Warum ich Gelsenkirchen den Rücken kehrte

In den fünfziger Jahren schuf die Verbundenheit mit dem Ort ein sicheres Gefühl der Zugehörigkeit und Solidarität. Heute haben wir stattdessen Dekadenz, welche ein autonomes Leben des Menschen verhindert.

Für den Ruhrgebietler wird es ein sich steigerndes Desaster, denn die kommerzielle Wucht und Gier greift ohne jeden Skrupel nach der  Ressource Mensch, um all seine Bedürfnisse auszubeuten.

Niemand fragt, wie soll und kann es anders gehen.

Diese Aussichten veranlassen den Beobachter über Alternativen nachzudenken, um der dementen Lebensform zu entkommen.

Ein sediertes Leben ist nicht in der Lage, Fragen nach Veränderungen zu beantworten. Ein vergiftetes Leben wird zwangsläufig kranke Menschen hervorbringen und Systeme installieren, die der mutierten, gierigen Gattung genehm sind. Alle fundamentalen Grundbedingungen, die ein gesundes Dasein benötigt, wie Ruhe, Gelassenheit, Zuversicht und Solidarität sind weggebrochen.

Schauermärchen? Nein, real existierendes Gesellschaftsmodell in Gelsenkirchen.

Glücksmomente durch gefühlvolle Hinwendung zum Nächsten, gehören der Vergangenheit an. Das angeheizte, überforderte Gemüt brutalisiert sich und entwickelt dummdreiste Verhaltensmuster, woran die menschliche Zuwendung zerbricht.

Mit einem freudigen Dasein hat dies rein gar nichts mehr zu tun. Der gesetzlich garantierte Anspruch auf Verdummung wird mit Hingabe ausgelebt. Die Inhaltsstoffe für ein gesundes, glückliches Leben werden brutal mit den Säuren Gier, Kredite und Gemeinheiten zersetzt. Ein Idiotenleben, welches Sicherheiten völlig ausschließt. Ein gehetztes Irresein ist der Preis.

Ja sicherlich, gelernt habe ich auch etwas von den Menschen im Ruhrgebiet, aber eben nichts Erbauliches.

Hier können keine mit klarem Verstand und Bewusstsein ausgestatteten Mitglieder einer menschlichen Gemeinschaft heranreifen.

galapagosIch halte die politische Entscheidung, den ungebremsten Zuzug von Immigranten mit ihren unterschiedlichen Sippengesinnungen zu fördern, für einen erbärmlichen Schildbürgerstreich, der nie korrigiert werden kann. Es ist eine elendige Gemeinheit, die den Gelsenkirchener Insulaner überfordert und seine gewachsene Lebensqualität unwiederbringlich zerstört.

Heimat ist der kostbarste Besitz des Menschen.

In Gelsenkirchen fängt der konservative, rückwärtsgewandte Orient an. Welch eine „Bereicherung“ diese Spielart des Morgenlandes für die Region darstellt ist beeindruckend. Ein Blick auf die Bahnhofstraße genügt, um Rudyard Kiplings Satz „Ost ist Ost, West ist West, sie werden nie zueinander kommen“ eindrucksvoll zu bestätigen.  Ein Segen für Deutschland, nicht wahr, der uns einen unwiederbringlichen Verlust an Lebensqualität abverlangt. Massive Verdrängungen sind notwendig, um diese Segnungen zu ertragen.

Viele Süchte, die der Verdrängung behilflich sind, spezialisieren sich: Die Droge Alkohol, die Fress- und Sexsucht, und insbesondere die Mediensucht, die ein virtuelles Dasein installiert. So sitzt dann ein Jeder in selbstinszenierter Isolierung vor dem Bildschirm von der Außenwelt getrennt. Eine Situation, die man im Gefängnis als Isolationshaft und psychische Folter bezeichnen würde; man glaubt sich aber als freier Mensch, mit der ganzen Welt verbunden, ohne allerdings Interesse für die reale Umgebung zu haben.

