Herkules Nachtlied

Herkules Nachtlied

Da steh’ ich nun, ich armer Tor Und komm’ mir sehr belüpertzt vor,

Mit meiner großen Keule. Mein linker Arm, der fehlt mir sehr –

Vielleicht reichte das Geld nicht mehr? (Grad’ kackt auf mich ‘ne Eule).

Ich bin aus Alu, um und um Und steh’ ganz hoch so dumm herum,

Dass heimlich Nachts ich heule.

Es alpträumt von mir fern und nah,

So mancher, der mich einmal sah,

Auf dieser großen Säule.

Potthässlich hat er mich gemacht,

Der Künstler, der sich’s ausgedacht,

Zum Wohl der Egobeule.

Ihm kam’s noch nie auf Schönheit an,

Sein Werk diktiert der Gößenwahn,

Und das schon eine Weule.

Drum steh ich hier, ziemlich versehrt

Als Schrott-Kunst (zig Millionen wert) trotz dem Protestgeheule.

© Werner Schlegel

 

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