ankämpfte. Trotzdem schien der Wille ungebrochen zu sein: „Irgendwie weitermachen“, meinte die Redaktion in der Ausgabe vom Februar 1984 und machte in Zweckoptimismus. Doch da schien das Pulver schon endgültig verschossen zu sein.

In der letzten Ausgabe vom März 1984 wurde jeglicher Perspektive abgeschworen: „… haben wir uns entschlossen, vorerst nicht weiterzumachen. Dass dieser EB überhaupt noch erschienen ist, kann einzig und allein auf unser Pflichtgefühl gegenüber der Institution ‚Stadtzeitung für Gelsenkirchen‘ zurückgeführt werden. Spaß macht es uns nicht mehr. Wir brauchen in nächster Zeit eine Atempause, um uns darüber klar zu werden, ob wir den EMSCHERBOTEN überhaupt weitermachen wollen und können, und wenn ja, wie er in Zukunft aussehen soll. Mit dem, was wir uns Monat für Monat mit viel Zeit- und Arbeitsaufwand abringen, sind wir nicht mehr zufrieden: das Ergebnis ist die Mühe schlicht und ergreifend nicht wert. Die Gründe für diese traurige Tatsache sind natürlich unsere allseits bekannten Schwierigkeiten: zu wenig Mitarbeiter, eine äußerst desolate Finanzsituation, Rückläufe Verkaufszahlen und unsere eigene Konzeptlosigkeit. Solange wir uns nicht darüber im Klaren sind, was wir mit der Zeitung erreichen wollen und wie wir das auf eine uns zufriedenstellende Art und Weise vermitteln können, hat es keinen Zweck mehr, den Emscherboten krampfhaft am Leben zu halten. Wir werden in den nächsten Wochen überlegen und diskutieren, ob und wie es weitergehen soll. Mal sehen, was dabei herauskommt.“ (Nr. 37/1984)

Weltanschaulich betrachtet, wollte der „Emscherbote“ eine linke Stadtzeitung für Gelsenkirchen sein. Dem entsprach auch, mehr oder weniger, das veränderte Stadtwappen im Kopf der Zeitung, das den Löwen mit einer erhobenen Faust zeigt, der die Kirche verdrängt. Die Zeitung orientierte sich an alternativen Zeitungsprojekten aus der antiautoritären Bewegung, wovon es genügend Beispiele gibt. War die Zeitung in ihrer Anfangsphase durchaus noch als „Gegen-WAZ“ mit kultureller Themenvielfalt konzipiert, so änderte sich das Bild schlagartig zu Beginn der 1980er Jahre mit dem Aufkommen der Grün-Alternativen, der Anti-AKW-Bewegung, der Sponti- und Hausbesetzerszene sowie verschiedener Bürgerinitiativen. Sie veränderten zunehmend das Bild der Stadtzeitung. Das eigene Korrespondentennetz, das man gedachte aufzubauen, konnte nie aufrecht erhalten werden, was die Redaktion stets beklagte. Faktisch wurden dem „Emscherboten“ die politischen Themen durch die Bewegungen aufgedrängt, ohne dass man sich großartig dagegen erwehren konnte.

Das Projekt hatte seit der ersten Ausgabe mit einem klammen Finanzhaushalt zu kämpfen. Dieser wurde als Hauptgrund für die Einstellung der Zeitung angegeben, was dazu führte, „dass der Emscherbote für 1 1/2 Jahre sein Erscheinen einstellen musste“ (Nr. 29/1983). Er wurde zunächst für 1,- DM verkauft, ab der Nummer 19 (Juli/August 1982) für 1,50 DM.

Zur Erhöhung des Verkaufspreises führte die Redaktion aus: „Es erübrigt sich wohl, die ständig wiederkehrende Argumentation für die Preiserhöhung einer Zeitung aufzufrischen. Alles ist allen längst bekannt. Uns beim Emscherboten plagt darüber hinaus ein dickes Manko, das wir seit Bestehen der Zeitung mit uns rumschleppen. Von jeder Ausgabe häufen sich Restbestände, weil trotz aller Absprachen wir den Verkauf nicht zufriedenstellend organisiert kriegen. Wir sind zu wenige, die zu viel machen müssen. So schleppen wir neben den Stapeln alter Emscherboten auch ca. 1.500,- DM Schulden mit uns rum. Der Drucker steigt uns so langsam auf ’s Dach, und es klappt auch nicht so mit den Anzeigen, die allein den Ausgleich schaffen könnten … Langsam ist auch unsere Kraft erschöpft. Uns fehlt es an Ideen, wir unsere Zeitung mehr unter Leute bringen können, so dass sie sich selber trägt. Momentan scheint uns die einzige Lösung darin zu liegen, den EB teurer zu machen, natürlich nicht ohne Gegenleistung. Wir wollen die Seitenzahl konstant auf 28 Seiten erhöhen und den Preis auf 1,50 DM raufsetzen. Das heißt z. B. auch, dass die Abos teurer werden …“ (Nr. 20/1982).

