Heute war aber ´mal so richtig was los in der Innenstadt.
Gemeint sind nicht aktive Banden südosteuropäischer Herkunft, die Teppiche aus den wenigen noch verbliebenen Läden räumten und dabei Lieder des Widerstandes gegen Ramses den Dreizehnten anzustimmen! Und auch nicht Versammlungen von Spätaussiedlern aus dem Rhein-Main-Donau-Delta, die mit ihren vierten Zähnen gegen ihre ungerechte Behandlung klapperten („Wir leben gerne hier, solange wir nicht arbeiten müssen!“). Auch waren keine Liebhaber mongolischer Zierfische vor dem Eingang zur Sparkasse, um dort ihre putzigen Tierchen gegen ungeputzte Zahnprothesen und abgewetzte „echte“ Perser zu tauschen. Nein, das gab es dortselbst nicht.
Aber es gab dort jede Menge gelangweilter Polizisten, denen niemand den Gefallen tat, aufeinander loszugehen. Obwohl genügen Leute für eine richtige Rummelplatzkloppe anwesend waren, wobei die eine Gruppe (AHEFFDEH) mir zahlenmäßig größer zu sein schien, wogegen die andere Gruppe Lieder des Widerstandes gegen die Anhänger des Hinkenden aus den Schriften der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts intonierten, gerne auch mal und immer wieder die Lieder über die Moorsoldaten und die rauschenden (oder rauchenden?) Wildgänse der Nacht. Oder waren die Wildgänse berauscht und die Soldaten gaben sich eine Moorpackung! (Ich hätte doch genauer hinhören müssen!)
Was für mich eine Besonderheit war. Mir schallten weder Schmähgesänge entgegen noch wurde ich zu einem Happen von der Nordsee (das Meer, nicht die in Fett getränkten Parodien auf Meeresbewohnende!) eingeladen.
Jedenfalls – um endlich mal zum Punkt zu kommen: Vor der Hauptstelle der „Sparkasse“ hatten sich einige Antifanten versammelt und bestätigten sich gegenseitig in ihren Vorurteilen. Außerdem schrien sie etliche Parolen. Etwa so Sätze wie: „Auch Ölsardinen brauchen frisches Öl“, „Freiheit für die Seeeeeeelefanten“, „Keine Steuern für Super-Reiche“, „Schokolade nur noch in Innenräumen“!
Da ließen aber die Sturmtruppen der AfD nicht locker! Die antworten ähnlich gedankenschwer mit Parolen aus dem Setzbaukasten für „Ewig-Gestrige“, also so Knaller wie: „Ich will hier weg, drum bleib ich hier!“ „Freiheit für die Rohrstöcke!“ und „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid!“
Jedenfalls haben Sie jetzt schon mal einen Überblick über die Gedankenschwere der politischen Avantgarde!




Versehentlich gab ich am Nachmittag im Suchfeld von YouTube Gelsenkirchen ein – ich suchte nach etwas ganz anderem, vergaß aber beim Tippen, was es war – und landete in einem Live-Stream, der die beschriebene Szene zeigte. Es war sehr unangenehm, diesem Aufeinandertreffen von Inszenierungen der politischen Extreme zusehen zu müssen. Irgenwer sang auf einer LKW-Ladefläche ins Mikrofon. Ich wagte nicht, den Ton anzustellen. Fremdscham wollte in mir aufsteigen. Soweit kam es zum Glück nicht, denn mir fiel wieder ein, wonach ich gesucht hatte.
https://youtu.be/vCwChml9q-A
Ich war entsetzt.
Die Linke (gemeint ist die sich selbst demokratische Stadtgesellschaft nennende) hat die kulturelle Hoheit komplett verloren an die Rechte. Die ziehen alle Register, schlagen die „Linke“ mit ihren eigenen Waffen, führen sie vor, lassen sie von einem Fettnäpfchen ins nächste treten und ich war peinlich berührt von der Sprachlosigkeit und Armseligkeit der Störaktionen. Da ist kein Witz, nichts subversives, keine Eleganz in der politischen Auseinandersetzung.
Ein Trauerspiel.
https://www.youtube.com/live/RqpeiiSfOB8?si=BzMdB8b5jxfWuQcI