DATHATSICHMAWIDDAJELOHNT ——DERJIPFELUNDICH———-

Endlich hattet sich für mich ma widda jelohnt. Ich mein, wenne 600 Kilometer anreist, dann willze doch auch wat davon haben, nicht nur rumlatschen und Parolen schrein.

Zu de letzten Jipfels war ich auch. Aba da kam man ja nich nah jenug dran. Aba diesmal: Mitten inne Millionenmetropole. Dat wusst ich gleich:da jeht wat.

Meine jrößte Sorje wa, datt die Bullen son Kuschelkurs fahn. Dat wär schlecht jewesen. Dann hätten die nützlichen Idioten vonne Linken und Jrünen ja nicht rummaulen können und die Bullen kritisieren. Dann hättet schon doof ausjesehen, wenn wer einfach so durche Viertel jezogen wären! Und auf wen hätte man dann Steine werfen sollen. Auf tanzende Chöre oder singende Tänzer? Auf irjendwelche Pazifisten vonne Resterampe des Kirchentachs?Auffe autonomen Trommelgruppen oder antiimperialistische Rollstuhlfahrer?

Aber so:jedenfals japet ein Feindbild!Wat denken die Bullen sich ooch. Vermummungsverbot durchsetzen! Meine Sturmhaube, dat is für mich doch sowat wie ne Kutte fürn Hells Angel oder der Rosenkranz für en Priester.

Jedenfalls: Freitach inee Elbchaussee, dat war jeil, wat wa da an Autos abjefackelt haben. Den Cocktail aus Kohlenmonoxid, Blausäure, Stickoxiden, Ruß, Kohlendioxid und anderen Giftstoffen, der entsteht, wann man den Lack, die Kunststoffe und die Betriebstoffe in Brand setzt, die in son Auto drinne sind, den riechste noch tajelang.

Und nachts dann inne Schanze. Da ham war der Fratze der Jlobalisierung so richtig inne Fresse jehaun, als wer die Sparkasse zerlejt haben und die Drojerie.Und dat janze Jlas auffe Strasse. Ich hab noch jedacht: Du jehs nich über Asphalt, du jehs hier inne Nacht über Kristall!

Und die Steine und die Barrikaden und die Feuer und die Leuchtjeschosse und die Böller und die Rufe und die Bullenschweine und die Hitze der Brände- dat ist kaum zu beschreiben. Dat war einmalich. Dat wa der ultimative Kick!

Diesmal hatet sich echt jelohnt, dat ticket für den intercity der Bahn war sein Jeld wert. Jezz hoff ich nur noch, dat der Intercity  morjen pünktlich losfährt, damit ich beim Umsteigen nich den Anschlusszuch verpass!

Also, Leute! Faust jeballt und VENCEREMOS!

 

 

Asylsuchender-Migrant-Flüchtling-Erst-seit-kurzer-Zeit-hier-Lebender. Ein kleiner Tanz um Begriffe unter Bezug auf ein Gedicht von Bertolt Brecht

 Meine ganz und gar subjektive ausgewählte Lieblings-Nachricht des Tages findet sich auf Seite 5 der WAZ von heute. Es geht um einen Prozess vor dem Verwaltungsgericht in Münster. Kläger ist eine Familie aus der Ukraine. Die Familie war 2014 aus der Ukraine eingereist und hatte mit der Behauptung einen Asylantrag gestellt, es handele sich bei ihr um eine syrische Flüchtlingsfamilie. Das Bamf beschied – ohne Anhörung – im schriftlichen Verfahren den Antrag positiv und wies der Familie einen Platz in einer Flüchtlingsunterkunft in Münster zu. Weiterlesen… „Asylsuchender-Migrant-Flüchtling-Erst-seit-kurzer-Zeit-hier-Lebender. Ein kleiner Tanz um Begriffe unter Bezug auf ein Gedicht von Bertolt Brecht“

Über die Brüchigkeit des Selbstverständlichen. Gedanken während eines Aufenthaltes in Maastricht

Nein, an die Bedeutung Maastrichts für die Entwicklung der Europäischen Union habe ich nicht gedacht. Immerhin: Hier wurden im Februar 1992 mit dem „Vertrag über die europäische Union“ die Weichen für die heutige EU gestellt. Eines der Kernelemente des Vertrages von Maastricht war der Beschluss zur Einführung einer gemeinsamen Währungsunion, ein Beschluss, der uns den EURO gebracht hat, ab 1999 als Buchgeld, ab 2002 dann auch als Bargeld. Weiterlesen… „Über die Brüchigkeit des Selbstverständlichen. Gedanken während eines Aufenthaltes in Maastricht“

Und immer wieder: Drauf auf die Schule!

Es gibt ja diesen schönen (doofen) 10-Gebote-Witz. Moses spricht, mit den Gebotstafeln in der Hand, zum Volk Israel: „Eine gute und eine schlechte Nachricht. Zunächst die gute: Ich habe den Alten auf zehn Gebote runtergehandelt. Jetzt die schlechte: Ehebruch ist dringeblieben!“

Ich vermute ´mal, dass eines der Gebote, die ursprünglich auch noch auf die Gesetzestafeln sollten, in etwa lautete: Ihr sollt die Schulen sich in Ruhe entwickeln lassen! Weiterlesen… „Und immer wieder: Drauf auf die Schule!“

Die Überflüssigen oder Die Grünen. Ein Nachruf

Wenn ich durch das Fenster meines Arbeitszimmers auf die andere Straßenseite schaue, erblicke ich dort an einem Laternenpfahl ein Wahlplakat der Grünen zur Landtagswahl im Mai. Das Plakat steht von der graphischen Gestaltung her in der Tradition der Plakate der letzten Wahlkämpfe. Ist also eine Zumutung, was Raumaufteilung, Farbgebung, Schrifttypologie und Gesamtgestaltung angeht! In der inhaltlichen Gestaltung, besser: in der Versprachlichung  der Aussage steht es ebenfalls in der Tradition der letzten Jahre.Es ist Ausdruck eines krankhaften Zwangs zur Originalität. Man könnte auch sagen: es leidet unter der Lust der Macher am Spiel mit Sprache. Weiterlesen… „Die Überflüssigen oder Die Grünen. Ein Nachruf“

Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit

Vor vielen Jahren nahm ich ein Graffito zur Kenntnis, das ein Menschenfreund mit Farbe auf einer Mauer hinterlassen hatte. Es lautete: „Liebe Ausländer, lasst uns mit den doofen Deutschen nicht allein!“

Aus heutiger Perspektive kann man zu diesem Spruch etliches anmerken. Z.B. dass der Verfasser des Textes noch unbefangen das Wort Ausländer benutzt hat. Entweder, weil ihm der Begriff „Menschen mit Einwanderungsgeschichte“ oder „Mensch mit Migrationshintergrund“ noch nicht bekannt war, oder weil für diese längeren Formulierungen anstelle des kurzen Begriffs „Ausländer“ nicht genug Farbe in der Sprühdose war.

Dann, dass der Verfasser nicht mit einem modisch-aktuellen Anglizismus jongliert (refugees welcome), sondern sich der deutschen Sprache bedient. Das ist löblich, weil somit auch deutsche Nicht-Akademiker ohne Englischkenntnisse sprachlichen Zugang zum Graffito haben. Weiterlesen… „Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit“