Emscherbote Februar 1981

Download Emscherbote – Stadtzeitung für Gelsenkirchen, Nr. 4, Gelsenkirchen, Februar 1981

Februar 1981:
Die Nr. 4/1981 der Zeitung „Emscherbote“ erscheint mit den Schlagzeilen: „Atomkraft? Nein Danke / Strobo-Prozess in Gelsenkirchen“.

Einleitend heißt es im Editorial: „Warum erscheint der EB Nr. 4 erst jetzt? Wir, die Redaktion, sind so ziemlich am Ende, Mittlerweile auf 6 Leute zusammengeschrumpft, haben wir es einfach nicht geschafft, die Zeitung pünktlich herauszubringen. Das liegt zum einen daran, dass wir es rein zeitlich nicht mehr schaffen(schreiben, recherchieren, diskutieren, fotografieren, Ideen haben, tippen, layout machen, ausliefern, verkaufen+ dabei auch noch Spaß haben), zum anderen hat sich aber auch bei uns der berüchtigte Frust breitgemacht. Einige Leute kommen kaum noch oder gar nicht zur Redaktionssitzung, die Stimmung wird immer mieser. Wir haben so gut wie nie vorliegende Artikel inhaltlich diskutiert. Bis jetzt haben wir so gut wie keine Reaktion auf die ersten Nummern erfahren. Dementsprechend ist auch der Inhalt der Zeitung. Auf der letzten Redaktionssitzung blieb uns nichts anderes übrig, als nüchtern festzustellen, dass kaum ein Mensch den EB vermissen würde. Wir sind aber immer noch der Meinung, dass eine Stadtzeitung auch und gerade in GE wichtig ist.“ Man sei aber entschlossen, „weiter zu machen“. Die Leser werden aufgefordert, mitzuarbeiten.

Artikel der Ausgabe sind:
– „Strobo-Prozess in GE“
– „Gelsenkirchener Initiativen-Treffen“
– „Der Kahlschlag oder die Sorgen der Bürger sind unbegründet“
– „Erler Polizeiterror“
– „Diphtherie in Hassel“
– „Einladung zum Hausbesetzerprozess“
– „Selbstdarstellung AKL in Gelsenkirchen. Aktionskreis Leben – Gewerkschafter gegen Atom, für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingen“
– „Leserbriefe“
– „Pressekonzentration: WAZ schließt Lokalredaktion“
– „Schande: Günter Wallraff singt mit Schmuddelbarden und Politpunkern“
– „Theatergruppe Kratzbürste“
– „Waffen für El Salvador“
– „Solidarität mit den Demokraten in der Türkei“
– „Russell-Tribunal“
– „Pink Floyd – Die Creme langt zu“
– „WDR -Programmstrukturreform“
– „Fahrpreise: 12% mehr“.

Wichtige Themen sind u. a. der „Strobo-Prozess in GE“ und die „Selbstdarstellung AKL in Gelsenkirchen. Aktionskreis Leben – Gewerkschafter gegen Atom, für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingen“. Berichtet wird, dass gegen die Lucas-Gemeinde in Gelsenkirchen-Buer am 30.12.80 eine „Klage beim Amtsgericht eingereicht“ worden sei. Ein Beschluss zum Strobo-Boykott sei vom „gesamten Presbyterium gefasst worden“. Ein Treffen der Strobo-Gegner findet im Gemeindehaus jeweils donnerstags statt. Vom „Aktionskreis Leben“ wird berichtet, dass er sich gebildet habe, „um gemeinsam mit den zahlreichen Atomkraftgegnern bei uns und in aller Welt gegen das Risiko der Atomwirtschaft anzutreten“. Er würde sich „als innergewerkschaftliches Forum der Meinungsbildung“ verstehen und kämpfe „um eine Revision der Beschlüsse des DGB und der meisten Einzelgewerkschaften zur Atomfrage“. Der AK trifft sich jeweils donnerstags in der „Pappschachtel“.

Berichtet wird auch vom „Gelsenkirchener Initiativentreffen“. Am 12.1.1981 haben sich folgende Initiativen getroffen:
– Flöz Dickebank
– Auguststraße
– Zoosiedlung
– Waschkaue Wilhelmstraße
– Arbeitsgruppe Menschlichere Stadt
– Strobo-Gruppe
– Anti-AKW Gruppe
– Emscherbote
– Arbeitsgruppe der Arbeitersiedlungsinitiativen
– Solidaritätskomitee
– Selbsthilfe gegen Unterdrückung
– Mieterinitiative Rotthausen
– Ruhr-Volksblatt
– Bürgerinitiative Valentinstraße.

Beschlossen wird, „uns in regelmäßigen Abständen zu treffen, um mehr als bisher den Austausch über die Arbeit in den einzelnen Initiativen zu gewährleisten und uns darüber hinaus auch stärker gegenseitig zu unterstützen“. Nächstes Treffen: 26.1.1981.

Die „Wohnraum-Rettungs-Initiative“ aus Münster lädt zu einem „Hausbesetzerkongress“ für Ende Februar ein. Ein erstes Vorbereitungstreffen soll am 31.1.1981 in Münster stattfinden. Themen sind u. a.:
– „Autonome Jugendzentren“
– „Frauen im Häuserkampf“
– „Selbstverwaltete Häuser“
– „Städteplanung und Stadtentwicklung“
– „Strategie und Widerstandsformen der Hausbesetzer“.

Die „El-Salvador-Initiative“ ruft zu Spenden für die FMLN in El Salvador auf. Dazu soll am 30.1. im Gemeindehaus eine Veranstaltung stattfinden.

Reklame wird gemacht für das Buch von Fokking/Hauf/Montel: „Denk ja nicht, Du bist selber Schuld“, erschienen im Verlag Klaus Farn & Hans-Jürgen. Verantwortlich für diese Ausgabe ist Cornelia Klutzny-Knapp.
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Dietmar Kesten

Mitbetreiber der Datenbank über politische Protestereignisse "Materialien zur Analyse von Opposition (MAO)" mit über 16 000 monatlichen Zugriffen Diese enthält vor allem Texte so genannter maoistischer Gruppen sowie anderer radikaler linker Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin wie auch Informationen über diese. Die in den Beiträgen geschilderten Ereignisse werden also in der Regel aus der Sicht dieser Gruppen wiedergegeben. Der zeitliche Schwerpunkt ergibt sich aus der Hochkonjunktur der „maoistischen” oder „marxistisch-leninistischen Bewegung”: Anfang bis Mitte der 70er Jahre. Recherchen zu hier noch nicht behandelten Themen können über die Autoren angefordert werden.

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