Kiffen, Jah und Heilserwartung: Jamaika als Versorgungseinrichtung und Opportunismuspfuhl

Am Anfang der Erzählung vom Aufbruch stand die unausgesprochene Absprache der Täuschung des Souveräns, der soeben der Regierung sein Misstrauen ausgesprochen hatte, indem er zwei ehemalige sogenannte Volksparteien stimmenmäßig abgestraft und zugleich einer seit Monaten als brauner Schmuddelpartei diffamierten Gruppierung einen großen Teil seiner Stimmen – im Bundesland Sachsen rund 27% – gegeben hatte. Diese unausgesprochene Absprache hieß: KEINE NEUWAHLEN!

Und da die eine ehemalige Volkspartei sogleich verkündete, aus Verantwortung für die Demokratie – also wegen der Schmuddelpartei – die Führungsrolle in der Opposition übernehmen zu wollen und die MI-MA-MUTTI-Kanzlerin sogleich verkündete, es gäbe keinen Grund, irgendetwas zu ändern, vor allem nicht an ihrer Kanzlerschaft, wurde das Projekt JAMAIKA ausgerufen, natürlich unter Führung von MI-MA-MUTTI und ihrer CDU.( Nur nebenbei: betrachtet man das Ergebnis der CDU alleine, also ohne die Stimmen für die CSU, hat diese  „Volkspartei“ bei der Bundestagswahl nur 26,8 % der Wählerinnen und Wähler auf sich „vereinigen“ können).

Was Jamaika angeht: Dort gibt es bekanntlich die Bewegung bzw. Glaubensrichtung der Rastafari. Diese lehnen das westliche politische System, von ihnen Babylon genannt – übrigens vormals in den „Offenbarungen des Johannes“ als „Hure Babylon“ die Bezeichnung für das römische Imperium  –  als dekadent und korrupt ab, glauben, Haile Selassie sei der wiedergekehrte Messias, JAH genannt, und leben, abgesehen vom Kiffen und der Reggae-Musik, von einer extensiven Heilserwartung.

Und eine solche Heilserwartung schwebt nun über den Gesprächen zu einer Jamaika-Regierungskoalition. Auch hierbei gibt es wieder eine unausgesprochene Absprache: diese besteht darin, dass man öffentlich, also in Verlautbarungen vor der Presse und in den Einheitssoßen-Fernseh-Plauderveranstaltungen mal in Zweifelspose den Kopf hin- und her bewegt wie ein Wackel-Dackel auf der Hutablage im Auto oder auch schon mal die Stirn in Falten legt und dabei „Der Weg ist noch weit“ oder auch „Es gibt noch Schwierigkeiten auf dem Weg“ murmelt, faktisch aber bereits das  Platznehmen auf den Regierungsbänken vorbereitet.

Die MI-MA-MITMACH-MUTTI hat schnellstens dafür vorgesorgt, indem sie ihren Finanzminister auf den Stuhl des Bundestagspräsidenten weggelobt hat. Das ist der Lohn dafür, dass er zwar manches, was die Raute auf zwei Beinen in den letzten Jahren getan hat, wohl nicht gutgeheißen hat, aber nie öffentlich gegen sie opponierte. Kalt abserviert – wie manch anderer Kopf der CDU!

Jetzt ist also Platz geschaffen für den smarten Lindner oder seinen Kumpel Kubicki, der im Moment damit zu kämpfen hat, dass ihm vor überbordendem Selbstbewusstsein nicht die Sakko-Knöpfe abplatzen. Und für den grünen Cem, den so schwäbisch-näselnd daherkommenden Bedächtigen, für den es, altersmäßig gesehen, nun wirklich Zeit für ein Ministeramt wird (LAST EXIT: Außenministerium), steht der Posten von Gabriel bald zur Verfügung. Und was KGE angeht, die mit MUTTI den Glauben (Protestantismus) und die Herkunft (ehemals sozialistische TÄTERÄTETE) gemeinsam hat, wird sich auch noch ein Posten in der Regierung oder in der Fraktionsführung finden lassen.

