Alles Demokraten

Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König. Ich nehme mal an, dass der Homo Sapiens Germanicus Adultus, der erwachsene deutsche denkende Mensch zugleich froh und erstaunt ist. Froh darüber, dass der Wahlzirkus vorbei ist und erstaunt darüber, wie in der Politik gehämmert, gesägt und, wie der Kabarettist Rogler es so schon formulierte, die „Reise nach Jerusalem“ gespielt wird, aber dass man bei gestoppter Musik jeweils einen Stuhl dazustellt.

So vermeidet man Härten. Er meinte wohl die „Grünen“, die mit Märtyrergesicht ihren Posten zur Verfügung stellten, wegen der Wahlschlappe natürlich, und sich stante pede um die Vizepräsidentschaft des Bundestages zu bewerten. Außerdem gibt es da noch die „Pension Europa“, das formidable Auffangbecken für „In-Die-Wüste-Geschickte.

Mutti hat, na klar, haushoch gesiegt. Und nun sollten doch eigentlich die Regeln der Demokratie greifen. Das Volk (also wir Wähler) sind der Souverän. Also dürfen wir alle vier Jahre wählen, wer uns regiert. Aber auch, wer uns nicht mehr regieren soll. Und schaut man sich die Ergebnisse der Wahl an, sieht man Erstaunliches: Die Mehrheit des Volkes hat diese Regierung abgewählt. Und nur, weil sich die Stimmen auf mehrere Parteien verteilen, gilt die Mehrheitsmeinung des Volkes einen feuchten Kehrricht.

Gäbe es da nicht das Wunderwerk der Koalitionsfindung. Es sollten, dem Idealbild der Demokratie folgend, alle zur Wahl zugelassenen Parteien miteinander koalitionsfähig sein. Und der wirkliche Triumph der Bundesdeutschen Demokratie, die Fünf-Prozent-Hürde, um die uns gesamte freie Welt beneidet, hat diesesmal dafür gesorgt, das eine Minderheitenpartei seit 6o Jahren nicht mehr bestimmt, wo der Bartels den Most holt. Die sich mit dem gleichen Unrecht, mit dem sich die C-Parteien „Christlich“ nennen, nennt sich dieses Grüppchen „Liberal“. Nun, sie haben sich selbst „aus dem Stadion geschossen“.

Was nicht heißt, dass unser Land auch einen Teil Liberalismus braucht, Gott bewahre, aber den lieferte dieser Verein lange nicht mehr.

Dann ist da noch die Zahl Dummfaulen und der Dreistigdummfaulen, also der Nichtwähler. Dreistig deshalb, weil sie ihre Dummfaulheit noch als politisches Manifest verkaufen wollen. Sie machen fast – und das ist der eigentliche Skandal – über 30% der Wahlberechtigten aus. Und die zwischen 1940 und 1950 geborenen, also wir alten Säcke oder hübscher formuliert, wir 68er, sehen den deutschen Traum einer Demokratie in diesem unseren Lande mit diesem unseren Volke gefährdet. Aber das ist Quatsch. Nur, mit den Nachgeborenen jungen Leuten ist der Alltag in eine funktionierende, demokratische Gesellschaft eingezogen. Wer meint, „Von-Oben“ rgieren zu können und dabei des Freiheitraubes zu nahe kommt, bekommt die Papiere. Ich erinnere an den Veggi-Day. Oder wer diesen Staat für einen großen Jux hält, wie die Piraten mit ihrer Fazzebock-Politik, verschwindet nach kurzem Ablachen im Nichts. Zwar haben 15% Non-Parteien gewählt, aber auch das ist Demokratie.

Und irgendwie werden es die Polit-Profis auch diesmal schaffen.

Bis in vier Jahren also!

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Friedhelm Möllmann

Friedhelm Möllmann

Friedhelm wurde im Februar 1950 in Gladbeck Zweckel geboren, zog im Alter von einem Monat nach Scholven um und wurde damit zum überzeugten Bueraner. Er ist bekennender Christ und wohl auch bekennender, weil kritischer Katholik. Schriftsetzer mit allen Gutenbergschen Würden. Gelernt hat er bei der damals besten “Bude” der Welt, K+B auf der Hagenstraße in Buer. Er ist ohne Probleme durch die Zwiespältigkeit der Jugend, hie DPSG, dort Rock’n'roll, gekommen. Er hat kein Abitur. Seit 1980 ist er verheiratet, mit mittlerweile zwei erwachsenen Nachfahren, nach 3 Herzinfarkten und einem Stammhirnapoplex ist er seit 2011 berentet und nicht mehr ganz fit – aber nur körperlich!! Er gehört keiner Partei an, wobei er den Unionsparteien, der FDP, den Piraten, den Grünen und den Linken ganz besonders nicht angehört. Nach IG Druck und Papier, nachmals IG Medien, jetzt bei IG ver.Di nur noch zum Rentnerbeitrag Mitglied.

Friedhelm Möllmann verstarb im Oktober 2015.
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Ein Kommentar

  1. Ach Friedhelm, ob du (wie geht es dir da oben?) heute einen neuen Kommentar schreiben würdest, oder diesen nur geringfügig geändert, noch einmal posten würdest???

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