Das Germanwingsdesaster

Wenn Sie einen Psychotherapeuten bitten, Ihnen etwas über Depressionen zu erzählen, Sie hätten da so einen Verdacht in der Verwandschaft, werden sie viel zu hören bekommen.

Das berufsspezifische „Schicken Sie ihn mal vorbei“ ist bei den Sitzungsgeldern, die fast an die der Zahnärzte oder Computernetzwerker heranreichen, verständlich und außerpsychologisch mit dem normalen Menschenverstand erklärbar. Wobei man die drei auch nicht vergleichen kann, denn nach der Zahnarztsitzung haben sie bald neue Zähne und wenn das Inter-Netzwerk steht, dann steht es. Wenn sie vom Therapeuten für Geist und Seele kommen, was haben sie dann?

 

Zurück zu den Depressionen: Der Fachmann wird Ihnen sagen, dass, wenn Ihr Verdacht stimmt, sich Ihr Bekannter immer mehr von allem zurückziehen wird. Dass er nicht mehr für niemanden und nichts erreichbar ist und wenn er das Ziel seiner Suche gefunden hat, die absolute Gemeinsamkeit mit sich selbst und seinem Elend, die Gefahr eines Selbstmordes sehr hoch ist.

 

Der Pilot der Germanwingsmaschine schien mir da gar nicht ins Raster zu passen. Er hat von Anfang an seinen Abgang als Paukenschlag geplant. Als wollte er die manische und die depressive Phase gleichzeitig durchkosten. Nach 10 Tagen weiß der Funk- und Fernsehkonsument mehr. Es fing das beliebte Saujagen statt. Jeden Tag jagte man eine andere durchs Dorf. Es wurde ein zerrissener Krankenschein gefunden! Es wurde dies und es wurde jenes gefunden! Das Durchwühlen von Müll mag für eine wahrheitsfindende Behörde eine Notwendigkeit sein. Aber die Ausbreitung über die Fundstücke in den Nachrichtenbörsen der Welt ist es sicher nicht.

 

Depressionen werden lt. Google-Link durch eine Störung in den Botenstoffen des Hirn hervorgerufen und sind medikamentös gut zu behandeln.

Wie bitte?

Litt der Mann vielleicht gar nicht an Depressionen? Man sagte früher im Revier: „Et geben solche und et geben son-ne.“

 

Normal ist sicher nicht, was er getan hat. Und ich muss an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dass ich froh wäre, er wäre nie geboren worden. Aber schlauer geworden durch einen Mitschüler meines Sohnes, der demnächst als Kapitän der Lufthansa mitfliegt und dessen überaus schweren Werdegang ich mitbekam, scheint es mir fast unmöglich, mit so einer ausgeprägten Form einer Geistesgestörtheit nicht durch das Sieb zu fallen.

 

Oder haben 100 Jahre nach Freud ausgereicht, das vermeintlich Böse aus unserem Denken zu tilgen? Das wir händeringend für alles und jedes Unrecht nach einer Entschuldigung suchen? Für ISIS, für Piraten am Horn, für den Kim il Jong, für Leute, die es für Gottesdienst halten, wenn Karikaturisten und Journalisten ermordet werden?

 

Nach den Morden von Paris ging, noch vor der Nachricht von der Tat, ein Apell an die Bevölkerung, nur nichts dem Islam in die Schuhe zu schieben. Das war auch richtig so und das unterschreibe ich auch. Vor dem Islam brauchen wir keine Angst zu haben, ich bin meines innersten Pazifismus und meines Glaubens wegen bekennender Christ und das hat seine Gründe. Aber Angst habe ich auch nicht vor den Menschen dieses Glaubens, sondern vor denen, die sich damit ihr Süppchen der Macht kochen wollen.

Die Zeiten, in denen man Schurken auch so nennen durfte, sind vorbei. Die Zeiten werden in der Realtät immer blutiger und in der sprachlichen Wiedergabe immer niedlicher.{jcomments on}

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Friedhelm Möllmann

Friedhelm Möllmann

Friedhelm wurde im Februar 1950 in Gladbeck Zweckel geboren, zog im Alter von einem Monat nach Scholven um und wurde damit zum überzeugten Bueraner. Er ist bekennender Christ und wohl auch bekennender, weil kritischer Katholik. Schriftsetzer mit allen Gutenbergschen Würden. Gelernt hat er bei der damals besten “Bude” der Welt, K+B auf der Hagenstraße in Buer. Er ist ohne Probleme durch die Zwiespältigkeit der Jugend, hie DPSG, dort Rock’n'roll, gekommen. Er hat kein Abitur. Seit 1980 ist er verheiratet, mit mittlerweile zwei erwachsenen Nachfahren, nach 3 Herzinfarkten und einem Stammhirnapoplex ist er seit 2011 berentet und nicht mehr ganz fit – aber nur körperlich!! Er gehört keiner Partei an, wobei er den Unionsparteien, der FDP, den Piraten, den Grünen und den Linken ganz besonders nicht angehört. Nach IG Druck und Papier, nachmals IG Medien, jetzt bei IG ver.Di nur noch zum Rentnerbeitrag Mitglied.

Friedhelm Möllmann verstarb im Oktober 2015.
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