Schließen sich Demokratien und Patentrezepte einander aus?

Im ausglaufenden 20. Jahrhundert kam im bundesdeutschen Gesundheitswesen die uralte Volkserkenntnis zum Tragen, dass Ärzte sich ihre Patienten selber schaffen. Man machte sich im Gesundheitsministerium daran, die Zahl der Facharztstellen zu „Schrumpfen“.

Auf Deutsch: Man verteilte die Vergabe der Facharztpfründe nach einem völlig unverständlichen Schlüssel neu. Im großen und ganzen wurden aufgefebene Stellen nicht neu besetzt.

Wie wir alle wissen, ging diese Rechnung – nach dem üblichen deutschen Gemixe aus Bedenken, Ablehnung und Schelte – voll auf.

Wer glaubte, jetzt gäbe es geringere Gebühren, kennt die politischen Spielregeln nicht. „Der Staat“ in seiner Anonymität gibt nie etwas zurück. Dafür kurz ein Beispiel: Die Privatisierung von Post und Bahn, eine der größten Schandtaten des Thatcheristen Dr. Kohl, erfolgte aus Gründen der Steuerersparnis.

Haben Sie, liebe Leser, einen Pfennig oder Cent von jetzt angeblich ersparten Steuern erstattet bekommen? Nein, natürlich nicht. Weil die Kunst, die sich einstmals als „Politik“ erschuf, in das Erhöhen von Steuern und Gebühren reduziert hat. Aber wann soll der Politiker sich denn auch mit einem Problem so befassen, dass er es versteht und ihm eine Meinung zu eben diesem Problem einfällt oder gar eine Lösung dessen?

Es fängt mit seiner Wahl an. Als Vorturner braucht er nicht einmal das. Wir haben uns über die Wahl George Dabbeljus amüsiert, weil er Präsident wurde, obwohl er weniger Stimmen einheimste, als sein Gegner sie hatte. Schaut man sich eine Wahlstatistik an, ist man erstaunt zu sehen, dass die Hälfte der Abgeordneten gar nicht gewählt wurden. Die Profi-Politiker habe sich „unsere“ Demokratie so zurechtgebogen, dass der Bundestag von Legislatur zu Legislatur wächst. Bekanntlich erwerben Abgeordnete in vier Jahren mehr Altersversorgung, als beispielweise ein Schriftsetzer in 50 Jahren durchgängiger Lebensarbeitszeit.

Ich glaube, dass man niemand, der in diesem Zusammenhang von einem Selbstbedienungsladen spricht, der Verleumdung geziehen werden kann.

Weiter zu unserem „Vorturner/In“. Er muss sich sputen, denn das Volk, diese Canaille, guckt auf die ersten 100 Tage. Das sind genau die drei Monate und eine Woche, die man bei Neueinstellung in einer Firma als Probezeit zugebilligt bekommt. Der Politiker kann sich in diesen 100 Tagen keine Fehler leisten und darf es sich mit keiner Gruppe verderben. Churchill sagte in seinen „Erinnerungen“, den Unterschied zwischen Politiker und Staatsmann erkennt man daran, dass der eine an den Nachmittag denkt, der andere an die nächste Generation.

Unsere Politiker rühmen sich öffentlich, sogar als Präsident, ihres guten Verhältnisses zur Lobby.

Lobbyisten sind Zeitgenossen/Innen, die den Rest ihres Anstandes für Geld an Interessenten verkauft haben. Meine Kollegen und ich, wir haben unsere Lebenszeit für Geld an unsere Arbeitgeber verkauft. Das stimmt. Es ist fast der gleiche Vorgang, aber doch durch einen Abgrund von den der Lobbyisten entfernt.

Dann kommen, bis zur Vollendung des ersten Jahres, Wochen der Scheingefechte und der verdammte Ärger mit Europa. Und bald meldet sich schon der nächste Wahlkampf an. Und das Europa nicht nur ein Fass ohne Boden ist, das wir unsere staatliche Souveränität aufgeben und dafür eine „Europäische Berufsbeamtenclique“ eintauschen, die sich einen Scheißdreck für das Ruhrgebiet interessieren und denen die deutschen Werften oder Landwirtschaft am Hemde vorbeigehen.

