Katastrophenalarm! Schluss mit lustig!

Als wenn wir nicht schon genug Probleme hätten: Flüchtlingswelle, Terrorangst, schwarze Null, Lichtgestalt als Dunkelmann, seit Wochen die falschen Lottozahlen, viel zu warmes Novemberwetter, VW in der Krise, Jauch schmeißt hin, Raab hört auf, Helene Fischer veröffentlicht eine Weihnachts-CD — und jetzt auch noch das NEIN der Hamburger zu Olympia.

Entsetzen bei Sportfunktionären, Politikern, Spitzensportlern, Sponsoren und Industrie: da standen doch schon die Tüchtigen, die Geldjäger, die Absahner, die VIP-Karten-Bezieher in den Startlöchern, um sich selbst zu feiern und das olympische Profitmaximierungsschwein auf dem Altar des sportlichen Wettstreits zu schlachten. Bei den Abrissbaggern, den Planierraupen und den Betonmischmaschinen liefen schon die Motoren warm: Hafenverlagerung, Wohnviertel- und Sportstättenneubau, Straßen und Tunnel.
Und jetzt das! Das Volk als Nein-Sager, der Bürger als Spaßverderber, der Wähler als Verhinderer!
Und dabei hatte man sich das so gut ausgedacht, weil man sich der Mehrheit doch sicher war: diese gigantische Geldmaschine, diese Lizenz zur Gentrifizierung, diese gute Gelegenheit, öffentliche Gelder zu verbrennen – legitimiert durch des Volkes Stimme!
Pustekuchen!Aus die Maus, vorbei der Traum!
Katzenjammer!
Erklärungsversuche!
Und Stellungnahmen von Menschen, von denen wir bisher nur wussten, dass sie gute Sportler waren, die wir aber noch nicht als Philosophen kannten, etwa den Diskus-Olympia-Sieger Robert Harting:
„Ein Hamburger Desaster – welche Vision von sportlicher Zukunft verfolgen die Menschen in dem Land, für das ich kämpfe, überhaupt noch? Die Vision von McDonald´s und unbeweglichen Kindern? Wahrscheinlich.“
Natürlich ist das ein Hamburger Desaster – vor allem für McDonald´s und die anderen Hamburger-Bratstationen, die doch schon die Umsatzsteigerung durch die Spiele in ihrer Kalkulation hatten!
Unbewegliche Kinder?
Die werden doch durch Olympische Spiele nicht beweglich, sondern dadurch, dass der Sportunterricht an Schulen nicht zu einer Randerscheinung wird, dass sie gut ausgebildete Sportlehrer haben, dass keine Sportstunden ausfallen, dass Turnhallen und Sportplätze in 1 a–Zustand sind, dass sie animiert werden, gemeinsam mit anderen im Sportverein Spaß zu erleben, dass sie weggeholt werden von all den Daddel-Geräten und dann draußen, in freier Wildbahn, spielen, laufen, springen, hüpfen oder sich einfach nur tummeln.
Mensch, Harting! Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben!

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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