Crema Catalana

Zutaten
Portionen: 8 

  • 8 Eigelbe
  • 250 g + 8 EL Zucker
  • 3 EL Speisestärke
  • 1 ungespritzte Zitrone
  • 1 Vanilleschote
  • 1 Zimtstange
  • 1 Liter Milch

Wären in Deutschland Szenen wie in Barcelona am Tag der Abstimmung über eine Loslösung von Spanien denkbar – etwa wenn der „Freistaat“ Bayern beschlösse, eine Volksabstimmung über die Loslösung von der Bundesrepublik zu organisieren? Schickte die Berliner Zentralregierung in einem solchen Fall einige Hundertschaften Bundespolizei nach München, um bayerische Bürger auf dem Weg zur Abstimmung niederzuknüppeln?

Das Verhältnis zwischen der Zentralregierung (Bund) und den Ländern ist im Grundgesetz in den Artikeln 20 – 37 geregelt („Der Bund und die Länder“). In diesem Abschnitt  der Verfassung sind die Gewaltenteilung und  der Föderalismus festgeschrieben, hier werden Kompetenzen von Bund und Ländern umrissen (z.B. : Außenvertretung ist Bundessache), die Bedeutung der Parteien wird benannt und das Verhältnis zur Europäischen Union wird bestimmt. Und in Artikel 25 wird die Beziehung zwischen Grundgesetz und Völkerrecht bestimmt. Es heißt dort:


Die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des Bundesgebietes.

Aus der Bestimmung könnte man ableiten, dass – um bei dem obigen Beispiel zu bleiben – Bayern das Recht hätte, sich aus der föderalen Bundesrepublik zu verabschieden. Im Grundgesetz selbst ist die Frage der Sezession eines Bundeslandes nämlich nicht expressis verbis geregelt.

Das allgemeine Völkerrecht sieht aber das Recht auf Selbstbestimmung vor, gesteht also jedem Volk das Recht zu, über seine Staats- und Regierungsform zu bestimmen, ohne Fremdherrschaft eine eigene Nation zu bilden oder sich einer anderen anzuschließen.

Anders als im Grundgesetz ist die Frage der Sezession  in der spanischen Verfassung vom 29.12.1978 aber geregelt. Ihr Artikel 2 lautet:

„Die Verfassung gründet sich auf die unauflösliche Einheit der spanischen Nation, gemeinsames und unteilbares Vaterland aller Spanier, und anerkennt und gewährleistet das Recht auf Autonomie der Nationalitäten und Regionen, die Bestandteil der Nation sind, und die Solidarität zwischen ihnen.“

Autonomie ja – Loslösung nein! Darauf beruft sich die Zentralregierung in Madrid, darauf hat der König von Spanien in seiner Ansprache abgehoben. Gleichwohl könnten sich auch die Katalanen auf das Völkerrecht berufen – was ihnen bei der Durchsetzung ihres Loslösungswunsches aber kaum zur Hilfe gereichen würde, jedenfalls nicht unmittelbar.

Zubereitung

  1. Eigelbe mit 250 g Zucker schaumig rühren. Speisestärke gut unterrühren.
  2. Zitrone in einem Stück schälen. Vanilleschote auskratzen. Vanille, Zitronenschale und Zimtstange mit der Milch in einen schweren Stieltopf geben und zum Kochen bringen. Von der Kochstelle nehmen und mit dem Schneebesen die Eigelb-Zuckermischung hineinrühren.
  3. Topf zurück auf den Herd stellen und unter ständigem Rühren leise köcheln, bis die Crème dickflüssig wird. Zitronenschale und Zimtstange herausnehmen.
  4. Crème in 8 feuerfeste Förmchen füllen und erkalten lassen.
  5. Jedes Förmchen mit 1 EL Zucker bestreuen und unter dem Backofengrill den Zucker karamellisieren lassen und ein scharfes Auge draufhaben, weil der Zucker schnell verbrennt.

