Eine Vision für Gelsenkirchen?

»Wie möchtest Du morgen leben?« Diese Frage wurde nicht zufällig von der CDU in ihrem Wahlkampf mit dem Spruch »Für ein Land in dem wir gut und gerne leben« indirekt beantwortet. Von der Politik wurde, neben der Reaktion auf tagespolitische Themen, früher eine Vision davon entwickelt, wie sie sich eine Gesellschaft, ein Land oder eine Stadt vorstellt.
Neben floskelhaften, allgemeingültigen, Begriffen und Sätzen wie »gerechte Gesellschaft«, »wir kümmern uns«, »niemanden zurücklassen« oder »für die Menschen«, wären das konkrete Vorstellungen davon, wie man, wie wir, in der Zukunft leben wollen.

Für Gelsenkirchen scheint es keine Idealvorstellung davon zu geben. Man scheint die Hoffnung zu haben, dass ein großes Industrieunternehmen allen Arbeit geben wird und alles wieder so wird wie früher.
So wird es nicht kommen.
Und selbst wenn es ein großes Unternehmen gäbe, dass in der Stadt Arbeitsplätze zu vergeben hätte, so würden aus Gelsenkirchen sicher die wenigsten Facharbeiter dort arbeiten.

Was will Gelsenkirchen eigentlich in Zukunft sein? Weiterlesen… „Eine Vision für Gelsenkirchen?“

Was ist eigentlich ein „Aktivist“?

Bei der (online-)Lektüre zur Wahlnachlese bin ich auf den Beitrag eines gewissen Olaf K. (Nachname von mir gekürzt) gestoßen. Der Beitrag selbst tut hier nichts zur Sache, sondern nur der Umstand, dass zu diesem Olaf K. folgende Autoren-Stichworte gegeben wurden: Aktivist, Paketzusteller bei der Deutschen Post.

Was ein Paketzusteller ist, weiß ich. Schließlich klingeln Vertreter dieses Berufsstandes häufig bei mir, auch wenn ich selbst gar keine Paketsendung bekomme. Aber meine Nachbarn sind eigentlich immer abwesend (oder tun so), wenn der Paketzusteller kommt. Und da ich – in diesem Kontext ein logistischer Nachteil für mich, aber ein Vorteil für den Paketboten – auch noch in der Erdgeschosswohnung residiere, klingeln die Paketboten – egal ob von DHL, dpd, hermes oder wie diese Unternehmen auch heißen mögen  – schon mal gerne bei mir und stellen mit um Nachsicht und Barmherzigkeit bittendem Blick die Frage: Würden Sie dieses Paket für Herrn X oder Frau Y annehmen? Und wenn man das aus Freundlichkeit bereits ein- oder zweimal gemacht hat, dann ist man schon so etwas wie ein fester freier Mitarbeiter – aber ohne Gehalt!

Also dieser Olaf K. ist schon alleine deshalb Aktivist, weil er Pakete zustellt – und das ist als Passivist ja wohl nicht zu leisten! Aber auch wenn zwischen den beiden Bezeichnungen Aktivist und Paketzusteller eine gewisse inhaltliche Schnittmenge besteht, so sind sie doch offensichtlich nicht deckungsgleich, denn das Komma zwischen den beiden Begriffen ersetzt – wie bei einer Aufzählung häufig der Fall – ein „und“. Olaf K. ist also als Paketzusteller aktiv und  Aktivist dazu.

Was ist also ein Aktivist?

Als es noch den Ostblock gab und damit auch die DDR, war die Bezeichnung AKTIVIST eine Auszeichnung für einen Menschen, der sich nach Auffassung von Partei- und Staatsführung im Rahmen des Sozialismus durch seine Arbeitstätigkeit besonders hervorgetan hatte und deshalb mit diesem Begriff geehrt wurde. Aktivist war also ein Propagandabegriff! Ein solcher „Held der Arbeit“ war in der DDR z.B.  Adolf Hennecke, der sich durch mehrfache gesteigerte Planübererfüllung bei der Partei sehr beliebt, bei seinen Arbeitskollegen aber wahrscheinlich umso verhasster gemacht hat.

Auf Olaf K., den Paketpostboten (bitte nicht verwechseln mit Josef. K, einer literarischen Figur von Kafka), trifft das Hennecke-Syndrom bestimmt nicht zu. Er ist eher ein Aktivist nach der Definition von WIKIPEDIA:

„Als Aktivist (von lateinisch „aktivus“:  „tätig, aktiv“) wird eine Person bezeichnet, die in besonders intensiver Weise, mit Aktivismus, für die Durchsetzung bestimmter Absichten eintritt. Oft sind diese im weitesten Sinn politischer Art und stammen insbesondere aus den Bereichen der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sowie der Bürger- und Menschenrechte. (…)

Ein Aktivist unterscheidet sich vom Politiker vor  allem darin, dass er seine Ziele nicht über direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts oder Mitarbeit in einer Partei, sondern auf eher informelle Art und Weise (…)“.

Ein Aktivist zeichnet sich also durch seinen Aktivismus aus, den er aber nicht im Rahmen einer Partei ausübt, sondern informell. Also mit einem hohen Grad von Unverbindlichkeit. Und ohne, dass er Mitgliedsbeiträge bezahlen, zu irgendwelchen Parteiversammlungen gehen oder während des Wahlkampfes an Info-Ständen stehen muss.Er hat es also relativ leicht!

