„Opinion-Splitting“ oder, auf Lingua Vulgaris „Meinungs-Zerbröselung“

Am Anfang waren da die Säulen namens Kurt Schumacher, Prof. Carlo Schmid, Dr. Konrad Adenauer, Prof. Süsterhenn und die – nur im Volke – fast vergessenen Personen der Stunde Null.

Übrigens, das fällt erst im dritten Jahrtausend auf, allesamt gestandene Männer. Mit den dreien der Siegermächte schufen sie die Bundesrepublik Deutschland. Es braucht seine Zeit, sich bewusst zu machen, was das damals bedeutete. Man gründete keinen neuen Staat, das ging nicht wegen der eben erst verlorenen Ostgebiete und – entgegen heutigen Beteuerungen seltsam veranlagter sog. Historiker – waren sie durch und durch deutsche Reichsteile, daran beißt trotz der zweiten Polnischen Teilung und trotz der Polnischen Westerweiterung durch Truman keine Maus einen Faden ab.

Man gründete ein Provisorium.

Und zwar eines, dies ist zwar heute ohne Bedeutung, das noch keinen Friedensvertrag mit den ehem. Gegnern hat, mit San Marino haben noch nicht einmal einen Waffenstillstand, und das vor allem noch kein souveräner Staat ist. 67 Jahre nach der Bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches, das, wenn man so will, noch weiterexistiert irgendwo in den Sphären des Völkerrechtes. Diesen Einschub nur für die Zeitgenossen, die sich wundern, dass wir kein Vollmitglied des Sicherheitsrates der UN sind. Obwohl wir das doppelte und dreifache des Beitrages der VR China zahlen. Der Sicherheitsrat ist also ein Club der Atommächte ohne Israel, Pakistan und Nordkorea.

Oder sich fragen, wieso die Wiedervereinigung Francoise Mitterands Einverständnis brauchte, er sich dieses mit der Euroeinführung bezahlen lassen konnte und wir dank Frankreichs auf die Eurobonds kommen. Womit wir endgültig die Schulden der „Großen Nation“ bezahlen können.

Man sieht, die Verweigerung des Friedensvertrages trägt immer noch Früchte.

Fürsorglich wird international – besonders von deutschen Kommentatoren – kolportiert, die BRD wäre der einzige Nutznießer des Euro. Und wenn wir das alle glauben, dass wir schlussendlich an der Europa-Misere Schuld sind, dann kommt der Knall.

Die dafür gesorgt haben, das „Deutsch“, die Sprache des größten Landes in der EU, nicht einmal eine „EU-Sprache“ ist, haben dann einmal mehr wieder Recht behalten.

Sei’s drum.

Doch, bevor der deutsche „Nostra-Culpa-Automatismus“ zum Tragen kommt, der mich, der ich nichts als die Wahrheit ausspreche, zum Nazi stempelt, zurück zu den Wurzeln: Für das, was uns besonders die Briten aufbauen, aufbauen ließen und aufbauen hießen, kann sich meine Generation zumindest, nicht genug bedanken. Das Drei-Parteien-System mit der 5-%-Speerklausel, den DGB als Dachorganisation der Arbeitnehmer und Ansprechpartner der Arbeitgeberverbände und die Tarifautonomie dieser Verbände, die eine Soziale Marktwirtschaft erst ermöglichten, die Dezentralisierung des Rundfunks, die „German-Coal-Control, bis hinunter zur Organisation der Unfallhilfe durch die Feuerwehren in den von ihnen geschaffenen Bundesländern.

Man kann nicht abschätzen, welches so von ihnen geschaffene Gut ganz oben steht. Das von mir favorisierte sind die 3 Politischen Parteien. Sie wurden den großen Strömungen der gesellschaftlichen Philosophie Konservatismus, Sozialdemokratie und Liberalismus gerecht.

Das Vorteilhafte lag darin, dass „des Volkes Wille“ nie Mehrheiten schaffen konnte, die ein parteidiktatorisches Regime ermöglicht hätten. Die Liberalen waren immer der Stoßdämpfer einer Koalition, die dadurch nie in eine Richtung hin über die Stränge schlagen konnte.

Nun fingen wir an, wir mündigen Bürger, dieses „Glück von Bonn“ in Erinnerung an Uhlands Ballade:

  • Von Edenhall der junge Lord
  • Läßt schmettern Festtrompetenschall,
  • Er hebt sich an des Tisches Bord
  • Und ruft in trunkner Gäste Schwall:
  • »Nun her mit dem Glücke von Edenhall!«

zu zerbröseln. Umweltbewusste Mitbürger aller Coleur, vom Taxifahrer bis zum General der Bundeswehr, taten sich zusammen, um die Welt zu retten. Denn an wessen Wesen soll die Welt genesen?

