Endlich: Ikea kommt nicht nach Gelsenkirchen!

Kötbullar

Früher flanierte der Gelsenkirchener noch.

Nicht auf repräsentativen Plätzen, die gab es ja nicht, weil Bismarck, Kaiser und die Ruhrbarone keine Kasernen, keine Universitäten und wohl auch keine Plätze wollten. Hätt sich womöglich der Pöbel zusammen gerottet.

Aber dem genügten die Fussball-Aschenplätze. Man flanierte Sonntags die Bahnhofstraße rauf und runter, sah sich die schöne Warenwelt hinter den Schaufensterscheiben an, anschließend die gebändigte Stadtgarten-Natur und spazierte danach zurück nach Hause.

Franz Josef Degenhardt verdichtete diese Stimmung im Lied „Deutscher Sonntag.“

Dann ist die Spaziergangstunde,  durch die Stadt, zweimal die Runde.

Hüte ziehen, spärlich nicken, wenn ein Chef kommt, tiefer bücken.

Achtung, daß die Sahneballen dann nicht in den Rinnstein rollen.

Kinder baumeln, ziehen Hände, man hat ihnen bunte, fremde

Fliegen – Beine ausgefetzt – sorgsam an den Hals gesetzt,

daß sie die Kinder beißen solln, wenn sie zum Bahndamm fliehen wolln.   Tada-da-da-dam..,

Gravitations-Zentren der Hochöfen Trabanten-Dörfer waren die Kneipen. „Autogerecht“ hieß das Synonym für Urbanität. Das Sterben der Industrie, das Aufkommen der Dienstleistungsindustrie, der neuen Medien, bescherte ein neues Phänomen – die grüne Wiesen Center, gefolgt von den Malls, die heute mal fernab des Stadtzentrums wie in Oberhausen, mal mitten drin, wie beim Limbecker Platz in Essen, neue Urbanität schafften.

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Da will der Gelsenkirchener natürlich nicht abseitsstehen und liebäugelt, als er gerüchteweise davon hört,  mit der Ansiedlung des Köttbullar Produzenten IKEA. Dieser hat  sich schon 2010 für eine Freifläche zwischen der Nord- und der Südstadt interessiert – erfuhr man vor einigen Tagen.

25 000 m2   tradiertes Ikea sollte mit 30 000 m2  Einzelhandels-Allerlei von Textil bis Elektro ergänzt werden und so identitätsstiftend, strahlkräftig Glückseligkeit und Lebenssinn spenden. Ein Mahnmal gegen politischen und religiösen Fundamentalismus hätte es werden können, schützt doch Konsumismus den Bürger vor falschen Verlockungen aller Art.

Die einen wähnten hunderte neuer Arbeitsplätze und Steuersegen fürs Stadtsäckel, die anderen den Zusammenbruch des Einzelhandels und die Verödung der Ober- und der Unterstadt. Der Bürger forderte spontan und plakativ an einem Bauzaun am Margarethe Zingler Platz das Schweden Paradies ein.

Überraschungsfrei blieb der Handlungsablauf. Die Verwaltung informierte gewohnt gekonnt diffus und zu spät über die Ablehnung der Ansiedlung, ein Entrüstungswindchen hauchte durch die sozialen Netzwerke, der Einzelhandel und die SPD waren Contra, die CDU Pro Schwedenhölzer.

 

Kundenschaufler Ikea

Stadtentwicklungspläne sollten durch den Elch  durcheinander geraten, EU-Fördergelder für die Sanierung der Fläche müssten zurück gezahlt werden – kurz: der Platzverweis für Blau-Gelb sei Alternativlos – so die Gegner.

Alles nur vorgeschoben, behauptete die CDU, deren Schwedenkontakte von einem Megashop nichts mehr wissen wollten und eine ins Gelsenkirchener Barock passende Möbelkiste versprachen. …. 

Während dessen flirtet Castrop-Rauxel als eine von 5 möglichen Ruhr-Bräuten mit dem  Möbelriesen,

der damals in der DDR ohne Scham von Zwangsarbeitern produzieren ließ.  

Der gewöhnlich desinformierte Bürger fragt sich, ob hier nicht mal wieder ein Großkonzern die Ruhrgebietsstädte wie einen Tanzbären am Nasenring führt und denkt an Nokias verschwundene Arbeitsplätze und Steuergelder.

Der heutige Einkaufs-Flaneur jedenfalls ist nicht aufzuhalten, er liebt es, wenn öffentlicher Raum privatisiert wird. Seine Abstimmung mit den Füßen wird noch jedes (möglicherweise vorhandene) Stadtplanungskonzept über den Haufen schlendern.

Warum sich also nicht in das Unvermeidliche fügen und statt dessen öffentlichen Raum in die Malls bringen?

Z.B. mit Bauvorschriften, die ab einer Größe X Kunst- & Kulturangebote verlangen, Orte der Stille, Einkehr, des Austausches? Siedelten sich Märkte früher um Kirchen an, wäre nun die umgekehrte Reihenfolge zu probieren.  

Aber das erfordert planerischen Weitblick……………… 

 

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Heinz Niski

Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

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