Hans Sachs Haus – ein Arbeiterschloss

Da ist es wieder. Das Gebäude, das die Süddeutsche Zeitung 2004 noch als Gelsenkirchens bedeutendstes Baudenkmal bezeichnet hatte.
Viele Gelsenkirchener mögen das mit dem Blick auf die Arena ihres Lieblingsvereins »gefühlt« anders gesehen haben.
Natürlich war es nicht weg: Es war nur eingehüllt, eingepackt und verborgen in Folien und Bauzäunen. Seit der Jahrtausendwende. Ein Verweis darauf, dass an dieser Stelle einst »etwas« war und damit vielleicht schon ein Symbol für die Entwicklung der gesamten Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten.

Und was ist es nun geworden?

Ein neues Hans-Sachs-Haus?

Wie das Hans-Sachs-Haus zur Zeit seiner Eröffnung so bahnrechend neue Architektur präsentierte, dass die Nationalsozialisten damit nicht leben konnten und dem Architekten Alfred Fischer mit Berufsverbot belegten? Zu seiner Zeit war das Haus ein auffälliges Zeichen des Umbruchs.

Oder ist es ein altes Hans-Sachs-Haus nach einer Renovierung?

Tatsächlich behielt das Gebäude nur seine Backsteinfassade und die »Hülle«. Alles andere ist vollkommen neu. Zwar sehen die Treppengeländer aus, wie vor der Entkernung, aber sie sind nachempfunden.

Also begegnen wir eher einem neuen Hans-Sachs-Haus mit starken Bezügen zum »historischen« Gebäude gleichen Namens. Der Ausflug in die Geschichte des Gebäudes dauert dementsprechend nur so lange, wie das Überschreiten der Eingangsschwelle.

Betrachtet man das Gebäude von der anderen Seite, zeigt es hingegen ein vollkommen anderes, ja modernes,Hans Wurst Vorstellung Gesicht. Eine Glasfassade gibt den Blick in das Gebäude frei. Das ist zwar modern, aber kein Umbruch, auch wenn das Hypewort »Transparenz« hier eine konkrete bauliche Form erhalten hat und zeigt, in welche Richtung sich Politik entwickeln soll.

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Der Ausflug in die Geschichte des Gebäudes bleibt, auch bei der »Übergabe« des Gebäudes in die Hände der Öffentlichkeit, ein kurzer Punkt unter vielen.

Offenbar überrascht, dass das Gebäude irgendwie nun doch fertig geworden ist, glänzt das Programm zum »Tag der offenen Tür« durch das Fehlen eines Höhepunktes. Vielleicht soll ja das Gebäude der »Star« sein und in den Mittelpunkt gestellt werden.

Historische Brücken baut natürlich auch die Stadt Gelsenkirchen in der Vorbereitung der Eröffnung. So zitiert sie den Mitbegründer des Architekturbüros »Gerkan, Marg und Partner« Professor Volkwin Marg mit den Worten »Es ist ein Schloss der Arbeiterbewegung.«

Bis ins 20. Jahrhunderte repräsentierten Schlösser als »Ort« des Souveräns dessen Macht und waren dementsprechend Zentren für den Machtbereich dieses Souveräns. Sei es ein Fürst, ein Graf oder ein König.

Hier soll nun die Arbeiterbewegung der Souverän sein.

Auf der Hand liegt, dass Gelsenkirchen längst nicht mehr die »Malocherstadt« ist, die sie in der Vergangenheit war. Der Strukturwandel schlug brutal zu. Die Anzahl der »designierten Arbeitnehmer« (Harald Schmidt) ist eine der höchsten im Westen Deutschlands.

Die Arbeitslosenquote liegt derzeit etwa bei 14 Prozent. Wer der Souverän im Hause sein wird, wird auch im fertigen Haus stellvertretend für die Entwicklung der Stadt sein.

Wird die Stadtverwaltung unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen und der Bürger Angebote konsumieren? Oder wird der Bürger die Transparenz wörtlich nehmen und versuchen, sich stärker darauf besinnen, dass er die Geschicke »seiner« Stadt mitbestimmen möchte.

Wenn die Transparenz nicht nur architektonisch eingeführt wird, wird die Tür zu diesem Schritt geöffnet.

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Chajm Guski

Chajm Guski

Chajm ist begeisterter Bewohner des Ruhrgebiets (könnte sich grundsätzlich aber auch vorstellen, woanders zu leben), Herausgeber von talmud.de, Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet, Blogger, Autor von Artikeln und Glossen in der„Jüdischen Allgemeinen”. Zudem ist er ein Early Adaptor der vielen technischen Spielereien, die das Internet jeden Tag hervorbringt. Einige werden auch hier dokumentiert.
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