Nun könnte man den Vätern und Müttern der spanischen Verfassung eine unhistorische Denkweise vorwerfen, denn ein Gebilde wie einen Staat mit dem Begriff „unauflösliche Einheit“ zu belegen, ist ein Anspruch, der angesichts der europäischen Geschichte einerseits verständlich, andererseits aber wenig tragfähig ist, um aufbrechende Widersprüche aufzufangen und gesellschaftliche Entwicklungen zu begradigen.

Vielmehr ist es doch so, dass gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten – und hier will ich nicht lange auf dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien und dem Bürgerkrieg  herumreiten – Autonomiebestrebungen gewachsen sind, sowohl hinsichtlich übernationaler Einrichtungen (EU-Brexit als bedeutendstes Beispiel) als auch innerhalb einzelner Staaten. Gerade das Anwachsen der als Krake empfunden EU-Bürokratie in Brüssel befeuert solche Bestrebungen.

Vielleicht muss man es lernen, auch in Fällen solcher Loslösungswünsche Widersprüche zu ertragen. England wird sich auf Dauer keinen Gefallen getan haben mit seiner Entscheidung. Und auch Katalonien wird sich mit der angestrebten Selbstständigkeit neue, größere Probleme einhandeln. Katalonien ist die am höchsten verschuldete Provinz Spaniens – nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt. Katalonien ist nach Madrid die Region mit dem größten Außenhandelsdefizit, erzielt allerdings einen Handelsüberschuss auf dem spanischen Binnenmarkt, entfaltet seine Wirtschaftskraft also überwiegend in dem Land, aus dem es sich herauslösen will. Und ob im Zeitalter der Globalisierung die Gründung eines neuen „Kleinstaates“ einen generellen Fortschritt darstellt, mag offen bleiben.

Ob zeitgemäß oder nicht, ob in der Verfassung geregelt oder nicht: Das Recht, ihre eigene Geschichte zu schreiben und ihre eigenen Fehler zu machen, sollte man den Katalanen zugestehen!

Zeitaufwand:

Zubereitung: 10Minuten  ›  Kochzeit: 20Minuten  ›  Fertig in:30Minuten

Guten Appetit!

Alarmismus, Hysterie und Ratlosigkeit: Wie man eine Partei größer macht, als sie ist

Nehmen Se de Menschen, wie se sind. Andere jibt et nich. (Konrad Adenauer,1876-1967, 1. Bundeskanzler )

Alarmismus, Hysterie und Ratlosigkeit: Wie man eine Partei größer macht, als sie ist

Nun sind sie also wahr geworden – die schlimmsten Befürchtungen. Die AfD sitzt nicht nur im Bundestag, sondern ist dort drittstärkste Kraft. In Sachsen liegt sie mit über 20% der Stimmen vor allen anderen Parteien, in Gelsenkirchen hat sie 17% geholt. Angesichts der Wahlergebnisse und der Schwierigkeiten einer Regierungsbildung (Jamaika) überboten sich die anderen Parteien und zahlreiche Medien nach der Wahl erneut in der Präsentation von Horrorszenarien, Gespensterparaden und Untergangslyrik.

Ein Kommentator in der Gelsenkirchener WAZ meinte sogar, von einer „absoluten Katastrophe“ sprechen zu müssen. Nein, er hat nicht über die Folgen des Erdbebens in Mexiko geschrieben oder die Zerstörungen, die die diversen Wirbelstürme mit den hübschen Vornamen in der Karibik angerichtet haben, also den Verlust von Menschenleben, die Vernichtung von Existenzen und das Verschwinden ganzer Stadtteile und Ortschaften. Er kommentierte lediglich die Bundestagwahl bzw. ihre Ergebnisse.

