Les Temps Perdus – Vom 11. Gebot und der Ringmülltonne

Folge 8

Vom 11. Gebot und der Ringmülltonne

Nein, früher war eben nicht alles besser – mal ganz abgesehen davon, dass es für jedes früher immer ein noch früher gibt und dass unser jetzt für kommende Generationen ihr früher sein wird.

Nein, früher war nicht alles besser – aber manches war gut. Vor allem übersichtlich!

Heute stehen bei uns draußen vier verschiedene Mülltonnentypen: drei blaue Tonnen für Papier, Pappe und Kartons, eine gelbe Tonne des dualen Systems (Verpackungen mit dem entsprechenden Zeichen), eine braune Tonne (Bio-Abfall) und die graue Tonne (Restmüll). Für jede Tonne gibt es einen eigenen Entleerungstag in einem besonderen Rhythmus – mal jede Woche, mal zweiwöchig, mal eine Abfuhr im Monat. Und da sind Verschiebungen durch Feiertage noch nicht berücksichtigt!

Und es gibt natürlich kilometerlange Vorschriften, was in die jeweilige Tonne (z.B. die Bio-Tonne) gehört und was nicht!

Da verliert man schnell den Überblick!

Hinzu kommt, dass die Leerung einiger Tonnen kostenpflichtig ist (z.B. die Restmülltonne), andere gebührenfrei geleert werden (blau) und wieder andere (gelb) über den Kauf bzw. die Umverpackung finanziert werden – ich die Leerung also mit dem Kaufpreis des Produktes bezahle.

Eines haben die Tonnen gemeinsam: sie sind aus Kunststoff und haben Rollen, so dass das Verbringen zum Bürgersteig gut zu bewältigen ist.

11.-18.8.1991 Bundesland Sachsen-Anhalt, Gräfenhainichen Stadtmotive - Attribution: Bundesarchiv, B 145 Bild-F088900-0008 / Thurn, Joachim F. / CC-BY-SA 3.0
11.-18.8.1991
Bundesland Sachsen-Anhalt, Gräfenhainichen
Stadtmotive – Attribution: Bundesarchiv, B 145 Bild-F088900-0008 / Thurn, Joachim F. / CC-BY-SA 3.0

Das war früher ganz anders! Da gab es nur eine Mülltonne , zumeist in der Variante der Ringmülltonne, die 120 Liter fasste. Die war aus Zink oder Stahlblech, hatte keine Räder und musste zum Bürgersteig „gedreht“ werden, meint: man kippte sie in die Schräge und rollte sie dann auf der Unterkante (am unteren Ring) zu ihrem Platz an der Straße. Wer nicht „drehen“ wollte, war eingeladen, die Tonne zu tragen, denn seitlich gab es bei vielen Modellen zwei Tragegriffe. Das Tragen war allerdings so etwas wie die dreizehnte Herkules-Arbeit!

In diese Tonnen kam „alles“, denn Trennung oder Sortierung des Mülls ist bei uns erst im Zuge der Öko-Bewegung aufgekommen. Wobei ein Bestandteil des damals üblichen Mülls den Ringmülltonnen auch ihren volkstümlichen Namen verpasst hat: Asche(n)eimer. Vor der Einführung der (zentral für ein Haus fungierenden) Öl- und Gasheizungen wurde überwiegend mit Kohle und Briketts geheizt, ergänzt durch Papier, Pappe, Holz und aus Papier gefertigtem Verpackungsmaterial( z.B. alte Tageszeitungen, in die auf unserem Wochenmarkt Fisch eingedreht wurde). Die Tausenden und Abertausenden Umverpackungen aus Kunststoff, die heute üblich sind, waren in den 50er Jahren ja ebenso wenig in Gebrauch wie Plastiktüten, denn die solide Hausfrau hatte damals nicht nur eine Einkaufstasche, sondern auch ein Einkaufsnetz.

Was zum Befeuern des Ofens in Form von Kohle im Keller eingelagert war und – oft mit Mühen – in die Wohnung transportiert werden musste (wir wohnten im 4. Stock), wurde anderntags , zu Asche verfeuert, im Aschekasten des Ofens zur Tonne getragen. Dort aber sprang sie einem dann entgegen, die Warnung! Dort war es verschriftlicht – in großen Lettern eingestanzt und nicht zu übersehen, nämlich das 11. Gebot, das wohl auf Moses´ Rückweg vom Berg Sinai zunächst verloren gegangen ist: Keine heiße Asche einfüllen! (Das 12. Gebot war übrigens auf unzähligen Blechschildern an den Mauern von Hinterhöfen zu finden: Ballspielen verboten!)

Ende der 60er Jahre und verstärkt dann ab den 70er Jahren verschwanden die Ringmülltonnen und wurden durch Abfalltonnen aus Kunststoffmaterial ersetzt. Es gab aber immer noch viele Menschen, die mit Kohle heizten. Folglich musste das 11. Gebot auch auf die Tonnen aus Plastik. Dort war es aber nicht eingestanzt, sondern man verpasste den Tonnen einen länglichen Aufkleber, der in schwarzen Buchstaben auf grell-orangenem Grund die bekannte Aufforderung trug: Keine heiße Asche einfüllen!

Dieser Aufkleber ließ sich mit ein wenig Geduld und Geschick von der Tonne abziehen und an anderer Stelle anbringen.

Zum Beispiel an der Heckklappe (m)einer Ente (2CV).

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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