Das Land, wohin der Stier Europa trug

Nu isset wieder soweit: Dem mündigen Bürger wird gestattet, die Segungen der Demokratie zu genießen und zur Urne zu gehen. Freie und gemeime Wahlen! Der Kernsatz der demokratischen Politik. Auch Her Putin gewärt den Ukrainer, also den Auländern,  diesen Genuss. Er sprach sogar davon, die Wahlen zu akzeptieren. Er weiß natürlich, dass auch in slawischen Sprachen „Akzeptieren“ und „als verbindlich anzuerkennen“ zwei völlig verschiedene Begriffe sind.

 

Auf meine Großmutter wurde noch geschossen, und zwar auf den Arm, indem mein Vater saß, als sie während des Kapp-Putsches in Scholven aus dem Fenster sah. Es ging „den Roten“, damals, nach dem Weltkrieg 1,  war jeder, der durch Arbeit seine Familie durchzubringen versuchte, ein „Roter“ –  Es ging um Brot und Arbeit und demokratische Freiheiten für jene, auf deren Buckel der Krieg ausgetragen worden war.

Heute sitzen junge Menschen, jedenfalls jüngere als ich, in den Fernsehstudios und erzählen der Welt, dass „nicht wählen“ auch ein Mittel der demokratischen Meinungsäußerung sei. Das ist nicht nur dämlich, das ist sogar unverschämt gegenüber den  Opfern im Kampf um die Demokratie. Würden sie sagen, dass sie „das ewige Wählen gehen“ anödet, wie auch der permanente Wahlkampf in der deutschen Föderation, käme das einer demokratischen Meinungsaußerung viel näher und wäre auch ehrlicher.

Im „Oranischen Königreich der Niederen Landen“, vulgo „bei die Holländers“ ist der Gig schon gelaufen. Man hat dem Mijnheer Geert Wilders in seinem Traum vom „Rechten“ Europa einen Dämpfer verpasst. Aber woher kommt dieser Rechtsruck in Europa eigetntlich?

Nach meiner Meinung gibt es da historische Gründe ebenso wie die, die in der menschlichen Natur liegen. Nie in der Geschichte der Menschheit haben sich verschiedene Völker verschiedener Kulturen und verschiedener Sprachen freiwillig zusammengefunden.

Dass diese naheliegende und beobachtbare Tatsache von einer gewissen Schicht der Gesellschaftspolitiker geleugnet wird und als „Soziodarwinismus“ oder Faschismus dargestellt wird, überrascht kaum noch. Wen es dennoch überrascht, sollte mal in Sarazins neuem Buch vom Terror der Tugendhftigkeit über die politischen und psychologischen Gründe nachlesen.

Noch nie in der Geschichte wurde ein großes Reich mit vielen Völkern friedlich geeint. Selbst die USA hatten ihren Civil War, der bis dahin blutigsten Abschlachterei der Weltgeschichte. Ströme von Blut mussten fließen, bis aus dem Russischen Zarenreich die gloriose Sowjetunion wurde. Das Römische Weltreich, das Mongolische Weltreich, das Riesenreich der Chinesen, das Spanische Weltreich der Habsburger egal wohin man schaut: Blut Schweiß und Tränen. Noch schlimmer die „Fehlversuche“ Napoleons und besonders die Hitlers.

Dann trafen sich der franzöische Präsident und der deutsche Bundeskanzler und gaben sich die Hand. Das war, heute in seiner Größe selten erkannt, einer der Größten Augenblicke der Menschheit. Wirkliche und ehrliche Versöhnung zweier „Erbfeinde“.

Und dann meinte man, den goldenen Weg gefunden zu haben. Man versuchte, Europa zu erzwingen.

Das ging schief.

Es gibt zwar noch die EU, die mit dem Geld anderer Leute, unser aller Steuern, um sich wirft, wie in Köln der Prinz am Rosenmontag mit den Kammelle. Da wird lustig  und ohne Not und Sinn zweimal im Jahr von Brüssel nach Staßburg umgezogen, mit Mann, Frau und Maus. Kosten jeweils 200 Millionen Euro. Da wird erweitert und eine Wunderwährung erschaffen, als wäre Europa den Grimmschen Hausmärchen entsprungen.

Da steht Großbritannien hinterm Kanal und wartet auf Abstaube. Zahlen will man nicht. Und das ganz besondere an diesem Erdteil Europa, die Vielzahl an Kulturen und die Unterschiede der Denkweisen der Menschen, dieser Reichtum, der die ganze Welt geformt oder beeinflusst hat, wird einfach geleugnet.

Ich fürchte, obwohl an der Schwelle zum Alter stehend, den großen Crash, mit dem dieser Traum kollabiert, noch zu erleben.    {jcomments on}

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Friedhelm Möllmann

Friedhelm Möllmann

Friedhelm wurde im Februar 1950 in Gladbeck Zweckel geboren, zog im Alter von einem Monat nach Scholven um und wurde damit zum überzeugten Bueraner. Er ist bekennender Christ und wohl auch bekennender, weil kritischer Katholik. Schriftsetzer mit allen Gutenbergschen Würden. Gelernt hat er bei der damals besten “Bude” der Welt, K+B auf der Hagenstraße in Buer. Er ist ohne Probleme durch die Zwiespältigkeit der Jugend, hie DPSG, dort Rock’n'roll, gekommen. Er hat kein Abitur. Seit 1980 ist er verheiratet, mit mittlerweile zwei erwachsenen Nachfahren, nach 3 Herzinfarkten und einem Stammhirnapoplex ist er seit 2011 berentet und nicht mehr ganz fit – aber nur körperlich!! Er gehört keiner Partei an, wobei er den Unionsparteien, der FDP, den Piraten, den Grünen und den Linken ganz besonders nicht angehört. Nach IG Druck und Papier, nachmals IG Medien, jetzt bei IG ver.Di nur noch zum Rentnerbeitrag Mitglied.

Friedhelm Möllmann verstarb im Oktober 2015.
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