Und die berufsmäßigen Besserwisser und Quasselstrippen der öffentlich-rechtlichen Laberrunden von Anne Will bis zum Fakten-Plasberg nässten sich – natürlich bildlich gesprochen – vor lauter Alarmismus fast ein und erweckten den Eindruck, da habe nicht eine Wahl stattgefunden, sondern eine NSDAP-Nachfolgeorganisation habe die Macht übernommen.

Und dabei hatte man doch – vermeintlich  –  fast alles getan, um vor  der Truppe aus dem Gau-Land zu warnen. Immer heftiger die Begrifflichkeit – sprach man zunächst von  Rechts-Populisten, mutierten diese  allmählich zu  Rechtsradikalen und entpuppten sich endlich – natürlich, wie konnte es anders sein! – als Nazis, vor denen man mit Eifer warnte. Und mit jeder Provokation, sei es das Mahnmal-Gerede von Herrn Höcke oder die WK-II-Soldaten-Phraseologie von dem Mann mit dem grob-karierten hässlichen und BRAUNEN (!)  Sakko und der geschmacklosen grünen (OH! PASST NICHT!) Krawatte mit aufgedruckten goldenen (Oh, passt auch nicht!) Hunden – wurde der Tonfall schriller, wurden die Warnungen lauter, wurde das Untergangsbild schwärzer gemalt!

Und wem hat das genützt! Niemandem – außer der AfD! Ich habe mir während des Wahlkampfes mehrfach vorgestellt, wie Gauland in einem BRAUNEN (!) ledernen Ohrensessel sitzt, gemütlich bei –natürlich ! –  einem DEUTSCHEN (!) Wein, und sich auf die Schenkel klopft. So viel Aufmerksamkeit – und alles kostenlos. Denn je mehr sich die andere Seite ereiferte, desto mehr musste sich in den Augen der AfD-Sympathisanten  das Bild verfestigen, dass seine Truppe einer Einheitsfront von „Systemparteien“ und einer nahezu gleich geschalteten „Lügenpresse“ gegenübersteht. Die Keule Populismus, Rechtsradikalismus und Nazitum ist wirkungslos geworden – aber in einer Hinsicht mit einer fatalen Konsequenz: indem die AfD zur Nazi-Partei hochgeschrieben wird, macht man sie größer als sie ist, weil man nämlich gleichzeitig damit den (historischen) Nationalsozialismus verkleinert. Die Bezeichnung „Nazi“ oder „Faschist“ wird zu einer Beliebigkeitsvokabel  verschlissen und verliert jegliche Bedeutungskraft und jegliches Überzeugungspotential.

Wobei anzumerken ist, dass es sicher Nazis in der AfD gibt und dass einige ihrer Parteifunktionäre in ihrer Phraseologie gerne auf der Klaviatur nationalsozialistischer Versatzstücke spielen, aber man wird die AfD schwerlich als eine in ihrer Gesamtheit und Programmatik antisemitische, rassistische, antikommunistische und antidemokratische Partei bezeichnen können, die auf Revision der Ergebnisse des II.Weltkrieges aus ist, so wie es die NSDAP in Bezug auf den I.WK und die Versailler Verträge war, und als eine Partei, die  zudem extreme völkische Tendenzen aufweist und einen Führerstaat anstrebt.

Tatsächlich dürfte es schwerfallen, schaut man auf die Programmatik der AfD, die genannten Elemente zu finden; vielmehr spricht sie sich z.B. für Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild (wie einstmals auch die Grünen) aus, befürwortet eine Kanzlerschaft von maximal zwei Wahlperioden und eine Maximaldauer eines Abgeordnetendaseins von drei Legislaturperioden. Aber es ist natürlich einfacher „Nazi“ zu schreien, als in eine Auseinandersetzung inhaltlicher Art einzusteigen. Dann müsste man sich nämlich auch damit auseinandersetzen, dass bei der Wahl über eine Million Stimmen von der CDU zur AfD gewandert sind und rund fünfhunderttausend Stimmen von der SPD zur AfD. Von der Million (vorheriger) Nichtwähler, die bei dieser Wahl zur Urne gegangen sind und für die AfD gestimmt haben, mal abgesehen. Man wird wohl schwerlich diesen rund Zweieinhalbmillionen Bürgern unseres Landes unterstellen wollen, sie hätten sich bisher als Nazis unter einer Tarnkappe bei SPD und CDU versteckt oder als Nichtwähler getarnt und sähen nun endlich die Zeit gekommen, um ihre Verstecke zu verlassen.

