Über verminderte Schuldfähigkeit

Über verminderte Schuldfähigkeit

Goethe: Faust 1, Szene: Auerbachs Keller

Frosch:

Will keiner trinken? keiner lachen?
Ich will euch lehren Gesichter machen!
Ihr seid ja heut wie nasses Stroh,
Und brennt sonst immer lichterloh.

Brandner:

Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbei,
Nicht eine Dummheit, keine Sauerei.

Frosch (gießt ihm ein Glas Wein über den Kopf):

Da hast du beides!

Brandner:

Doppelt Schwein!

Frosch:

Ihr wollt es ja, man soll es sein!

(…)

Auch für Trinker oder solche, die von dem Übel Alkohol loskommen oder sich solchem mit Leidenschaft hingeben wollen, hat der alte Goethe etwas bereit, fein zierlich in Verse gepasst, damit es noch als Literatur durchgehen kann.

Wobei wir natürlich nicht vergessen wollen, dass just in diesen Tagen in Krefeld ein Prozess begonnen hat, der einem 26jährigen Angeklagten vorwirft, sich auf der Toilette zweier Grundschulen des (versuchten) sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen schuldig gemacht zu haben. Zum Schutz der Opfer wird die Verhandlung, die auf vier Tage angesetzt ist, teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Warum berührt uns das so außerordentlich? An erster Stelle wohl, weil wir (kleine) Kinder als besonders schutzbedürftig sehen. Und an zweiter Stelle, weil in diesem Verhältnis zwischen Täter und Opfer Macht und Ohnmacht eine besondere Rolle spielen (sexualisierte Gewalt). Dem Täter wird in diesem Fall vorgeworfen, im „Zustand erheblich verminderter Schuldunfähigkeit gehandelt“ zu haben. Ob das den Eltern ein Trost ist? Und erst recht den Kindern?

Die Stadt Krefeld hat aus den Vorkommnissen erste Konsequenzen gezogen und mit dem Umsetzen von Maßnahmen begonnen: Sicherheitsmaßnahmen werden an allen Grundschulen überprüft; der Zugang zu den Schulbereichen wird überprüft; ein chipgesteuerter Einlass ist in einer Testphase. Und auch an den weiterführenden Schulen sollen Sicherheitsmaßnahmen überprüft werden. Seit 2022 sind alle Schulen verpflichtet, die eigenen Sicherheitsmaßnahmen auf den Prüfstand zu stellen.

Es bleibt zu hoffen, dass aus den Vorfällen in Krefeld Vorkehrungen für den Schutz der Kinder erwachsen!

 

 

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