Stacheldraht

Wahlspezial VII – Wer die Wahl hat, sollte sie auch nutzen!

von Bernd Matzkowski

wer die wahl hat, sollte sie auch nutzen!

bei dem ganzen wahlkampfgedöns ist man ja mit paradoxen ansichten konfrontiert. den einen geht wahlkampf überhaupt auf die nerven (plakate versauen die landschaft,), den anderen ist der wahlkampf nicht politisch genug (an den ständen nur nippes, wenig haltbare kugelschreiber und hohle phrasen).

ich glaube, dass der wahlkampf im wesentlichen unter zwei dingen leidet, nämlich erstens: aus ermüdung, ermattung, desinteresse, allgemeiner politik(er)abneigung und berechtigter kritik am parlamentarismus oder was weiß ich sonst noch, geht verloren, welch hohes gut die tatsache darstellt, dass wir uns frei entscheiden können -auch dafür, nicht zur wahl zu gehen.

der gewiefte marxist wird mir jetzt antworten: das parlament ist nur der geschäftsführende ausschuss des kapitals und „nur die dümmsten kälber wählen ihre schlächter selber“.

das ist für einen gewissen zeitraum auch meine haltung gewesen.

nun kann man Stacheldrahtaber auch zur kenntnis nehmen, dass sich in anderen ländern – immer noch und immer wieder – menschen für das recht auf wahlfreiheit einsetzen und oft genug dafür tot geschlagen werden oder in gefängnissen verschwinden. das mag den kritiker unseres systems nicht überzeugen, soll aber vielleicht genügen, um den standpunkt der ablehnung wenigsten mal zu hinterfragen.

ich habe während meiner bescheidenen (kommunalpolitischen) tätigkeit in 25 jahren beides erlebt (und auch daran teil gehabt): es gibt diese abartigen seiten des parlamentarisch-politischen betriebs, nämlich intrigen, geschacher, machtspiele etc.- ich habe aber auch die erfahrung gemacht, dass man- über parteigrenzen hinweg- nach konstruktiven lösungen im sinne der menschen gesucht hat.

meine haltung ist also eher positiv geworden (unabhängig davon, dass ich weiß, dass unser system bestimmten gruppen in die hände spielt und andere abhängt).

und dann zweitens: entscheidender scheint mir etwas anderes zu sein: ich erinnere mich noch gut an die zeiten, als es wirklich entscheidendes zu wählen gab, also die willy-zeiten. hier ging es tatsächlich um- ich benutze mal das wort- einen paradigmenwechsel (stichworte: neue ostpolitik, mehr demokratie wagen, krieg und frieden).

dieser drive fehlt heute. wir empfinden- nein, ich empfinde es so, als ginge es um mehr oder weniger gute (bzw. schlechte) spielarten desselben und nicht um die grundsatzfrage, in welche richtung sich unsere gesellschaft entwickeln soll.

vielleicht macht das nicht nur die wähler müde, sondern auch die wahlkämpfer.

letztere sind einfallslos, weil sie solche unterschiede eben nicht deutlich benennen können. ein beispiel: cdu und spd haben beide ein kinderplakat, das kinderfreundlichkeit zum ausdruck bringen soll. der unterschied besteht darin, dass- unter dem gesichtspunkt der grammatik- der cdu-slogan völlig verkorkst ist: politik aus(!!!) den augen der kinder.

was wollte ich noch (eigentlich) sagen? ach ja:

ich gehe wählen und weiß auch schon, wen ich wähle!

 

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geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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