Anstatt über die AfD zu fabulieren oder jetzt darauf zu setzen, dass sie sich spaltet, wäre es angesagt, darüber nachzudenken, warum die Parteien der Großen Koalition rund 14% an Stimmen verloren haben, also Millionen von Menschen den drei Parteien das Vertrauen entzogen haben, so dass man – zumindest was die 20%-SPD angeht –  im Moment kaum noch den Begriff „Volkspartei“ verwenden  kann.

Und vielleicht ist die Hysterie nicht deshalb so groß, weil die AfD so groß ist, sondern weil die Abwanderungsbewegung von den „Etablierten“ aus der (bisherigen) Regierung so dramatisch ist – denn dass eine Partei des rechten Randes ins Parlament einzieht, ist in unseren Nachbarländern, etwa in den Niederlanden, in Frankreich und in Österreich, schon selbstverständlich, ohne dass diese Länder bisher hasenfüßig ins Chaos gestürzt wären. Und das „Volk“ der BRD, jedenfalls soweit es sich als Wahlvolk betätigt hat, scheint der Auffassung zu sein, dass die bisherige Regierung keine gute Arbeit abgeliefert hat, denn rechnet man mal alle die zusammen, die nicht die Union oder die SPD gewählt haben, sondern AfD, Grüne, Linke und FDP, dann wird deutlich, wie groß der Vertrauensverlust in die von Merkel geführte Regierung wirklich war.

Vielleicht ist das Ergebnis auch als eine (warnende und mahnende) Erinnerung an den Amtseid zu verstehen, den die Kanzlerin nach der letzten Wahl geleistet hat und der da lautet:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Und vielleicht könnte die neue Regierung, wie auch immer sie zusammengesetzt sein wird, diesen Eid einfach mal ernst nehmen und einige der Probleme anpacken, die den Menschen auf den Nägeln brennen und die zu diesem Vertrauensverlust geführt haben.

Und vielleicht sieht man dann bei der nächsten Wahl, ob die AfD Stammwähler hat oder nur Laufkundschaft!

 

 

Verkehrte Welt – BILD kämpft für die Pressefreiheit und lädt bei YouTube gelöschtes Video hoch

 

Sie haben es wieder getan, die Redakteure von Bild online! Erneut geben Sie die Vorkämpfer für die Pressefreiheit. Erst nach Veröffentlichung eines für ARTE/WDR produzierten Beitrags über „linken“ und „moslemischen“ Antisemitismus mit dem Titel „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ auf BILD-Online haben sich die beiden Sender genötigt gesehen, den von ihnen finanzierten und von einer WDR-Redakteurin abgenommenen Beitrag selbst zu zeigen, allerdings – im Sinne des betreuten Sehens – begleitet von in der Dokumentation  aufploppenden  vermeintlichen „Richtigstellungen“ der WDR-Redaktion per Text und einer Talk-Runde bei Maischberger – zu der die Macher des Film allerdings nicht eingeladen wurden.

Nun also Runde zwei!