Ob es aber tatsächlich das Finanzloch war, das dazu führte, dass die Zeitung im März 1984 eingestellt wurde, muss offenbleiben. Offenbar ist aber der Hinweis aus der Nummer 20 symptomatisch für das Projekt insgesamt. Eigentlich klagte die Redaktion in regelmäßigen Abständen über mangelnden Einsatz von Redaktionsmitgliedern, Kräfteverschleiß, fehlende Initiativen, Ideen usw. Womöglich war das dann auch der Hauptgrund für die Aufgabe der Zeitung.

Der „Emscherbote“ war im Zwischenformat zwischen DIN A3 und DIN A4 gedruckt. Die Ausgaben ab 1980 hatten zuerst 16 bis 24 Seiten, die späteren Ausgaben hatten in der Regel 28, ab und zu sogar 32 Seiten. Die Auflage betrug zwischen 1.000 und 1.500 Exemplaren. Zwar wurde angemerkt, dass man sich mit einem 4-Spalten-Offsetdruck arrangieren wolle, doch dieser kam nur in den seltensten Fällen zum Einsatz. Mit der Ausgabe 2/1977 konstituierte sich erstmals ein „Redaktionskollektiv“, das bis zur letzten Ausgabe im März 1984 mit wechselnden Redakteuren und öffentlichen Redaktionssitzungen die Geschicke der Zeitung zu leiten versuchte.

Die Zeitung verstand sich als „autonome Stadtzeitung“, die „nicht als Linienblatt die politische Propaganda für eine bestimmte politische Organisation oder Partei übernehmen“ sollte, „sondern offen sein muss für Kontroversen, Widersprüche, Debatten, offen vor allem auch für die, die nicht den Rathausparteien angehören … Der Emscherbote soll nicht nur das Informationsblatt der linken Scene werden, sondern all die ansprechen, die sich in den etablierten Zeitungen nicht wiederfinden …“ (Nr. 1/1980).

Trotz dieses Hinweises, sich keiner bestimmten Partei verpflichtet zu fühlen und für sie Propaganda zu machen, dürfte die Zeitung, etwa ab 1982, mehr oder weniger deutliche Züge in Richtung Grün-Alternativ getragen haben, was möglicherweise auch mit der Verquickung von Redaktionsmitgliedern und politischer Parteinahme zu tun hatte.

Gruppen, Initiativen, Parteien, Projekte und Komitees 1977-1980 in einer Auswahl

  • Amnesty International
  • Bürgerinitiative gegen Atomkraftwerke/Anlagen
  • Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner
  • Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
  • Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen
  • Flöz Dickebank
  • Freundschaftsgesellschaf des Deutschen und Spanischen Volkes – OG Gelsenkirchen (FGDSV)
  • Gelsenkirchener Frauengruppe, Frauengruppe Buer
  • Jugendclub Katernberg
  • Jugendzentrum Komic
  • Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML)
  • Lokomotive Emschertalbahn
  • Mantelfabrik
  • Rote Garde
  • Selbsthilfe Gelsenkirchen
  • Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)
  • Vereinigte Kriegsdienstgegner