Inhalte? Man wird schon alles soweit kleinhäckseln, dass es irgendwie passt. Opportunismus ist ja auch eine Haltung, die man einnehmen und mit der man Politik machen kann. Und was ein echter Jamaika-Freak ist, der kifft sich die Welt halt schön, vertraut auf JAH und besäuft sich an seiner eigenen Heilserwartung!

Vor dem nächsten Spiel der Nationalmannschaft also „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in einer Bob-Marley-Version!

Crema Catalana

Zutaten
Portionen: 8 

  • 8 Eigelbe
  • 250 g + 8 EL Zucker
  • 3 EL Speisestärke
  • 1 ungespritzte Zitrone
  • 1 Vanilleschote
  • 1 Zimtstange
  • 1 Liter Milch

Wären in Deutschland Szenen wie in Barcelona am Tag der Abstimmung über eine Loslösung von Spanien denkbar – etwa wenn der „Freistaat“ Bayern beschlösse, eine Volksabstimmung über die Loslösung von der Bundesrepublik zu organisieren? Schickte die Berliner Zentralregierung in einem solchen Fall einige Hundertschaften Bundespolizei nach München, um bayerische Bürger auf dem Weg zur Abstimmung niederzuknüppeln?

Das Verhältnis zwischen der Zentralregierung (Bund) und den Ländern ist im Grundgesetz in den Artikeln 20 – 37 geregelt („Der Bund und die Länder“). In diesem Abschnitt  der Verfassung sind die Gewaltenteilung und  der Föderalismus festgeschrieben, hier werden Kompetenzen von Bund und Ländern umrissen (z.B. : Außenvertretung ist Bundessache), die Bedeutung der Parteien wird benannt und das Verhältnis zur Europäischen Union wird bestimmt. Und in Artikel 25 wird die Beziehung zwischen Grundgesetz und Völkerrecht bestimmt. Es heißt dort:


Die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des Bundesgebietes.

Aus der Bestimmung könnte man ableiten, dass – um bei dem obigen Beispiel zu bleiben – Bayern das Recht hätte, sich aus der föderalen Bundesrepublik zu verabschieden. Im Grundgesetz selbst ist die Frage der Sezession eines Bundeslandes nämlich nicht expressis verbis geregelt.

Das allgemeine Völkerrecht sieht aber das Recht auf Selbstbestimmung vor, gesteht also jedem Volk das Recht zu, über seine Staats- und Regierungsform zu bestimmen, ohne Fremdherrschaft eine eigene Nation zu bilden oder sich einer anderen anzuschließen.

Anders als im Grundgesetz ist die Frage der Sezession  in der spanischen Verfassung vom 29.12.1978 aber geregelt. Ihr Artikel 2 lautet:

„Die Verfassung gründet sich auf die unauflösliche Einheit der spanischen Nation, gemeinsames und unteilbares Vaterland aller Spanier, und anerkennt und gewährleistet das Recht auf Autonomie der Nationalitäten und Regionen, die Bestandteil der Nation sind, und die Solidarität zwischen ihnen.“

Autonomie ja – Loslösung nein! Darauf beruft sich die Zentralregierung in Madrid, darauf hat der König von Spanien in seiner Ansprache abgehoben. Gleichwohl könnten sich auch die Katalanen auf das Völkerrecht berufen – was ihnen bei der Durchsetzung ihres Loslösungswunsches aber kaum zur Hilfe gereichen würde, jedenfalls nicht unmittelbar.

Zubereitung

  1. Eigelbe mit 250 g Zucker schaumig rühren. Speisestärke gut unterrühren.
  2. Zitrone in einem Stück schälen. Vanilleschote auskratzen. Vanille, Zitronenschale und Zimtstange mit der Milch in einen schweren Stieltopf geben und zum Kochen bringen. Von der Kochstelle nehmen und mit dem Schneebesen die Eigelb-Zuckermischung hineinrühren.
  3. Topf zurück auf den Herd stellen und unter ständigem Rühren leise köcheln, bis die Crème dickflüssig wird. Zitronenschale und Zimtstange herausnehmen.
  4. Crème in 8 feuerfeste Förmchen füllen und erkalten lassen.
  5. Jedes Förmchen mit 1 EL Zucker bestreuen und unter dem Backofengrill den Zucker karamellisieren lassen und ein scharfes Auge draufhaben, weil der Zucker schnell verbrennt.