Auf YouTube hatte die Redaktion von „Achgut.Pogo“ (Videoplattform-Kanal  der „Achse des Guten“) am 8. August einen Beitrag eingestellt, der  Hamed Abdel-Samad und Henryk M. Broder beim Besuch der liberalen Berliner Moschee und ihrer Gründerin Seyram Ates zeigte, einer Moschee, die offen ist für alle Gläubigen und in der Männer und Frauen gemeinsam beten und auch Frauen (Skandal: auch Frauen ohne Kopftuch!) predigen können. Teil des Videos waren kurze Filmausschnitte, die den Prediger Eyad Hadrous  bei seiner Arbeit für die gute Sache Allahs zeigten. In den Predigten äußerte er von einem ultra-konservativen Standpunkt aus  seine Haltung zur Rolle der Frau im Islam, erläuterte die – laut Koran –  von Gott gewollte Dominanz des Mannes und die Unterordnung der Frau unter den Mann und leitete von daher ab, dass niemals eine Frau Imam sein und den Koran interpretieren und den Glauben an Allah predigen könne.

Auf Antrag dieses Dieners Allahs hat YouTube  das Video ab dem 14. August entfernt, ohne wohl damit zu rechnen, dass die BILD  es zeigen würde!

Was sind das für Zeiten, wo ausgerechnet die BILD als Speerspitze der Pressefreiheit agieren kann, wogegen all den „linken“ und „liberalen“ Medien dieser Einschnitt in die Presse- und Meinungsfreiheit gleichgültig zu sein scheint.

Ist das so, weil man sich davor fürchtet, dass andernfalls mal wieder die halbe muslimische Welt zutiefst beleidigt ist und man sich deshalb lieber duckt? Oder liegt es daran, dass die auf der „Achse“ schreibenden Autoren eben nicht im Mainstream von SZ, ZEIT, FR bis hin zum SPIEGEL schwimmen?

Oder ist es diesen Presseorganen einfach nur peinlich, dass der Herr Prediger  mit seinem Frauenbild  deutlich macht, dass die immer wieder von unseren Leitmedien beschworene Grenze zwischen Islam und Islamismus überhaupt nicht existiert, sondern dass eins das andere bedingt – so wie man ja auch nicht sagen kann, Alkoholismus habe nichts mit Alkohol zu tun?

Wie auch immer!

Es ist in verschiedener Hinsicht lohnenswert, sich den Beitrag anzuschauen. Bis wann er auf BILD-online zu finden ist, wissen wir allerdings nicht!

Hier geht es zum Video:

http://www.bild.de/politik/inland/youtube/sperrt-islamkritisches-video-weil-hassprediger-protestierte-52878706.bild.html

 

Nur noch (Rechts-)Populisten unterwegs?

Liegt es am Fipronil in den Eiern? Oder an den wegen des Kotaus der Politiker vor der Auto-Diesel-Mafia in der Luft befindlichen Stickoxiden? Oder am Wetter? Oder an einer wachsenden Neigung, Fehlentwicklungen nicht mehr zu ignorieren?

Irgendwie gerät der Kampf gegen den Rechts-Populismus etwas aus dem Fokus! Vor allem, was die Auseinandersetzung mit dem Erstarken der AfD und der sog. Flüchtlingsthematik angeht, wobei zwischen beiden Teilthemen ein gewisser Zusammenhang existiert(e).

Galt vor etlichen Wochen noch die Gleichung: Kritik an der Flüchtlingspolitik = Rechtspopulismus = Rechtsradikalismus = schon fast Nazitum, so kommt seit geraumer Zeit auf mehr oder weniger leisen Sohlen ein Paradigmenwechsel in der Flüchtlingsfrage daher.

Was eben noch wütende Reaktionen und Beschimpfungen auslöste, scheint nun zum politischen Mainstream geworden zu sein, nämlich die banale Einsicht, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht in der Lage ist, eine stets weiter wachsende Zahl von Flüchtlingen (Schutzsuchenden, Geflüchteten) aufzunehmen.

Was Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Essen Ende 2016 in eine noch in Merkel-Art verklausulierte Botschaft packte („ Eine Situation wie die des Sommers 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen. Das war und ist unser und mein erklärtes politisches Ziel.“), nämlich eine Phraseologie, die eine Selbstkritik an ihrem Satz „Wir schaffen das!“ ebenso vermied wie an ihrer Entscheidung vom Sommer 2015, wird angesichts der wieder anschwellenden Zahl von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer und auch die eigentlich geschlossene „Balkan-Route“ nach Europa kommen wollen, in konkretere Aussagen gegossen.