Folglich: Wenn Olaf K. in, wie es oben heißt, besonders aktiver Weise Pakete austrägt, ist er kein Aktivist, auch dann nicht, wenn er kein Parteimitglied ist. Wenn er als Paketbote besonders nachlässig, ja geradezu faul ist, vielleicht sogar Pakete überhaupt nicht zustellt, sondern heimlich entsorgt, weil er wegen der Planung einer neuen Kampagne oder weil er einen neuen Beitrag verfassen muss keine Zeit für das Austragen hat, dann ist er ein Aktivist. Und wenn er den Beitrag in einem BLOG veröffentlich, dann ist er sogar Blogger. Und lädt er den Beitrag auch noch auf YouTube hoch, dann ist er YouTuber, was mich zu der Überlegung veranlasst, ob gerade unter Postangestellten viele Aktivisten, Blogger und YouTuber zu finden sind, weil man ja immer wieder lesen kann, dass Sendungen (Briefe und Pakete) den Empfänger nicht oder nur mit mehrwöchiger Verspätung erreichen.

Ich werde unseren Paketboten dazu mal fragen, wenn er wieder bei mir klingelt. Und ob ich weiterhin Pakete für meine Nachbarn annehme, überlege ich mir noch!

Paketboten sollen Pakete austragen – das reicht an Aktivität!

 

 

 

Und immer wieder: Drauf auf die Schule!

Es gibt ja diesen schönen (doofen) 10-Gebote-Witz. Moses spricht, mit den Gebotstafeln in der Hand, zum Volk Israel: „Eine gute und eine schlechte Nachricht. Zunächst die gute: Ich habe den Alten auf zehn Gebote runtergehandelt. Jetzt die schlechte: Ehebruch ist dringeblieben!“

Ich vermute ´mal, dass eines der Gebote, die ursprünglich auch noch auf die Gesetzestafeln sollten, in etwa lautete: Ihr sollt die Schulen sich in Ruhe entwickeln lassen! Weiterlesen… „Und immer wieder: Drauf auf die Schule!“

Und immer wieder grüßt das Murmeltier – ein Verwaltungs Perpetuum mobile

Jobcenter an Flüchtling: Beweise dass Du kein Kindergeld beziehst!

Flüchtling an Jobcenter: Wie?

Jobcenter an Flüchtling: Dein Problem. Wenn kein Beweis bis zum XX.XX.XX vorliegt, Leistungskürzung wegen mangelnder Mitarbeit!

Flüchtling an Familienkasse: Bitte um Bescheid, dass ich kein Kindergeld beziehe.

Familienkasse an Flüchtling: Bescheide erst, nachdem ein Antrag gestellt wurde.

Flüchling an Familienkasse: Habe keine antragsberechtigten Eltern. Sie haben nur Aufenthaltsstatus.

Familienkasse an Flüchtling: Das weiss man erst, wenn sie einen Antrag gestellt haben.

Die Maschinerie läuft an. Telefondrähte laufen heiß, Köpfe rauchen, Zeit verbrennt, Formularkryptologen und Antragslyriker zapfen das Können Wissen durchtrainierter und organisierter Verwaltungsspezialagenten in verschiedenen Amtsstuben ab.

Salvatorische Klausel: Antrag stellen, vermerken dass es keine antragsberechtigten Antragsteller gibt und dass der Antrag ablehnend beschieden werden muss.

Familienkasse an Flüchtling: Antrag kann nicht entschieden werden! Reichen Sie folgende Unterlagen nach:

  • Abzweigungsantrag
  • Meldebescheinigung für Sie selbst
  • Mitteilung über ein Kind ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
  • Bitte reichen Sie die beigefügte Mitteilung vollständig ausgefüllt und an den entsprechenden Stellen  unterschrieben bei der Familienkasse ein
  • Nachweis über die Suche nach einem Ausbildungsplatz
  • Bitte legen Sie eine Bestätigung der für die Ausbildungsstellenvermittlung zuständigen Stelle (Agentur für Arbeit oder Jobcenter) vor, dass Sie dort ab Dezember 2016 als ausbildungssuchend geführt werden
  • Anspruchsbegründende Unterlagen ab Dezember 2016
  • Aus den bisher vorliegenden Unterlagen geht nicht hervor, ob und auf welcher Grundlage Kindergeld gezahlt werden kann. Bitte legen Sie entsprechende Nachweise vor, z.B. Schulbescheinigung, Nachweis über eine Berufsausbildung, Studienbescheinigung, Mitteilung für ein Kind ohne Ausbildungs- und Arbeitsplatz oder ähnliches.

 

Flüchtling an Familienkasse: Ich bin nicht Kindergeldberechtigt. Ich brauche darüber eine Bescheinigung.

Familienkasse an Flüchtling: Wenn bis zum XX.XX.XX die Unterlagen nicht hier sind, kürzt das Jobcenter Leistungen.

Flüchtling an Familienkasse: ………………………..

Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit

Vor vielen Jahren nahm ich ein Graffito zur Kenntnis, das ein Menschenfreund mit Farbe auf einer Mauer hinterlassen hatte. Es lautete: „Liebe Ausländer, lasst uns mit den doofen Deutschen nicht allein!“

Aus heutiger Perspektive kann man zu diesem Spruch etliches anmerken. Z.B. dass der Verfasser des Textes noch unbefangen das Wort Ausländer benutzt hat. Entweder, weil ihm der Begriff „Menschen mit Einwanderungsgeschichte“ oder „Mensch mit Migrationshintergrund“ noch nicht bekannt war, oder weil für diese längeren Formulierungen anstelle des kurzen Begriffs „Ausländer“ nicht genug Farbe in der Sprühdose war.

Dann, dass der Verfasser nicht mit einem modisch-aktuellen Anglizismus jongliert (refugees welcome), sondern sich der deutschen Sprache bedient. Das ist löblich, weil somit auch deutsche Nicht-Akademiker ohne Englischkenntnisse sprachlichen Zugang zum Graffito haben. Weiterlesen… „Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit“