Verkehrte Welt – BILD kämpft für die Pressefreiheit und lädt bei YouTube gelöschtes Video hoch

 

Sie haben es wieder getan, die Redakteure von Bild online! Erneut geben Sie die Vorkämpfer für die Pressefreiheit. Erst nach Veröffentlichung eines für ARTE/WDR produzierten Beitrags über „linken“ und „moslemischen“ Antisemitismus mit dem Titel „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ auf BILD-Online haben sich die beiden Sender genötigt gesehen, den von ihnen finanzierten und von einer WDR-Redakteurin abgenommenen Beitrag selbst zu zeigen, allerdings – im Sinne des betreuten Sehens – begleitet von in der Dokumentation  aufploppenden  vermeintlichen „Richtigstellungen“ der WDR-Redaktion per Text und einer Talk-Runde bei Maischberger – zu der die Macher des Film allerdings nicht eingeladen wurden.

Nun also Runde zwei!

Auf YouTube hatte die Redaktion von „Achgut.Pogo“ (Videoplattform-Kanal  der „Achse des Guten“) am 8. August einen Beitrag eingestellt, der  Hamed Abdel-Samad und Henryk M. Broder beim Besuch der liberalen Berliner Moschee und ihrer Gründerin Seyram Ates zeigte, einer Moschee, die offen ist für alle Gläubigen und in der Männer und Frauen gemeinsam beten und auch Frauen (Skandal: auch Frauen ohne Kopftuch!) predigen können. Teil des Videos waren kurze Filmausschnitte, die den Prediger Eyad Hadrous  bei seiner Arbeit für die gute Sache Allahs zeigten. In den Predigten äußerte er von einem ultra-konservativen Standpunkt aus  seine Haltung zur Rolle der Frau im Islam, erläuterte die – laut Koran –  von Gott gewollte Dominanz des Mannes und die Unterordnung der Frau unter den Mann und leitete von daher ab, dass niemals eine Frau Imam sein und den Koran interpretieren und den Glauben an Allah predigen könne.

Auf Antrag dieses Dieners Allahs hat YouTube  das Video ab dem 14. August entfernt, ohne wohl damit zu rechnen, dass die BILD  es zeigen würde!

Was sind das für Zeiten, wo ausgerechnet die BILD als Speerspitze der Pressefreiheit agieren kann, wogegen all den „linken“ und „liberalen“ Medien dieser Einschnitt in die Presse- und Meinungsfreiheit gleichgültig zu sein scheint.

Ist das so, weil man sich davor fürchtet, dass andernfalls mal wieder die halbe muslimische Welt zutiefst beleidigt ist und man sich deshalb lieber duckt? Oder liegt es daran, dass die auf der „Achse“ schreibenden Autoren eben nicht im Mainstream von SZ, ZEIT, FR bis hin zum SPIEGEL schwimmen?

Oder ist es diesen Presseorganen einfach nur peinlich, dass der Herr Prediger  mit seinem Frauenbild  deutlich macht, dass die immer wieder von unseren Leitmedien beschworene Grenze zwischen Islam und Islamismus überhaupt nicht existiert, sondern dass eins das andere bedingt – so wie man ja auch nicht sagen kann, Alkoholismus habe nichts mit Alkohol zu tun?

Wie auch immer!

Es ist in verschiedener Hinsicht lohnenswert, sich den Beitrag anzuschauen. Bis wann er auf BILD-online zu finden ist, wissen wir allerdings nicht!

Hier geht es zum Video:

http://www.bild.de/politik/inland/youtube/sperrt-islamkritisches-video-weil-hassprediger-protestierte-52878706.bild.html

 

Nur noch (Rechts-)Populisten unterwegs?

Liegt es am Fipronil in den Eiern? Oder an den wegen des Kotaus der Politiker vor der Auto-Diesel-Mafia in der Luft befindlichen Stickoxiden? Oder am Wetter? Oder an einer wachsenden Neigung, Fehlentwicklungen nicht mehr zu ignorieren?

Irgendwie gerät der Kampf gegen den Rechts-Populismus etwas aus dem Fokus! Vor allem, was die Auseinandersetzung mit dem Erstarken der AfD und der sog. Flüchtlingsthematik angeht, wobei zwischen beiden Teilthemen ein gewisser Zusammenhang existiert(e).

Galt vor etlichen Wochen noch die Gleichung: Kritik an der Flüchtlingspolitik = Rechtspopulismus = Rechtsradikalismus = schon fast Nazitum, so kommt seit geraumer Zeit auf mehr oder weniger leisen Sohlen ein Paradigmenwechsel in der Flüchtlingsfrage daher.

