Janosch – Oh wie schön ist Panama

Das 1978 erschienene und ein Jahr später mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Werk „Oh, wie schön ist Panama“ gehört wohl zu den bekanntesten Geschichten des Illustrators und Schriftstellers Janosch (eigentlich Horst Eckert), der sein privates Panama schon lange auf Teneriffa gefunden hat.
Wie in anderen Erzählungen von Janosch auch stehen im Mittelpunkt der Geschichte Bär und Tiger, die gleichermaßen kleinwüchsig und grenzdebil sind und in einer Zweierwohngemeinschaft in einer, nach modernen Maßstäben, kitschigen Schrottimmobilie leben. Während sich der eine, nämlich der Bär, aufs Fischen spezialisiert hat, ist sein tigergestreifter Freund ein großer Pilzsammler, weswegen es bei ihnen im regelmäßigen Wechsel gebratenen Fisch oder Pilzsuppe gibt.

In der Nähe ihres Hauses muss es einen Supermarkt geben, den Janosch uns allerdings nicht zeigt. Eines Tages finden sie nämlich eine Kiste mit der Aufschrift „Panama“, die ein Lieferant oder Käufer von Bananen achtlos weggeworfen hat, anstatt sie vorschriftsmäßig zu entsorgen, also in der Blauen Tonne für Altpapier.
Gleichwohl: Die Kiste duftet köstlich nach Bananen. Und der Duft der Bananen vernebelt Bär und Tiger die sowieso schon nicht besonders leistungsfähigen Gehirne, und so beschließen sie, nach Panama aufzubrechen, dem neuen Land ihrer Träume. Damit sie auch wissen, wo es lang geht, basteln sie sich aus der Kiste einen Wegweiser, wobei ihnen die Kistenaufschrift „Panama“ das Ziel ihrer Reise anzeigt. Den Wegweiser stellen sie in ihrem Haus auf und brechen zu ihrer Reise auf. Natürlich in Begleitung der sich auf Rollen bewegenden Tigerente.

Auf selbigem Weg treffen sie nach und nach eine ganze Reihe von Figuren aus dem zuckersüßen Kosmos von Janosch, die trotz aller Unterschiede in Gestalt und Wesensart mit den beiden Protagonisten eines gemeinsam haben: einen IQ, der deutlich unter dem einer Schnitte Graubrot liegt.
Diese ganzen Armleuchter haben zwar keine Ahnung, was Panama ist und wo es überhaupt liegt, was sie aber nicht unbedingt daran hindern kann, den beiden Wanderern Tipps zu geben, in welche Richtung sie weiter wandern sollen, denn es ist ja völlig klar, dass Bär und Tiger schon kurze Zeit nach dem Aufbruch völlig orientierungslos durch die Gegend ziehen und deshalb immer wieder nach dem Weg fragen müssen. Zwar sind die Auskünfte entweder nichtssagend oder widersprüchlich, aber unsere beiden Gesellen mit besonderem Förderbedarf auf Grund von Teilleistungsschwächen und erheblichen Bildungsdefiziten folgen allen Tipps, auch wenn sie völlig gegensätzlicher Natur sind.
So kann es nicht verwundern, dass sie letztlich wieder an ihrer Immobilie ankommen. Diese ist aber, entweder, weil sie sehr lange unterwegs waren oder weil die Naturlandschaft, in der sie leben, wegen irgendwelcher Mutationen turbomäßig wächst, völlig überwuchert und zugleich verfallen.
Aber auf dem Fußboden ihres Hauses finden sie den Wegweiser mit der Aufschrift „Panama“.
Sie können zwar nicht denken, aber immerhin verfügen sie wohl über rudimentäre Lesefähigkeiten, und sie glauben nun, sie seien tatsächlich in Panama angekommen. Und wie der Titel der Geschichte verrät, finden sie es in Panama so richtig schön. Soweit – so gut!
Nun wird jedes nicht gerade tiefbegabte Kind, das aufmerksam zugehört hat, fragen: Aber Papa, wieso glauben die beiden denn, sie seien in Panama? Die sind doch nur im Kreis gelaufen. Und wie kommt man tatsächlich nach Panama, und wo liegt das?
Wenn man nicht zu einer Notlüge greifen will, dann muss man wohl sagen: Na ja, Panama verbindet Nord- und Zentralamerika mit Südamerika und trennt gleichzeitig Atlantik und Pazifik. Beide Meere werden aber durch den Panamakanal verbunden, weil die trennende Landmasse hier besonders schmal ist.
Und das Kind wird weiter fragen: Ist Panama denn wirklich so schön? Und wir werden gezwungen sein zu antworten: Das mag schon sein. Aber das Auswärtige Amt warnt vor einer besonders hohen Gewaltkriminalität – auch tagsüber. Zudem sind Denguefieber, Cholera und Gelbfieber verbreitet, wobei gleichzeitig die ärztliche Versorgung eher schlecht ist.
Dann fragt das Kind: Also bleiben wir lieber zu Hause?
Und wir antworten: Oder wir fahren mit der AIDAluna bis Panama Stadt – verlassen aber das Schiff nicht.
Gute Idee, wird das Kind sagen, und sich dann endlich umdrehen und einschlafen.

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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