Emscherbote Dezember 1977

Download Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen, Nr. 1, Gelsenkirchen, Dezember 1977

Dezember 1977:
In Gelsenkirchen erscheint die Nummer 1 der Zeitung „Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen“ mit der Schlagzeile. „Krankenhausskandal!“. Im Beitrag „Etwas in eigener Sache“ führen die Verfasser aus: „Diese Zeitung soll eine Möglichkeit sein … Verschleierungs- und Unterdrückungstendenzen entgegenzuwirken (u. a. Missstände zu ändern, d. Verf.). Uns ist jedoch klar, dass wir alleine zu schwach sind, alle wichtigen Informationen zu sammeln und zu veröffentlichen … Wir brauchen Leute, die mitarbeiten, die zu unseren Sitzungen kommen, mitdiskutieren und die Zeitung mit gestalten, durch Artikel, Fotos

… Wir, das sind in diesem Falle: BI gegen Atomkraftwerke, Freundschaftsgesellschaft des Deutschen und Spanischen Volkes, Vereinigte Kriegsdienstgegner, Jugendclub Katernberg, Theater Lokomotive Emschertalbahn, Jugendzentrum Komic e. V. und weitere Mitarbeiter … Die erste Ausgabe wurde durch Spenden finanziert. Die nächsten Nummern können nur durch den Verkauf dieser Zeitung und durch NICHT-Komerzielle Anzeigen finanziert werden.“

Als Herausgeber der Zeitung werden genannt: „BI gegen Atomkraftwerke, Freundschaftsgesellschaft des Deutschen und Spanischen Volkes, Vereinigte Kriegsdienstgegner, Jugendclub Katernberg, Theater Lokomotive Emschertalbahn, Jugendzentrum KOMIC e. V. und weitere Mitarbeiter.“ Die Redaktionssitzungen finden im KOMIC statt. Post sei zu richten an: „Jugendzentrum KOMIC e.V.“ in Gelsenkirchen.

Artikel der Ausgabe sind:
– „Krankenhausskandal. Kranke liegen auf dem Flur. Prozess gegen Dr. G.“
– „Etwas in eigener Sache“
– „Polizeiterror – Nein Danke. Vorgehen der Polizei bei der Demonstration in Kalkar“
– „Gesetzesänderung 77. Weniger Arbeitslose – Mehr Sozialhilfeempfänger“
– „Geschichten vom Arbeitsamt“
– „Alle Jahre wieder“
– „Putzfrauen: Nach Streik: Helga J. gekündigt“
– „Heute Arbeitslos – Morgen Obdachlos“
– „Komic über Komic“
– „Rührt Euch. Kasernen für Kriegsdienstverweigerer“
– „Demokratie in Spanien“
– „Ihre Kultur – und Unsere“

Wichtige Themen sind u. a: Krankenhausskandal, Putzfrauenstreik, Komic und Kriegsdienstverweigerer. Im Krankenhausprozess wird Wolfgang G. wegen „Verunglimpfung der BRD“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Helga Janzik, eine der Frauen des Putzfrauenstreiks beim Schalker Verein, wurde jetzt gekündigt. Die Gelsenkirchener Frauengruppe veranstaltet am 10.12. ein Fest. Die Frauen kommen aus verschiedenen Lebenssituationen. „In den Selbsterfahrungsgruppen sprechen wir über Erfahrungen und Probleme am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Beziehung zum Mann. Außerdem untersuchen wir das Verhalten von uns Frauen untereinander; denn wir werden nicht nur oft von den Männern benachteiligt, wir Frauen unterdrücken uns auch gegenseitig.“ Die FGDSV OG Gelsenkirchen fordert zusammen mit der FRAP und der PCE/ML dazu auf, für die „Föderative Volksrepublik in Spanien“ zu spenden. Am 3.12. Findet im Komic ein Hearing: „5 Jahre freie Jugendarbeit in Selbstverwaltung“ statt. Am 9.12. die Jahreshauptversammlung. Auf der Tagesordnung steht der RB. Reklame gemacht wird für den „Express. Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit.“

Verantwortlich für die Ausgabe ist Thomas Grewe. Die Auflage ist mit 1.000 angegeben.
Quelle: Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen, Nr. 1, Gelsenkirchen, Dezember 1977.{jcomments on}

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Dietmar Kesten

Mitbetreiber der Datenbank über politische Protestereignisse "Materialien zur Analyse von Opposition (MAO)" mit über 16 000 monatlichen Zugriffen Diese enthält vor allem Texte so genannter maoistischer Gruppen sowie anderer radikaler linker Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin wie auch Informationen über diese. Die in den Beiträgen geschilderten Ereignisse werden also in der Regel aus der Sicht dieser Gruppen wiedergegeben. Der zeitliche Schwerpunkt ergibt sich aus der Hochkonjunktur der „maoistischen” oder „marxistisch-leninistischen Bewegung”: Anfang bis Mitte der 70er Jahre. Recherchen zu hier noch nicht behandelten Themen können über die Autoren angefordert werden.

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