Was eben noch wütende Reaktionen und Beschimpfungen auslöste, scheint nun zum politischen Mainstream geworden zu sein, nämlich die banale Einsicht, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht in der Lage ist, eine stets weiter wachsende Zahl von Flüchtlingen (Schutzsuchenden, Geflüchteten) aufzunehmen.

Was Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Essen Ende 2016 in eine noch in Merkel-Art verklausulierte Botschaft packte („ Eine Situation wie die des Sommers 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen. Das war und ist unser und mein erklärtes politisches Ziel.“), nämlich eine Phraseologie, die eine Selbstkritik an ihrem Satz „Wir schaffen das!“ ebenso vermied wie an ihrer Entscheidung vom Sommer 2015, wird angesichts der wieder anschwellenden Zahl von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer und auch die eigentlich geschlossene „Balkan-Route“ nach Europa kommen wollen, in konkretere Aussagen gegossen.

So etwa von FDP-Chef Lindner. Der nannte (in einem Interview mit der WAZ, 5.August) nicht nur ein Einwanderungsgesetz als eine Grundbedingung für eine Koalition, sondern machte einen deutlichen Unterschied zwischen „Flüchtlingen, die Deutschland wieder verlassen müssen, wenn die Lage in ihrem Heimatland das ermöglicht, und qualifizierten Arbeitskräften, die wir in unser Land einladen wollen.“ Gleichzeitig sprach er sich für mehr Grenzschutz im Mittelmeerraum aus und forderte die Einrichtung von Erfassungsstellen auf dem nordafrikanischen Festland für Asylsuchende und Arbeitsmigranten. Auf die Frage, ob er die zivilgesellschaftlichen Retter, die mit ihren Schiffen im Mittelmeer kreuzen, um Flüchtlinge aufzunehmen, verurteile, antwortete er trocken: „Auch edle Motive können zu schlechten Ergebnissen führen“, was indirekt nichts anderes bedeutet als den Vorwurf, die Hilfsorganisationen arbeiteten den Schlepperbanden in die Hände.

Würde man in älteren Zeitungsartikeln blättern oder sich entsprechende Quasselrunden in den Talk-Shows noch einmal zu Gemüte führen, gleichgültig ob bei Plasberg, Maischberger oder Illner, würde man Politiker oder andere Zeitgenossen erleben, die mit gutmenschlichem Empörungsfuror auf den Vertreter solcher Positionen verbal eindreschen.

Aber es gilt eben auch in diesem Zusammenhang Bob Dylans Album-Titel aus dem Jahre 1964: „The Times The Are a-Changin´“.

Zweites Beispiel.

Das „Sturmgeschütz der Demokratie“, also DER SPIEGEL, selbst monatelang energischer Kämpfer gegen den (rechten)Populismus, macht schon in der Überschrift zum Leitartikel (!!) der Ausgabe 32 vom 5.8.2017 klar, dass der Wind sich gedreht hat, wenn es heißt. „Grenzen der Humanität. Europa muss politisch entscheiden, wie viele Flüchtlinge es aufnehmen will.“(S.6)

Der Artikel fordert „alle“ dazu auf, sich endlich von den „Lebenslügen“ zu verabschieden und endlich zu definieren, wie viele „Flüchtlinge die EU aufnehmen will.“ Und weiter: „Man kann das Kontingent nennen, Quote oder Obergrenze(…).“  Und in der Konsequenz heißt es im Beitrag: „Wenn Europa alle aufnähme, die einen Anspruch auf Schutz geltend machen können, würde das die Gemeinschaft wirtschaftlich und vor allem politisch überfordern.“

Was ist das jetzt also, die Positionen von Lindner und des Spiegel-Leitartikels? Ist das Populismus oder Rechts-Populismus? Ist das ein inhumanes oder nazistisches Gedankenwerk?  Oder ist das eine schlichte Kenntnisnahme der Wirklichkeit, die man (aus sicher gut gemeinten Gründen, aus Hilfsbereitschaft und moralischer Verpflichtung) lange verdrängt hat – vielleicht auch in dem Gefühl, eine geschichtliche Schuld abzuarbeiten!

So gesehen ergibt sich eine eigentümliche Paradoxie, eine dialektische Volte: die Umfragewerte der AfD stagnieren, sinken sogar teilweise, aber einige ihrer politischen Vorstellungen zur Flüchtlingsthematik sind offensichtlich nicht mehr nur in der politischen Schmuddelecke zu finden. Was einst Populismus genannt wurde, ist heute nahezu mainstream!