Genau!

Sie wussten selbst nicht so genau, ob sie links waren oder rechts, aber wo die Macht war, das wussten sie. Aus vieren wurden fünfe, weil zwei Dinge zusammenkamen.

Die SED hatte keine Chance, in absehbarer Zeit ihr Arbeiterparadies aufzubauen, weil ja der Arbeiter diesmal keinen Bruder im Westen hatte, der es aufbauen half. Der Arbeiter hatte nicht einmal Arbeit. Der zweite Grund war, dass ein SPD-Parteichef von seinem Kanzler geschnitten wurde, darob sauer war und untertauchte.

Als seine Stunde gekommen war, baute er mit dem Chef der glücklosen PDSED seine DIE LINKE auf. Die erste deutsche Kommunistenpartei ohne Parolen und Schalmeien. Ohne alles, quasi, nur mit Träumen. Nur ein Träumer und Visionär kann Kommunist werden, die anderen Menschen datschern immer auf den Beton der realen Welt auf. Nun werden wir Wähler es schaffen: Bald sind wir zu sechst. Es war sowieso immer der Wähler, der die Parteien vervielfachte. Vielleicht in dem Glauben, dass, je mehr Parteien im Bundestag sitzen und kreuzbunt koalieren auch die erlebte Qualität der Demokratie zunimmt.

Das ist blöde gedacht, denn ein Trottel und noch ein Trottel ergeben keinen Menschen von Intelligenz, sondern ein Verdopplung der Zahl der Trottel. Mehr nicht. Leider auch nicht weniger. Die sechste Macht nennt sich „Die Piraten“ und hat sich jetzt ein neues Logo zugelegt bzw sie arbeiten daran oder haben dies vor. Außerdem pfeifen sie auf das Urheberrecht, es sei denn, man möchte einen Parteitag von ihnen fotografieren oder jemanden wörtlich zitieren. Zu den Parteitagen möchten sie gern gratis mit der Bahn fahren.

Dass die ehemaligen öffentlichen Verkehrsmittel längst Privatgesellaften sind, möchten sie nicht wissen. Oder erst nach dem Abi. Aber das wollen sie auch abschaffen. Mit ihren Forderungen ist das eh so eine Sache, denn darauf angesprochen, hat keiner nie niemals je etwas so gesagt. Um die Fische zu buttern, wenn wir schon bei Piraten auf hoher See sind, Einer oder Eine, oder Mehrere werden sich für diese Idee(?) krumm und dumm arbeiten, während der Rest in die gutdotierten Parlamentsjobs strebt.

Aber das ist bei den etablierten Kollegen nicht anders. Vielleicht. Was mich ärgert: dass ich nicht einfach über solche Demokratie-Nager hinwegsehen kann, dass mir diese Heimat zu schade ist, um sie solchen Leuten auszuliefern. Die Wähler, die solchen Moden folgen und mit ihrer Stimme forcieren, machen mir mehr Angst als die Parteien…

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Friedhelm Möllmann

Friedhelm Möllmann

Friedhelm wurde im Februar 1950 in Gladbeck Zweckel geboren, zog im Alter von einem Monat nach Scholven um und wurde damit zum überzeugten Bueraner. Er ist bekennender Christ und wohl auch bekennender, weil kritischer Katholik. Schriftsetzer mit allen Gutenbergschen Würden. Gelernt hat er bei der damals besten “Bude” der Welt, K+B auf der Hagenstraße in Buer. Er ist ohne Probleme durch die Zwiespältigkeit der Jugend, hie DPSG, dort Rock’n'roll, gekommen. Er hat kein Abitur. Seit 1980 ist er verheiratet, mit mittlerweile zwei erwachsenen Nachfahren, nach 3 Herzinfarkten und einem Stammhirnapoplex ist er seit 2011 berentet und nicht mehr ganz fit – aber nur körperlich!! Er gehört keiner Partei an, wobei er den Unionsparteien, der FDP, den Piraten, den Grünen und den Linken ganz besonders nicht angehört. Nach IG Druck und Papier, nachmals IG Medien, jetzt bei IG ver.Di nur noch zum Rentnerbeitrag Mitglied. Friedhelm Möllmann verstarb im Oktober 2015.

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