Gloriablasen oder Schöne Bescherung in Buer

 

Wir hatten uns extra freigenommen von der Familie und wollten den Heiligabend ganz für uns gestalten. Dafür wurde der Familienkreis auf die Weihnachtstage geschoben. Senioren haben manchmal komische Ideen, aber meine Frau und ich wollten diesen Heiligabend gerne mal wieder selbstbewusst erleben und genießen. Dazu hatte ich ein kleines Rahmenprogramm vorgesehen.

Eigentlich wollten wir ja um 16 Uhr in die Kirche zum Krippenfest, das die KinP1010878b st.mariä.himmelfahrt.buer_txtwebder von benachbarten Kindergarten dort veranstalteten. Doch das hatte leider nicht ganz geklappt, weil die Vorbereitungen für die Weihnachtstage mit der Familie noch nicht ganz abgeschlossen waren. Gegen 17 Uhr konnten wir uns dann aber auf den Weg zum Rathaus machen. Dort wollten wir uns am weihnachtlichen Gloriablasen erfreuen.

Da die Kirche auf dem Weg liegt, schauten wir kurz hinein. Das Krippenfest war bereits zu Ende und der Pastor war dabei, Vorbereitungen für die nächtliche Christmette zu treffen. Meine Frau zündete in der Seitenkapelle eine Kerze an. Dann konnten wir noch einen Blick auf die tolle Weihnachtskrippe werfen, bevor wir uns wieder auf den Weg begaben.

P1010881 rathaus.buer2015_webAm Rathaus angekommen war es verdächtig ruhig für ein Blaskonzert und es waren auch kaum Menschen anzutreffen. Der Rathauseingang war verweist, nur ein beleuchteter Tannenbaum erinnerte dort an Weihnachten. Da es kurz vorher ein paar Tropfen geregnet hatte vermuteten wir, dass die Veranstaltung um die Ecke unter dem Balkon am alten Rathauseingang stattfindet, wie zuvor angekündigt.

Also gingen wir weiter in diese Richtung. Komisch nur, dass uns sehr viele Leute von daher entgegenkamen. Dann sagte jemand, es lohnt sich nicht weiterzugehen! Man sieht und hört nix…! Jetzt wollten wir es aber genau wissen und gingen um die Ecke herum.

Dort bot sich uns ein chaotisches Bild. Auf der Treppe unter dem Rathausbalkon drängten sich etliche Leute durch die geöffneten Türen. Eine paar Leute standen draußen vor der Treppe herum und schienen zu diskutieren. Wir fragten uns was denn hier los sei und mussten feststellen, dass die Musiker wohl drinnen im Rathaus ein Konzert veranstalteten. Leider war draußen nichts davon zu hören.

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Wir sind nach 10 Minuten gegangen und werden auch wohl nie wieder kommen! Werte Veranstalter, diese Traditionsveranstaltung war ein Reinfall, eine Riesenblamage für Buer. Was sollen Bürger und Gäste denn davon halten? Warum schaut ihr nicht einfach mal rüber in die Nachbarstadt. Beim Gloriablasen in Gladbeck waren am Vortag tausende Menschen um das Rathaus versammelt. Das nenne ich eine gelungene Bürgerveranstaltung.

Ich muss zugeben, ich war etwas ungehalten. Aber du stehst da und siehst dieses jämmerliche Schauspiel. Wenn du dann bedenkst, dass du aus Buer kommst, müsstest du dich eigentlich dafür schämen. Man möge mir bitte verzeihen, aber früher war es hier einfach besser! Und da spreche ich wohl vielen aus der Seele. Wahrscheinlich werde ich im nächsten Jahr aber trotzdem wieder hingehen.

Gutes, besseres und richtiges Gedenken

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden 30000 jüdische Menschen inhaftiert, zwischen dem 7. und 13. November auch etwa 400 Menschen ermordet.
In besagter Nacht wurden 1 406 Synagogen und Bethäuser vollständig zerstört, die Ritualgegenstände teilweise geraubt und von einigen Orten wissen wir, dass dort Torahrollen auf der Straße ausgerollt und geschändet worden sind.

Die Erinnerung an diese »Reichspogromnacht« ist heute wichtiger Teil des demokratischen Diskurses und in den Orten, in denen es heute noch oder wieder jüdische Gemeinden gibt, wird auch gemeinsam daran erinnert. In Gelsenkirchen wird das organisiert durch die »Demokratische Initiative«.

Der 9. November ist ein politischer Tag – nein, besser gesagt– ein Tag an dem die Demokratie zeigen muss, dass sie »gelernt« hat, mit den Bedrohungen und Herausforderungen umzugehen. Man gedenkt auf der einen Seite und betont auf der anderen Seite, dass die politische Lehre verstanden wurde. Weiterlesen… „Gutes, besseres und richtiges Gedenken“