Nun könnte man den Vätern und Müttern der spanischen Verfassung eine unhistorische Denkweise vorwerfen, denn ein Gebilde wie einen Staat mit dem Begriff „unauflösliche Einheit“ zu belegen, ist ein Anspruch, der angesichts der europäischen Geschichte einerseits verständlich, andererseits aber wenig tragfähig ist, um aufbrechende Widersprüche aufzufangen und gesellschaftliche Entwicklungen zu begradigen.

Vielmehr ist es doch so, dass gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten – und hier will ich nicht lange auf dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien und dem Bürgerkrieg  herumreiten – Autonomiebestrebungen gewachsen sind, sowohl hinsichtlich übernationaler Einrichtungen (EU-Brexit als bedeutendstes Beispiel) als auch innerhalb einzelner Staaten. Gerade das Anwachsen der als Krake empfunden EU-Bürokratie in Brüssel befeuert solche Bestrebungen.

Vielleicht muss man es lernen, auch in Fällen solcher Loslösungswünsche Widersprüche zu ertragen. England wird sich auf Dauer keinen Gefallen getan haben mit seiner Entscheidung. Und auch Katalonien wird sich mit der angestrebten Selbstständigkeit neue, größere Probleme einhandeln. Katalonien ist die am höchsten verschuldete Provinz Spaniens – nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt. Katalonien ist nach Madrid die Region mit dem größten Außenhandelsdefizit, erzielt allerdings einen Handelsüberschuss auf dem spanischen Binnenmarkt, entfaltet seine Wirtschaftskraft also überwiegend in dem Land, aus dem es sich herauslösen will. Und ob im Zeitalter der Globalisierung die Gründung eines neuen „Kleinstaates“ einen generellen Fortschritt darstellt, mag offen bleiben.

Ob zeitgemäß oder nicht, ob in der Verfassung geregelt oder nicht: Das Recht, ihre eigene Geschichte zu schreiben und ihre eigenen Fehler zu machen, sollte man den Katalanen zugestehen!

Zeitaufwand:

Zubereitung: 10Minuten  ›  Kochzeit: 20Minuten  ›  Fertig in:30Minuten

Guten Appetit!

Was ist eigentlich ein „Aktivist“?

Bei der (online-)Lektüre zur Wahlnachlese bin ich auf den Beitrag eines gewissen Olaf K. (Nachname von mir gekürzt) gestoßen. Der Beitrag selbst tut hier nichts zur Sache, sondern nur der Umstand, dass zu diesem Olaf K. folgende Autoren-Stichworte gegeben wurden: Aktivist, Paketzusteller bei der Deutschen Post.

Was ein Paketzusteller ist, weiß ich. Schließlich klingeln Vertreter dieses Berufsstandes häufig bei mir, auch wenn ich selbst gar keine Paketsendung bekomme. Aber meine Nachbarn sind eigentlich immer abwesend (oder tun so), wenn der Paketzusteller kommt. Und da ich – in diesem Kontext ein logistischer Nachteil für mich, aber ein Vorteil für den Paketboten – auch noch in der Erdgeschosswohnung residiere, klingeln die Paketboten – egal ob von DHL, dpd, hermes oder wie diese Unternehmen auch heißen mögen  – schon mal gerne bei mir und stellen mit um Nachsicht und Barmherzigkeit bittendem Blick die Frage: Würden Sie dieses Paket für Herrn X oder Frau Y annehmen? Und wenn man das aus Freundlichkeit bereits ein- oder zweimal gemacht hat, dann ist man schon so etwas wie ein fester freier Mitarbeiter – aber ohne Gehalt!

Also dieser Olaf K. ist schon alleine deshalb Aktivist, weil er Pakete zustellt – und das ist als Passivist ja wohl nicht zu leisten! Aber auch wenn zwischen den beiden Bezeichnungen Aktivist und Paketzusteller eine gewisse inhaltliche Schnittmenge besteht, so sind sie doch offensichtlich nicht deckungsgleich, denn das Komma zwischen den beiden Begriffen ersetzt – wie bei einer Aufzählung häufig der Fall – ein „und“. Olaf K. ist also als Paketzusteller aktiv und  Aktivist dazu.

Was ist also ein Aktivist?

Als es noch den Ostblock gab und damit auch die DDR, war die Bezeichnung AKTIVIST eine Auszeichnung für einen Menschen, der sich nach Auffassung von Partei- und Staatsführung im Rahmen des Sozialismus durch seine Arbeitstätigkeit besonders hervorgetan hatte und deshalb mit diesem Begriff geehrt wurde. Aktivist war also ein Propagandabegriff! Ein solcher „Held der Arbeit“ war in der DDR z.B.  Adolf Hennecke, der sich durch mehrfache gesteigerte Planübererfüllung bei der Partei sehr beliebt, bei seinen Arbeitskollegen aber wahrscheinlich umso verhasster gemacht hat.

Auf Olaf K., den Paketpostboten (bitte nicht verwechseln mit Josef. K, einer literarischen Figur von Kafka), trifft das Hennecke-Syndrom bestimmt nicht zu. Er ist eher ein Aktivist nach der Definition von WIKIPEDIA:

„Als Aktivist (von lateinisch „aktivus“:  „tätig, aktiv“) wird eine Person bezeichnet, die in besonders intensiver Weise, mit Aktivismus, für die Durchsetzung bestimmter Absichten eintritt. Oft sind diese im weitesten Sinn politischer Art und stammen insbesondere aus den Bereichen der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sowie der Bürger- und Menschenrechte. (…)

Ein Aktivist unterscheidet sich vom Politiker vor  allem darin, dass er seine Ziele nicht über direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts oder Mitarbeit in einer Partei, sondern auf eher informelle Art und Weise (…)“.

Ein Aktivist zeichnet sich also durch seinen Aktivismus aus, den er aber nicht im Rahmen einer Partei ausübt, sondern informell. Also mit einem hohen Grad von Unverbindlichkeit. Und ohne, dass er Mitgliedsbeiträge bezahlen, zu irgendwelchen Parteiversammlungen gehen oder während des Wahlkampfes an Info-Ständen stehen muss.Er hat es also relativ leicht!

Folglich: Wenn Olaf K. in, wie es oben heißt, besonders aktiver Weise Pakete austrägt, ist er kein Aktivist, auch dann nicht, wenn er kein Parteimitglied ist. Wenn er als Paketbote besonders nachlässig, ja geradezu faul ist, vielleicht sogar Pakete überhaupt nicht zustellt, sondern heimlich entsorgt, weil er wegen der Planung einer neuen Kampagne oder weil er einen neuen Beitrag verfassen muss keine Zeit für das Austragen hat, dann ist er ein Aktivist. Und wenn er den Beitrag in einem BLOG veröffentlich, dann ist er sogar Blogger. Und lädt er den Beitrag auch noch auf YouTube hoch, dann ist er YouTuber, was mich zu der Überlegung veranlasst, ob gerade unter Postangestellten viele Aktivisten, Blogger und YouTuber zu finden sind, weil man ja immer wieder lesen kann, dass Sendungen (Briefe und Pakete) den Empfänger nicht oder nur mit mehrwöchiger Verspätung erreichen.

Ich werde unseren Paketboten dazu mal fragen, wenn er wieder bei mir klingelt. Und ob ich weiterhin Pakete für meine Nachbarn annehme, überlege ich mir noch!

Paketboten sollen Pakete austragen – das reicht an Aktivität!