Gruppen, Initiativen, Parteien, Projekte und Komitees 1980-1984 in einer Auswahl

  • Aktionskomitee gegen Berufsverbote
  • Aktion gegen den Krieg
  • Aktionskomitee: Stoppt die Rechtsentwicklung
  • Amnesty International
  • Anti-AKW-Bürgerinitiative
  • Arbeitslosentreff
  • Arbeitsgemeinschaft Junge Presse, Gelsenkirchen
  • Arbeitskreis/Aktionskreis Leben (AKL)
  • Arbeitsgruppe der Arbeitersiedlungsinitiativen im Ruhrgebiet
  • Arbeitsgruppe Menschlichere Stadt
  • Arbeitsgruppe zur Auflösung von St. Georg
  • Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerer
  • Bezirksschülervertretung
  • Bürgerinitiative Flöz Dickebank
  • Bürgerinitiative: Kein Kraftwerk in Hessler
  • Büro für alternative Stadtplanung
  • Buchladen Trotz Alledem
  • Bürgerinitiative Rotthausen
  • Bürgerinitiative Zoo-Siedlung
  • Bürgerinitiative Valentinstraße
  • Caput
  • Demokratische Fraueninitiative (DFI)
  • Demokratische Sozialisten
  • Der Angler
  • DFG/VK
  • DGB Jugend
  • Die Grünen
  • Die ‚Neue‘ – Leserkreis und Initiative
  • El Salvador Initiative/Komitee
  • Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen
  • Frauen für den Frieden
  • Frauenhaus Gelsenkirchen
  • Friedensforum Gelsenkirchen
  • Friedensinitiative Bulmke
  • Förderverein Unabhängiges Zentrum Buer
  • GAL-Gruppe Haushaltspolitik
  • Gelsenkirchener Amateurtheater (GAT)
  • Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten (NHT)
  • Gelsenkirchener Musikinitiative
  • Gelsenkirchener Volkszählungsinitiativen
  • Grün Alternative Liste (GAL)
  • Hausbesetzerinitiative
  • Initiative für Frieden und Abrüstung
  • Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit und Neonazismus
  • Initiative gegen den gläsernen Menschen
  • Initiative: Rettet Grimberg
  • Initiative Soziale Sicherheit
  • Jazz & Art Galerie
  • Jugendzentrum Komic
  • Jungdemokraten
  • Jungsozialisten ( Jusos)
  • Junge Pioniere
  • Jusos
  • Kabarett (Theater)
  • Kindergruppe Bulmke e. V.
  • Kraftwerksgruppe der Grünen
  • Lukasgemeinde Hassel
  • Marx-Engels-Bildungsgesellschaft (MEG), vgl. Dietmar Kesten: Politische Bewegung in Gelsenkirchen
  • Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)
  • Mieterinitiative Auguststraße/BI Auguststraße
  • Mieterinitiative Rotthausen
  • Mieterinitiative Wolfstraße/Heinrich-Heine Straße/Rosenstraße
  • Motorradclub Kuhle Wampe
  • Naturfreundejugend (NFJD)
  • Pappschachtel
  • Ruhr-Volksblatt
  • Schwulengruppe
  • Selbsthilfe Buer
  • Selbsthilfe gegen Unterdrückung (SGU)
  • Selbsthilfe Netzwerk
  • Selbstorganisation der Zivildienstleistenden
  • Solidaritätskomitee
  • Sozialistisches Büro
  • Sozialer Friedensdienst, Gelsenkirchen
  • Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken
  • Straßentheater
  • Strobo Gruppe/Strompreisboykotteure
  • Szene M.
  • Theatergruppe Kratzbürste
  • Türkischer Arbeiterverein
  • Türkischer Jugend- und Frauenverein
  • Verein zur Förderung psychosozialer Beratungsarbeit
  • Vereinigte Arbeiterliste (VA)
  • VVN – Bund der Antifaschisten
  • Waschkaue

 

 

Leider fehlen uns einige Seiten der Nummern 33 und 36. Wer diese besitzt, der melde sich doch bitte beim MAO-Projekt.
Wir danken Heinz Niski (Gelsenkirchen) für die freundliche Unterstützung bei der Beschaffung der Zeitung.
 

 Dietmar Kesten  vom Datenbankprojekt Materialien zur Analyse von Opposition (MAO)

Kriegsgeschrei – „Kiew zahlt Soldaten Abschussprämien“ …

Unter dieser Überschrift war am 30. Januar in der „Süddeutschen“ zu lesen, dass der ehemalige Oligarch und derzeitige Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, den Soldaten seiner Armee mit marktwirtschaftlichen Methoden so etwas wie „Spass am Kriegsspiel“ verschaffen will.

Von einem „richtigen Krieg“ darf ja solange noch nicht die Rede sein, bis das „Kriegsrecht“ formal ausgerufen ist. Tatsächlich findet jedoch schon seit bald einem Jahr ein Krieg statt. Ein vereinbarter Waffenstillstand wird nicht eingehalten und die ukrainischen Soldaten sollen sich sogar schon beklagt haben, dass ihnen der reguläre Sold nicht ausgezahlt werde. Die Ukraine ist eben ein armes Land und Kriege sind sind nun mal teuer. Sie kosten Menschenleben und vor allem auch Geld.

Das wird sich mit der Aufstockung der Armee um 45 000 Soldaten auf 250 000 nicht ändern. Das Gegenteil wird der Fall sein, weil gleichzeitig verkündet wurde, dass den ukrainischen Soldaten nun „Abschussprämien“ gezahlt werden sollen: für ein Fahrzeug 600, für einen Panzer 2400 und für ein Kampfflugzeug 6000 Euro. Die Vernichtung feindlichen Kriegsgeräts wird also prämiert. Und zudem hat der ukrainische Präsident, mit nationalistischem Stolz gerühmt, dass sich 2500 Patrioten für den Krieg „freiwillig gemeldet“ hätten. Doch wer bezahlt das alles? Woher kommt das Geld so plötzlich, wenn der ukrainische Staat angeblich pleite Ist? Sollten sich vielleicht „patriotische“ Sponsoren den Luxus eines Krieges leisten wollen?

Wie sagte doch einst Bert Brecht: „Krieg wird sein, solange auch nur ein Mensch noch am Krieg verdient!“