So etwa von FDP-Chef Lindner. Der nannte (in einem Interview mit der WAZ, 5.August) nicht nur ein Einwanderungsgesetz als eine Grundbedingung für eine Koalition, sondern machte einen deutlichen Unterschied zwischen „Flüchtlingen, die Deutschland wieder verlassen müssen, wenn die Lage in ihrem Heimatland das ermöglicht, und qualifizierten Arbeitskräften, die wir in unser Land einladen wollen.“ Gleichzeitig sprach er sich für mehr Grenzschutz im Mittelmeerraum aus und forderte die Einrichtung von Erfassungsstellen auf dem nordafrikanischen Festland für Asylsuchende und Arbeitsmigranten. Auf die Frage, ob er die zivilgesellschaftlichen Retter, die mit ihren Schiffen im Mittelmeer kreuzen, um Flüchtlinge aufzunehmen, verurteile, antwortete er trocken: „Auch edle Motive können zu schlechten Ergebnissen führen“, was indirekt nichts anderes bedeutet als den Vorwurf, die Hilfsorganisationen arbeiteten den Schlepperbanden in die Hände.

Würde man in älteren Zeitungsartikeln blättern oder sich entsprechende Quasselrunden in den Talk-Shows noch einmal zu Gemüte führen, gleichgültig ob bei Plasberg, Maischberger oder Illner, würde man Politiker oder andere Zeitgenossen erleben, die mit gutmenschlichem Empörungsfuror auf den Vertreter solcher Positionen verbal eindreschen.

Aber es gilt eben auch in diesem Zusammenhang Bob Dylans Album-Titel aus dem Jahre 1964: „The Times The Are a-Changin´“.

Zweites Beispiel.

Das „Sturmgeschütz der Demokratie“, also DER SPIEGEL, selbst monatelang energischer Kämpfer gegen den (rechten)Populismus, macht schon in der Überschrift zum Leitartikel (!!) der Ausgabe 32 vom 5.8.2017 klar, dass der Wind sich gedreht hat, wenn es heißt. „Grenzen der Humanität. Europa muss politisch entscheiden, wie viele Flüchtlinge es aufnehmen will.“(S.6)

Der Artikel fordert „alle“ dazu auf, sich endlich von den „Lebenslügen“ zu verabschieden und endlich zu definieren, wie viele „Flüchtlinge die EU aufnehmen will.“ Und weiter: „Man kann das Kontingent nennen, Quote oder Obergrenze(…).“  Und in der Konsequenz heißt es im Beitrag: „Wenn Europa alle aufnähme, die einen Anspruch auf Schutz geltend machen können, würde das die Gemeinschaft wirtschaftlich und vor allem politisch überfordern.“

Was ist das jetzt also, die Positionen von Lindner und des Spiegel-Leitartikels? Ist das Populismus oder Rechts-Populismus? Ist das ein inhumanes oder nazistisches Gedankenwerk?  Oder ist das eine schlichte Kenntnisnahme der Wirklichkeit, die man (aus sicher gut gemeinten Gründen, aus Hilfsbereitschaft und moralischer Verpflichtung) lange verdrängt hat – vielleicht auch in dem Gefühl, eine geschichtliche Schuld abzuarbeiten!

So gesehen ergibt sich eine eigentümliche Paradoxie, eine dialektische Volte: die Umfragewerte der AfD stagnieren, sinken sogar teilweise, aber einige ihrer politischen Vorstellungen zur Flüchtlingsthematik sind offensichtlich nicht mehr nur in der politischen Schmuddelecke zu finden. Was einst Populismus genannt wurde, ist heute nahezu mainstream!

