Die Überflüssigen oder Die Grünen. Ein Nachruf

Wenn ich durch das Fenster meines Arbeitszimmers auf die andere Straßenseite schaue, erblicke ich dort an einem Laternenpfahl ein Wahlplakat der Grünen zur Landtagswahl im Mai. Das Plakat steht von der graphischen Gestaltung her in der Tradition der Plakate der letzten Wahlkämpfe. Ist also eine Zumutung, was Raumaufteilung, Farbgebung, Schrifttypologie und Gesamtgestaltung angeht! In der inhaltlichen Gestaltung, besser: in der Versprachlichung  der Aussage steht es ebenfalls in der Tradition der letzten Jahre.Es ist Ausdruck eines krankhaften Zwangs zur Originalität. Man könnte auch sagen: es leidet unter der Lust der Macher am Spiel mit Sprache. Weiterlesen… „Die Überflüssigen oder Die Grünen. Ein Nachruf“

Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit

Vor vielen Jahren nahm ich ein Graffito zur Kenntnis, das ein Menschenfreund mit Farbe auf einer Mauer hinterlassen hatte. Es lautete: „Liebe Ausländer, lasst uns mit den doofen Deutschen nicht allein!“

Aus heutiger Perspektive kann man zu diesem Spruch etliches anmerken. Z.B. dass der Verfasser des Textes noch unbefangen das Wort Ausländer benutzt hat. Entweder, weil ihm der Begriff „Menschen mit Einwanderungsgeschichte“ oder „Mensch mit Migrationshintergrund“ noch nicht bekannt war, oder weil für diese längeren Formulierungen anstelle des kurzen Begriffs „Ausländer“ nicht genug Farbe in der Sprühdose war.

Dann, dass der Verfasser nicht mit einem modisch-aktuellen Anglizismus jongliert (refugees welcome), sondern sich der deutschen Sprache bedient. Das ist löblich, weil somit auch deutsche Nicht-Akademiker ohne Englischkenntnisse sprachlichen Zugang zum Graffito haben. Weiterlesen… „Das Hohe Lied der kulturellen Bereicherung oder Schlaglichter aus der (medial vermittelten) Wirklichkeit“

Zahlenmystik im Bundestag: Die sieben Stufen der Spülbarkeit

Stufenmodelle gibt es in unterschiedlichen Wissenschafts- und Lebensbereichen, in der Ökonomie, in der Entwicklungspsychologie, in der Soziologie usw.

Beliebt sind Stufenmodelle auch im Bereich des Glaubens, der Religion, der Mystik. So soll es ja neun Pforten auf dem Weg zur Hölle geben (man denke an den Film „Die neun Pforten“), Dante bringt es in seiner Göttlichen Komödie auf neun Höllenkreise. Es gibt die acht Stufen  des Raja Yoga und die acht Stufen des Verdienstordens der Bundesrepublik – von der Verdienstmedaille (unterste Stufe) bis zur höchsten Stufe, der Sonderstufe des Großkreuzes (nicht verwechseln mit dem Fußballspieler, der schreibt sich anders). Es gibt die sieben Stufen von Alzheimer und die sieben Brücken, über die man gehen muss.

Und es gibt die sieben Stufen der Spülbarkeit. Diese Erkenntnis, die ich bisher noch nicht hatte, verdanke ich  der Antwort der Bundesregierung auf die „Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Menz, Ralph Lenkert, Caren Lay, Eva Bulling-Schröter und der Fraktion DIE LINKE“ (Drucksache 18/10588 vom 22.12.2016/Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode) zum Thema „Entsorgung von Feuchttüchern über die Toilette“.

In der „Kleinen Anfrage“ geht es um die Umweltschädlichkeit von Feuchttüchern, die durch die Toilette entsorgt werden (Verstopfung von Pumpen, Rohren, Rechenanlagen(!!) und kompletten Kläranlagen). In diesem Zusammenhang weisen die Fragesteller auf die „sieben Stufen der Spülbarkeit“ hin, ein von der Industrie entwickeltes Prüfverfahren (Zersetzung der Tücher im Wasser).