Es scheint, dass sie durch die vermehrte Nutzung künstlicher Intelligenz zunehmend auch die Fähigkeiten verlieren, die Welt durch eigene Arbeit mitzugestalten.

Sicherlich sind meine Einschätzungen nicht unantastbar. Jedes Denkergebnis bleibt immer relativ und unvollständig. Falls  jemand weiter sieht,  sollte er oder sie es hier auf den Punkt bringen, um die zunehmende Verblödung anzugreifen und die Chancen für ein besseres Leben zu erhöhen.

Meine Emotionen und Gedenkstunden an Gelsenkirchen sind weitgehend abgeschlossen.

Das Leben ist zu interessant, um es in einer Kommune zu ertragen, in der diverse Denkstörungen miteinander wetteifern. Der Preis der geschätzten Standort-Treue bis ins Greisenalter hinein, ist zu hoch für mich. Die monotone Aufarbeitung kommunaler Verdummung und Psychopathien, überlasse ich gerne einem eifrigen, hingebungsvollen Gelsenkirchener Edward Snowden.

Es war Zeit für mich, diesen Ort zu verlassen, um neuen Erfahrungen und Herausforderungen zu begegnen.

Es bleibt spannend.

Mein aufklärerisches Engagement gegen die scheinbar unaufhaltbaren, dementen Horden verschiedenster Provenienz, ist bekannt.

Hat es genutzt?

Für mich waren es positive Einsätze. Wenn sich meine zurückliegenden Aktivitäten dadurch rechtfertigen, andere zu informieren, Denkanstöße zu geben, so zeigt dies doch einen nicht geringen Wert meiner Arbeiten auf.

Dieser oft bedrückende, nun abgeschlossene Gelsenkirchener Lebensabschnitt, weicht einem sonnigen, exotischen Dasein mit der freudigen Option, Neues in diesem schönen spanischen Land zu wagen und umzusetzen.

Ähnlich einem Samenkorn, welches das passende Erdreich findet und die alte Hülle verfaulen lässt, um als neuer, kraftvoller, Spross zum Vorschein zu kommen.

Ein paar Zeilen zur Gelsenkirchener Kunst (Szene):

Solange ein Land für irgendetwas Höheres empfänglich bleiben soll, ist Kunst unentbehrlich. Fast alle vergangenen Stilformen der Kunst bereichern uns lehrreich.

Wir bewundern sie angemessen bis zum heutigen Tage.

Die aktuelle Kunst wird immer nichtssagender. Der oppositionelle, soziale Aspekt hat sich ohne Aufhebens verabschiedet. Was bleibt, sind Dekorationsentwürfe die eine seichte, anspruchslose Klientel beeindruckt.

Wie wird aus Unsinn Sinn?

Diese bunte Inflation, die heute die Redaktionen des Feuilletons vollstopft, nötigen den Kulturjournalisten Unfähigkeiten unangemessen zu veredeln und zu würdigen. Sicherlich nicht verwerflich, doch für einen Kunstkenner eine Zumutung.

Es ist auch durchaus zu vermuten, dass diese Kultur-Journalisten unfähig sind, Kunst angemessen zu beurteilen und einzuordnen. Sie verbreiten  Unfug kultiviert und sind deshalb in Verantwortung zu nehmen.

Eine Illusion ist, in diesem Zusammenhang auf einen beseelt wirkenden Gelsenkirchener Michelangelo zu hoffen, der geistvoll kreativ und mutig die Nöte der Menschen und das Unansehnliche ihrer Situation darstellt.

Die Ausstrahlungskraft Gelsenkirchener Kunst ist das Beliebige und Belanglose.

Schon eher eine Eulenspiegelei die ihr geschichtlich erworbenes Existenzrecht, nicht ernst genommen zu werden, kultiviert, welches wir humorvoll respektieren sollten.

© Werner Lojewski (2014)