DATHATSICHMAWIDDAJELOHNT ——DERJIPFELUNDICH———-

Endlich hattet sich für mich ma widda jelohnt. Ich mein, wenne 600 Kilometer anreist, dann willze doch auch wat davon haben, nicht nur rumlatschen und Parolen schrein.

Zu de letzten Jipfels war ich auch. Aba da kam man ja nich nah jenug dran. Aba diesmal: Mitten inne Millionenmetropole. Dat wusst ich gleich:da jeht wat.

Meine jrößte Sorje wa, datt die Bullen son Kuschelkurs fahn. Dat wär schlecht jewesen. Dann hätten die nützlichen Idioten vonne Linken und Jrünen ja nicht rummaulen können und die Bullen kritisieren. Dann hättet schon doof ausjesehen, wenn wer einfach so durche Viertel jezogen wären! Und auf wen hätte man dann Steine werfen sollen. Auf tanzende Chöre oder singende Tänzer? Auf irjendwelche Pazifisten vonne Resterampe des Kirchentachs?Auffe autonomen Trommelgruppen oder antiimperialistische Rollstuhlfahrer?

Aber so:jedenfals japet ein Feindbild!Wat denken die Bullen sich ooch. Vermummungsverbot durchsetzen! Meine Sturmhaube, dat is für mich doch sowat wie ne Kutte fürn Hells Angel oder der Rosenkranz für en Priester.

Jedenfalls: Freitach inee Elbchaussee, dat war jeil, wat wa da an Autos abjefackelt haben. Den Cocktail aus Kohlenmonoxid, Blausäure, Stickoxiden, Ruß, Kohlendioxid und anderen Giftstoffen, der entsteht, wann man den Lack, die Kunststoffe und die Betriebstoffe in Brand setzt, die in son Auto drinne sind, den riechste noch tajelang.

Und nachts dann inne Schanze. Da ham war der Fratze der Jlobalisierung so richtig inne Fresse jehaun, als wer die Sparkasse zerlejt haben und die Drojerie.Und dat janze Jlas auffe Strasse. Ich hab noch jedacht: Du jehs nich über Asphalt, du jehs hier inne Nacht über Kristall!

Und die Steine und die Barrikaden und die Feuer und die Leuchtjeschosse und die Böller und die Rufe und die Bullenschweine und die Hitze der Brände- dat ist kaum zu beschreiben. Dat war einmalich. Dat wa der ultimative Kick!

Diesmal hatet sich echt jelohnt, dat ticket für den intercity der Bahn war sein Jeld wert. Jezz hoff ich nur noch, dat der Intercity  morjen pünktlich losfährt, damit ich beim Umsteigen nich den Anschlusszuch verpass!

Also, Leute! Faust jeballt und VENCEREMOS!

 

 

Asylsuchender-Migrant-Flüchtling-Erst-seit-kurzer-Zeit-hier-Lebender. Ein kleiner Tanz um Begriffe unter Bezug auf ein Gedicht von Bertolt Brecht

 Meine ganz und gar subjektive ausgewählte Lieblings-Nachricht des Tages findet sich auf Seite 5 der WAZ von heute. Es geht um einen Prozess vor dem Verwaltungsgericht in Münster. Kläger ist eine Familie aus der Ukraine. Die Familie war 2014 aus der Ukraine eingereist und hatte mit der Behauptung einen Asylantrag gestellt, es handele sich bei ihr um eine syrische Flüchtlingsfamilie. Das Bamf beschied – ohne Anhörung – im schriftlichen Verfahren den Antrag positiv und wies der Familie einen Platz in einer Flüchtlingsunterkunft in Münster zu. Weiterlesen… „Asylsuchender-Migrant-Flüchtling-Erst-seit-kurzer-Zeit-hier-Lebender. Ein kleiner Tanz um Begriffe unter Bezug auf ein Gedicht von Bertolt Brecht“