Es sind nicht nur die Sprachen, die Europa immer getrennt haben. Es trennen uns in unserem Erdteil auch die Traditionen und Paradigmen. Die außerdeutschen Staaten haben es längst begriffen, dass diese EU ein Auslaufmodell ist.

Es geht nur noch darum, soviel Geld wie möglich von den „Bloody Germans“ abzuziehen um dann den Traum des Industrielandes oder der Zugehörigkeit zu einem Weltniveau weiter zu träumen.

Griechenland ist ein wunderschönes Land und die Griechen sind ein ehrenwertes Volk. Aber Griechenland ist – auch in hundert Jahren nicht – ein Industrieland. Gleiches gilt für Portugal und in Zügen auch für Spanien.

Man sollte nicht den Fehler machen und diese Einordnung als Wertigkeit zu sehen. Es ist einfach eine Tatsache. Die ehemaligen Ostblockstaaten außer Polen, die Tschechei und Ungarn werden noch mindestens ein halbes Jahrhundert brauchen, bis sie so etwas wie „Augenhöhe“ zu Europa erreichen.

Das hört sich arrogant an oder rechthaberisch oder was immer man blauäugig dagegen sagen kann.

Aber, nüchtern betrachtet, ist es nur die Wahrheit.

Allerdings gibt es auch den Politiker guten Willens. Keine Frage. Ich meine jetzt nicht diese Spielriege, die herausgefunden hat , dass man durch Facebook so tuen kann, als wäre man ein erwachsener, lebenserfahrener Mensch und könnte Politik machen ohne Verantwortung dafür zu zeitigen.

Ich meine die Männer und Frauen, die sich um ihr Land kümmern, oft sogar sich Sorgen machen.

Aber auch diese stecken im „Dilemma der Demokratie“. Wir haben sechzehn Bundesländer. Das heißt, der deutsche Politiker befindet sich nahezu kontinuierlich im Wahlkampf. Und es geht noch weiter. Die EU hat sich auf 27 Staaten aufgeblasen.

Aber da sind die USA, von Beginn an ein homogener Staat. Bestehend aus Engländern, Briten, Iren und Deutschen, mit der zweiten Einwanderungswelle kamen Polen und Russen. Und innerhalb einer Generation (über Kalifornien kam noch eine anfangs spanisch sprechende Gruppe, die Urbevölkerung wurde kurzerhand umgebracht) waren sie alle Amerikaner.

Und Träumer, die sich gern als Visionäre bezeichnen, ich nenne sie Spinner, meinen, das könne man auf Europa übertragen.

Man kann nicht.

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Friedhelm Möllmann

Friedhelm Möllmann

Friedhelm wurde im Februar 1950 in Gladbeck Zweckel geboren, zog im Alter von einem Monat nach Scholven um und wurde damit zum überzeugten Bueraner. Er ist bekennender Christ und wohl auch bekennender, weil kritischer Katholik. Schriftsetzer mit allen Gutenbergschen Würden. Gelernt hat er bei der damals besten “Bude” der Welt, K+B auf der Hagenstraße in Buer. Er ist ohne Probleme durch die Zwiespältigkeit der Jugend, hie DPSG, dort Rock’n'roll, gekommen. Er hat kein Abitur. Seit 1980 ist er verheiratet, mit mittlerweile zwei erwachsenen Nachfahren, nach 3 Herzinfarkten und einem Stammhirnapoplex ist er seit 2011 berentet und nicht mehr ganz fit – aber nur körperlich!! Er gehört keiner Partei an, wobei er den Unionsparteien, der FDP, den Piraten, den Grünen und den Linken ganz besonders nicht angehört. Nach IG Druck und Papier, nachmals IG Medien, jetzt bei IG ver.Di nur noch zum Rentnerbeitrag Mitglied.

Friedhelm Möllmann verstarb im Oktober 2015.
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