Die große Leere oder Shunyata auf Rathaus-Papier

Es gab und gibt immer noch Menschen aus dem Kreis der westlichen Zivilisation, die ihr Seelenheil in den Lehren Asiens finden wollen und deshalb nach Indien reisen, um dort die Kunst der Meditation zu erlernen und so zur „Großen Leere“ (Shunyata) zu gelangen. Andere wiederum versuchen dieses Ziel zu erreichen, indem sie einer mit Deckweiß gestrichenen Wohnzimmerwand in stiller Teilnahme beim Trocknen zuschauen. Wieder andere machen eine Zeitung. Genauer gesagt: „Die Stadtzeitung“ der Stadt Gelsenkirchen.
Wie aber wird auf diesem Weg die „Große Leere“ erreicht, die nach der buddhistischen Lehre vom „Nicht-Selbst“ abgeleitet wird und auf die „Substanzlosigkeit aller Phänomene“ verweist, die eine Folge ihrer bestimmten Abhängigkeit von bedingenden Faktoren ist?
Zunächst einmal durch den Raum! Der Raum wird bestimmt durch das Lay-Out, das ein bedingender Faktor ist. Und das Lay-Out weist Leerstellen auf, weiße Flächen – ähnlich wie bei der oben erwähnten Wohnzimmerwand -, die gut die Hälfte des Raums einnehmen. Wer also diese Zeitung aufschlägt, wird vom Lesen-Wollenden zu einem die Weiße-Leere-Betrachtenden. Das äußere Nichts verhakt sich im inneren Selbst des auf diese Weise sanft Gelenkten, der sich die Leere anverwandelt.
Der leere Raum wiederum korrespondiert mit der inhaltlichen Seichtheit, der in Worte und Bilder gegossenen „Substanzlosigkeit aller Phänomene“, die erreicht wird durch Kumulation belangloser Artikel und eine Agglomeration an informativen Nichtigkeiten, die zu einer Null-Information verdichtet sind, durch die der Lesende, über ein Hochplateau der Unergiebigkeit gleitend, gleich dem Betrachter der geweißten Wand, einen Zustand erreicht, dem es an jeglicher geistiger Schwere gebricht. Dies aber ist das Eingangstor zu jenem inneren Vakuum, das als Voraussetzung für das „Nicht-Selbst“ gilt.
Wer sich also dieser „Stadtzeitung“ in richtiger Weise nähert, wird gleichsam einen Schatz heben können, dessen Wert im Erschließen jenes Zustandes liegt, den uns das Shunyata verspricht.
Und dann, dann bleibt nur noch jener Zen-Weisheit zu folgen, die da lautet:
Wähle einen schönen Platz in der Stille,
setze dich hin und sei ruhig.
Wenn du willst, dann weine.

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geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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2 Kommentare

  1. Offener Brief
    An den Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen,
    Herrn Frank Baranowski
    45875 Gelsenkirchen

    „Die Stadtzeitung“ (aktuell: Ausgabe 2/2016)

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!
    Ich schreibe endlich diese längst fällige Kritik als „Offenen Brief“, denn inzwischen habe ich mehr als eine Ahnung davon bekommen, dass ich mit meiner Kritik nicht alleine bin. Es gibt neben der schweigenden Masse mehr und mehr nachdenkliche Stimmen, die sich kritische Gedanken machen zu dieser „Stadtzeitung“. Warum sollte man Kritik an der Stadtzeitung generell üben? Diese „Stadtzeitung“, ein kommunales Werbeblättchen, eine besonders teuer Ausgabe eines Käseblättchen ist eigentlich eine Zumutung. Und dann kommt obendrein die Erfahrung, Kritik an Kommunalpolitik bzw. -Verwaltung zu üben, wird in aller Regel ab- ja weg gebügelt. Ich kritisiere trotzdem, weil es der kommunalen Demokratie nur helfen kann – hoffentlich.

    Dieses „Zeitungs-Etwas“, was dick (Papierstärke), frei Haus geliefert sich im Briefkasten sperrig breit macht, weil alles auch noch in einer Art „Blindenschrift“ (wie eine Seniorenschrift) „großspurig“ über Nichtssagendes berichtet, denn vorab hat nicht nur die WAZ, der Stadtspiegel sondern sogar in dieser und jener städtischen Veröffentlichung schon längst berichtet, ist mehr als eine Beleidigung der SteuerzahlerInnen. Da muss unsereins öffentlich fragen: Was soll das?
    Wer ist für dieses Käseblatt verantwortlich, wer hat dieses Zeitungs-Nichts zu verantworten?
    Wer will diese „Stadtzeitung“ eigentlich überhaupt haben/Wer liest so etwas (noch)?? (Vielleicht wäre eine Befragung der BürgerInnen hilfreich)

    Ich frage mich allen ernstes: Liest so etwas der Chef von Verwaltung & Politik mit gewissem Interesse – oder legt er, der Oberbürgermeister, dass eher schnell mit wenig(er) Beachtung gleich in die Ablage? Schwamm drüber…?

    Wie lesen und kritisieren die Stadtverordneten oder auch die Kämmerin das stadteigene Produkt, die doch alle mitverantwortlich sind für den Haushalt?

    Mit welchem Argument/mit welcher Überzeugung/ mit welcher Philosophie wird diese „Stadtzeitung“ eigentlich vom wem verantwortet, wenn ich behaupte, hier wird Geld zum Fenster rausgeworfen? Mir scheint, als wenn die Kommune weiterhin erhebliche Probleme hat, sich nach außen & innen gut „verkaufen“ zu können?
    Glaubt wer, dass dieses Blättchen überregional irgendeinen Eindruck macht – außer äußerst schal zu sein in Bild, Wort & Information?

    Der Tatsache, dass auch in GE nur noch ein Zeitungsmonopolist Meinungsmache betreibt, hätte da nicht eine kommunale Stadtzeitung die Aufgabe, Hintergründe für diese & jene polit. Entscheidung von Rat & Verwaltung zu verdeutlichen?

    Eine „Stadtzeitung“ kann man viel viel besser machen: siehe beispielsweise (die „stadteigene“)„Kulturtipps in Gelsenkirchen“ oder auch ISSO: und beide Monat für Monat!!

    Ich bin gespannt auf eine Reaktion!

    Mit freundlichen Grüßen

    Paul Baumann

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