Auf dem Weg in die GAK oder Die Krise des DFB ist auch eine Krise des (Sport-)Journalismus

Das Muster ist uns ja bekannt – aus Wirtschaft (siehe VW) und Politik (Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass…). Erst mal leugnen und mauern, dann nur das zugeben, was sich nicht mehr verheimlichen lässt, und schließlich mit geheucheltem Bedauern und Exculpierungsfloskeln den Rückzug antreten. Im Sport ist es nicht anders. Auch nicht beim DFB – dem größten Sportverband (nach Mitgliedern) der Welt.

Als der SPIEGEL vor wenigen Wochen die These aufstellte, die WM-Vergabe an Deutschland(2006) sei durch Bestechung erkauft worden, begann das große Abwiegeln – nicht nur auf Seiten des DFB, sondern auch in großen Teilen der Presse. Man wollte sich das „Sommermärchen“ doch nicht kaputt machen lassen – und deshalb hielt man an dem Märchen fest, der DFB sei sauber und wies den Vorwurf des Stimmenkaufs energisch von sich.

Nun hat es erst mal Wolfgang Niersbach erwischt, der auch nach Wochen nicht schlüssig erklären konnte, an wen und für welchen Zweck die ominösen 6,7 Millionen Euro geflossen sind. Seine Pressekonferenz war eine unsägliche Veranstaltung, eine Tragikomödie der Inkompetenz, des Nicht-Wissens, des Ausweichens – unwürdig und letztlich für ihn selbst entwürdigend. Aber er brachte einen Namen ins Spiel, denn er berief sich bei seiner Darstellung bestimmter Vorgänge auf Franz Beckenbauer.

Aber Niersbach ist (und war) nur ein Funktionär- austauschbar, ersetzbar. Und Nachfolger stehen bereit. Aber durch ihn und seine Namensnennung bewegen sich Fußballsport und Sportjournalismus nun auf die GAK zu, die größte anzunehmende Katastrophe!

Denn jetzt ist der Skandal bei der Lichtgestalt angekommen, beim Kaiser, beim Bundes-Franz, so dass sich die WAZ heute zum Titel genötigt sah: „Lichtgestalt in Schattenwelt“ und – sehr spät – die Frage aufwarf „War die WM 2006 gekauft?“.
Wahrscheinlich ist es nur ein Zufall, dass heute der 11.11. ist und um 11.11 Uhr die „5. Jahreszeit“ beginnt, also die Regentschaft der Narren. Denn eine Narretei sondergleichen ist der immer noch vorhandene Irrglaube, Beckenbauer sei eine reine Lichtgestalt. Seit Jahren huldigen große Teile der Presse sowie der Fernsehanstalten diesem Mann. Unzweifelhaft auf dem Spielfeld ein Jahrhundertspieler von unvergleichlicher Eleganz, die Inkarnation der Libero-Position, die kein anderer Spieler der Welt so vollkommen ausfüllte wie Beckenbauer, der zu dem äußerst kleinen Kreis der Menschen gehört, die sowohl als Spieler als auch als Trainer(Teamchef) Weltmeister geworden sind.

Diese einzigartige Persönlichkeit ist schon zu Lebzeiten nahezu heilig gesprochen worden. Manche würden auf der Stelle zustimmen, wenn man behauptet, nicht Moses, sondern der Franz habe die 10 Gebote von Gott empfangen. Dieser heilige Mann kann heute dies und morgen das Gegenteil sagen – man hört ihm nicht nur zu, man glaubt ihm. Er kann den größten Schwachsinn absondern (wie den, dass ihm in Katar keine Sklaven begegnet sind) – diese instinktlose Dampfplauderei, die man niemandem sonst durchgehen lassen würde, wird als Diktum des Kaisers verstanden, das nicht anzuzweifeln ist. Er kann sich als „Experte“ für SKY und die BILD gemein machen mit der Presse und Verlautbarungen von sich geben, die an Flachsinn nicht zu überbieten sind – wo er spricht, scheint Licht auf, und Journalisten werfen sich fast auf die Knie vor ihm, wenn er ihnen seine Banalitäten in die Mikrophone plaudert oder in die Schreibblöcke diktiert.

Beckenbauer hat es verstanden, die Aura, die ihn auf dem Fußballplatz umgab, in die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn als Fußballer zu übertragen. Und er war von Anfang geschickt darin (und auch einer der ersten Fußballer), sich als „Marke“ zu kreieren, als fußballerisches Gesamtkunstwerk mit hoher Werbewirksamkeit („Kraft in den Teller – Knorr auf den Tisch!“). Er hat über Jahrzehnte als Funktionär (u.a. Präsident des FC Bayern München, WM Botschafter, FIFA) ein weltweites Netzwerk entwickeln können, ein Geflecht von Kontakten, Beziehungen, Kumpanei und Freundschaften.

Dass seine Unterschrift unter einem Schreiben steht, das einem der korruptesten Gestalten der FIFA, nämlich dem mittlerweile lebenslang wegen Korruption gesperrten Jack Warner, vier Tage vor der Abstimmung über die Vergabe der Weltmeisterschaft Leistungen unterschiedlicher Art für den von ihm vertretenen Fußballverband Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik zusichert, könnte aber selbst für Kaiser Franz zum Problem werden- oder, um es mit DFB-Vizechef Rainhard Rauball zu sagen: „Es ist schwierig, da etwas auszuräumen.“ (WAZ von heute).

1967 sang der Kaiser mit der damaligen Mannschaft des FC Bayern das naiv-dümmliche Liedchen „Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein.“

Die nächsten Tage werden zeigen, ob es auch um Beckenbauer einsam wird und wer noch seine guten Freunde sind.

Um es mit dem Kaiser selbst zu sagen:

Schaun wer mal!

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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3 Kommentare zu “Auf dem Weg in die GAK oder Die Krise des DFB ist auch eine Krise des (Sport-)Journalismus

    1. er hat sich bis jetzt darauf beschränkt, ex-dfb-boss zwanziger mit klage zu drohen, weil dieser ja behauptet hat, netzer habe im gespräch stimmenkauf zugegeben; bisher also ähnlich dürre äußerungen wie der franz selbst, in dessen schatten der günther aber immer gestanden hat

      1. https://www.youtube.com/watch?v=lLXf5Iu4rFg
        Der link verweist auf olli dittrichs akteuell schorsch aichner nummer. schorch aichner ist – der legende nach – über jahre doppelgänger von franz beckenbauer gewesen und hat ihn bei vielen offiziellen terminen vertreten. nun ist er samt ehefrau auf der flucht, und er hat zum geldtransfer sensationelles zu sagen
        viel vergnügen beim betrachten

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