Wenn der Phönix wieder fliegt

phönix  „Steinbrück sieht Zukunft für Energie aus Kohle“ – war die Schlagzeile auf der WAZ-Titelseite am 18. Dezember 2012.

Das jedenfalls soll der schnell denkende und ebenso schnell sprechende SPD-Bundeskanzlerkandidat auf einer Veranstaltung vom„Initiativkreis Ruhrgebiet – IR“ prophezeit haben, die unter dem verheißungsvollen Titel „Der Phönix fliegt“ in Gelsenkirchen stattfand.

Und weil der wundersam aus seiner eigenen Asche wiedererstandene Vogel Phönix bei seinem geheimnisvollen Flug in die Zukunft des Ruhrgebiets weder tatsächlich noch virtuell zu sehen war, mussten sich die Teilnehmer Reden anhören.

Nach „Herkules“, der übrigens auf dem Förderturm der ehemaligen Zeche Nordstern, lässig auf seine Keule gestützt, die Veranstaltung zu schützen schien, wird mit „Phönix“ nun eine weitere Symbol-Figur aus der Antike bemüht, um den „Strukturwandel“, der nicht so recht gelingen will, mit unpassend-kraftvollen Namen in schönfärbenden Reden gesundzubeten und einen mystischen Charakter zu verleihen.

Wenn der Moderator des IR-Unternehmensnetzwerks, Bodo Hombach, ehemaliger Geschäftsführer der WAZ, lapidar von einem „150jährigen Strukturwandel“ spricht, dann ist auch das nur die halbe Wahrheit, denn es gab in diesem Prozess immerhin zwei Phasen: einmal die 100 Jahre anhaltende Industrialisierung mit Massenarbeit durch Kohle, Eisen und Stahl und zum anderen den langsamer verlaufenden Niedergang in den letzten 50 Jahren mit Massenarbeitslosigkeit und Städteverfall.

In diesem komplexen historischen Verlauf haben sich auch über mehrere Generationen spezifische kollektive Mentalitäten ausgebildet, die sich nicht so schnell verändern lassen, wie Stahlwerke und Zechen stillgelegt worden sind.

Wenn Bodo Hombach dazu anbiedernd den Jargon der Region bemüht und erklärt: „Hier lässt man nicht die Ohren hängen. Die Phase des Selbstmitleids ist lange vorüber“, dann klingt das nach „Durchhalteparole“ und man fragt sich, wo lebt dieser Mann? Liest er nicht die verheerenden Städterankings zur sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich? Offensichtlich lebt er wie „Phönix aus der Asche“, abgehoben vom Boden der Realitäten, in einem Wolkenkuckucksheim.

Im Jargon der besserverdienenden Besserwisser dominiert die Zukunftsschwärmerei. Sie ist eine verräterische Methode der Herrschenden jeder Coleur. „Mir ist um die Zukunft des Ruhrgebiets überhaupt nicht bange“, redet sich Ministerpräsidenten Hannelore Kraft den aktuellen Fall „Opel Bochum“ schön: „Wir nehmen General Motors mit in die Pflicht, Arbeitsplätze wieder aufzubauen. So funktioniert Strukturwandel.“ So einfach ist das in „Sonntagsreden“ wenn die „Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft“ unter sich sind und sich gegenseitig und auch sich selbst auf die Schultern klopfen.

Dann hört man Floskeln wie „in anderen Ländern blickt man neidvoll nach NRW“, da ist „Innovation City“, also Bottrop, zum Symbol für die „Energiewende von unten“ und „ein Vorbild für ganz Europa“. Aber die allgemeine Energiewende stockt und bremst den Flug des Phönix. Vielleicht hat deshalb der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Kohle mal wieder in die Diskussion gebracht.

Die Kumpels vom Bergwerk West in Kamp-Lintfort werden sich darüber irritiert die Augen reiben, denn vier Tage vor Weihnachten ist nach mehr als 150 Jahren für Kohleförderung am Niederrhein auch für sie Schicht am Schacht.

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