Die Fragesteller fragen u. a. nach dem volkswirtschaftlichen Schaden, der durch unsachgemäß über die Toiletten entsorgten Feuchttücher entsteht, sie fragen nach den Kosten für die Reparatur von Schäden durch Feuchttücher und nach der Steigerung der Abwasserentsorgungskosten durch Feuchttücher.  Die Antwort der Bundesregierung zu diesen drei Fragekomplexen, die zusammen gefasst werden, lautet wie folgt (wörtliches Zitat ohne Auslassungen oder Ergänzungen!):

„Zu den bundesweiten Kosten oder den durchschnittlichen Kostensteigerungen die bei der Abwasserbeseitigung entstehen können, wenn Feuchttücher über die Toilette entsorgt werden, liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Daher können auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen nicht geschätzt werden.

Im Rahmen des derzeit laufenden Verbundforschungsprojekts KURAS (Konzept für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme, Förderkennzeichen 033W013C), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme  ´Intelligente und multifunktionelle Infrastrukturen für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung´ (INIS) des Förderschwerpunktes ´Nachhaltiges Wassermanagement´ (NaWam) werden auch Instandhaltungskosten für die Beseitigung von Verstopfungen von Pumpwerken am Beispiel Berlin untersucht. Belastbare Ergebnisse liegen noch nicht vor.“

Noch Fragen?

Und: BITTE GRÜNDLICH NACHSPÜLEN!

hier zu einem Filmbeitrag:

 

Schulministerin Löhrmann: peinlich hoch 3. Anmerkungen zu einem Interview in der WAZ vom 18.11.2016

Die NRW-Schulministerin zeichnet sich im Landeskabinett durch zwei Alleinstellungs-Merkmale besonders aus: so gut wie alles, was unter ihrer Leitung aus dem Schulministerium an  „Reformen“ gekommen ist, war handwerklich äußerst schlecht vorbereitet. So wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, mit viel TAMTAM die Inklusion eingeführt – allerdings ohne zuvor wirklich die personellen, räumlichen, organisatorischen, finanziellen  und inhaltlichen Voraussetzungen zu schaffen. Die Schulen wurden vielmehr allein gelassen – die Kollegien – letztlich aber die Kinder und ihre Eltern –  hatten das auszubaden, was seitens des Ministeriums nicht oder nur halbherzig vorbereitet worden war. Von ihren Eiertänzen zum Thema G8/G9 soll hier lieber geschwiegen werden. Weiterlesen… „Schulministerin Löhrmann: peinlich hoch 3. Anmerkungen zu einem Interview in der WAZ vom 18.11.2016“

Trumps Sieg – eine Niederlage des Establishments

Mittwoch, gegen 8.45 Uhr. Ich klinke mich in die Fernsehberichterstattung ein. Trump hält bereits seine Siegerrede. Im Tonfall ist sie gemäßigt. Seine oftmals verrutschte Mimik und Gestik nimmt er zurück. Er macht Versprechungen: das Land vereinen, kaputte Vorstädte sanieren, die Abgehängten wieder in die Gesellschaft holen, Brücken, Flugplätze  und Straßen  funktionstüchtig machen, die besten Köpfe aus allen Schichten, Klassen und Ethnien am Wiederaufbau für ein neues, großes Amerika beteiligen. Und er betont: was er gemacht habe, sei kein Wahlkampf gewesen, sondern die Initiierung einer Bewegung. Weiterlesen… „Trumps Sieg – eine Niederlage des Establishments“

Der Skandal um Bob oder Heute schon ´nen Preis bekommen?

2000 Gao Xingjian (China/Frankreich) 1940-
2001 V. S. Naipaul (Großbritannien) 1932-
2002 Imre Kertész (Ungarn) 1929-2016)
2003 John Maxwell Coetzee (Südafrika) 1940-
2004 Elfriede Jelinek (Österreich) 1946-
2005 Harold Pinter (Großbritannien) 1930-2008
2006 Orhan Pamuk (Türkei) 1952-
2007 Doris Lessing (Großbritannien) 1919-2013
2008 Jean-Marie Gustave Le Clézio (Frankreich) 1940-
2009 Herta Müller (Deutschland) 1953-
2010 Mario Vargas Llosa (Peru) 1936-
2011 Tomas Transtömer (Schweden) 1931-2015
2012 Mo Yan (China) 1956-
2013 Alice Munro (Kanada) 1931-
2014 Patrick Modiano (Frankreich) 1945-
2015 Swetlana Alexijewitsch (Weißrussland) 1948-
2016 Bob Dylan (USA) 1941-
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