Wahlspezial I – Angst vor den Piraten?

Angst? Ach, Quatsch!

„So nach und nach geht der ganze Laden kaputt.“ „Weimar ad portas!“ und ähnliches konnte man hören, und zwar nicht nur bei Politikern/Innen, sondern auch beim „gemeinen“ Volk, als die Piraten auftraten.

Was also besagt. dass wir Deutsche wieder eine neue Angst haben: Mir fällt es schwer, in den jungen Leuten, meist aus der McApple-Generation mit abiturientischem Hintergrund, eine Gefahr für Demokratie, Gesundheit und Leben des deutschen Volkes zu sehen.

Es ist eine junge Sache.

Wer studiert oder sein Studium gerade „gemastert“ hat, ist bei dieser Partei anscheinend ein Senior. Das passt uns nicht, denn in der Mehrheit gehören wir zur Zielgruppe „Alte Säcke/Innen“. Durch den Kult der Jugend sind wir für die Akteure der Piraten Wesen von einem anderen Stern.

Man kann sich fragen, wieso sollen Wesen von anderen Sternen und hiesige Exemplare nicht zusammenleben können? Die Antwort gibt sich selbst: Weil wir uns mit denen nicht verständigen könnten.

Man lache nicht: So mancher blutige Krieg ist durch Missverständnisse ausgelöst worden. Hätte man Hitler mal einen Globus geschenkt, und er hätte das daumennagelgroße Reich und das handtuchgroße Reich der Sowjets gesehen, hätte er vielleicht auf seine Generale gehört.

Nun haben wir also zu dem Untergang der Liberalen echte Amateure reinen Wassers in den Parlamenten Berlins und des Saarlandes. Kaltblüter sagen sich: „Nun ja, was ist schon je vernünftiges aus Berlin gekommen?

Okay, Willy Brandt, aber der kam aus Lübeck.

Aber sonst?

Na, also.

Und wer braucht das Saarland? Die Nachrichtensprecher als Größenvergleich. Ein Ölfleck auf dem Ozean ist immer so groß wie das Saarland, genau wie ein Waldbrand in Russland. Also keine Panik!“

Aber sie werden weiter in die Parlamente ziehen, die jungen Leute mit dem Jolly Roger als Flagge.

Sie haben kein Programm und so viele Entwürfe dafür wie Mitglieder. Sie sind von politischen Fakten ziemlich unberührt. Dinge, die noch zum Horizont eines/r „echten“ Bundesrepublikaners gehören. Eines Zeitgenossen/In, der/die um die 1950 geboren wurde. Vorher war Trizonesien und das Reich. Ob man es noch hören kann oder nicht, für die älteren Menschen sind der Nationalsozialismus, der Holocaust und alle diese schlimmen Dinge in ihren Folgen Teile des Lebens.

Und als diese sich Straßenschlachten gegen den Vietnamkrieg mit einer nach Rechts ausgerichteten Polizei lieferten, wurden die ältesten Piraten gezeugt. Von diesen „Altlasten“, das soll jetzt nicht leger klingen, sind die Piraten unbelastet. Sie sind belastet durch z.B. das Urheberrecht.

Wieso ist offensichtlich: Wem selber nichts einfällt, der ist auf die Einfälle ihm fremder Geister angewiesen. Und wer nie für sich selber sorgen musste, sieht natürlich nicht ein, dass er für anderer Leute Geist zahlen muss.

Freier Zugang zum Net: siehe oben. „Das sollen die anderen bezahlen.“ Freie Fahrt im Öffentlichen Verkehr: „Soll irgendeiner bezahlen, aber ich nicht!“ Zu anderen Dingen sind noch keine Meinungsäußerungen verlautbart worden. Und wer sich fragt, wer Schuld hat am Auftauchen des Piratentheaters, ist die Antwort ziemlich einfach: Der Guido und Jürgen W. als Erfinder der Spaßpolitik. Wer erinnert sich nicht an Jürgen W. im Münsteraner Karneval mit dem Lied von den 18%? Oder das Guidomobil? Solche Spielchen haben das Wählengehen bei einigen erreichbaren Geistern zum Spaßgang gemacht. Und wer seine Stimme – aus Wut – nicht den „Großen“ geben will, bleibt nicht zu Hause, sondern geht „Spaßwählen“.

Der wahre Spaß liegt darin zu sehen, wo die Klientelpartei seitdem steht…  

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