Was ist eigentlich der Unterschied zwischen…..

…..der Lokalausgabe der WAZ und überregionalen Zeitungen und  Fernsehsendern wie ARD und ZDF?

Die Antwort ist relativ einfach und kann anhand der heutigen Ausgabe der WAZ deutlich belegt werden: die WAZ Lokalredaktion belästigt uns nicht mit den in den letzten Tagen so stark in Mode gekommenen Spekulationen über mögliche „islamistische“, „terroristische“, „IS-inspirierte“, „pathologische“ oder „post-traumatische“ Hintergründe von Gewalttaten.

Sie schildert eben einfach – so auf der heutigen S. 1 –dass ein „Trio“ und ein „Quartett“ in der Nacht zum Sonntag vor der Station der Bundespolizei am Hauptbahnhof in einer Schlägerei unter Verwendung abgebrochener Flaschenhälse aufeinander losgegangen sind. Wer jetzt aber glaubt, es habe sich hier um Platzstreitigkeiten von zwei Musikantengruppen gehandelt, wird immerhin darüber aufgeklärt, dass es sich bei dem „Quartett“ nicht um philharmonische Streicher, sondern um Somalier handelte, und dass das „Trio“ sich nicht durch originelle Musikinstrumente auszeichnete, sondern dass es sich um „hellhäutigere“ (nicht hellhäutige!) „Männer“ handelte.

Bei dem zweiten geschilderten Vorfall stehen neunzehnjährige  „Zwillinge“ im Mittelpunkt. Der eine Zwilling hatte in einem Bogestra-Bus eine Auseinandersetzung mit einem 43jährigen und wurde wegen seines aggressiven Auftretens von der Polizei in Gewahrsam genommen. Sein Zwillingsbruder  fordert später lautstark in der Polizeiwache die Herausgabe des Eingebuchteten. Als die Polizei dieser Bitte nicht nachkam, entfernte er sich zunächst, kehrte später aber mit Benzin in einem Kanister zurück und setzte den Zaun der Polizeiwache-Süd damit in Brand.

Beide Vorfälle haben etwas Beruhigendes. Nicht nur deshalb, weil kein Dritter zu Schaden gekommen ist, sondern weil wir hier nicht animiert werden, uns großartig darüber Gedanken zu machen, ob der „Terror“ jetzt auch Gelsenkirchen erreicht hat. Die WAZ macht gar nicht erst den Versuch uns dahin gehend zu beruhigen und uns verschwitzte und verschwiemelte Hinweise darauf zu geben, dass wir jetzt aber – bitte schön!- weder alle „Dunkelhäutigen“ noch alle „Hellhäutigeren“ unter Generalverdacht stellen sollen – was wir natürlich ansonsten sofort und gerne tun! So bekommen die beiden Vorfälle etwas „Alltägliches“, das wir eher locker nehmen können und bei dem wir überhaupt keinen Bogen zu spannen brauchen zu der Fragestellung, ob hier nicht etwas generell in Schieflage gekommen ist, ob dies nicht Zerfallserscheinungen sind, die nichts anderes zum Ausdruck bringen als die Überforderung unserer (Stadt-) Gesellschaft und ihrer Integrationskraft.

Nein – hier gilt es, die Perspektive zu wechseln und uns daran zu gewöhnen, dass Auseinandersetzungen mit Flaschenhälsen und Benzinattacken auf Polizeistationen ein Ausdruck anderer kultureller Verhaltensnormen sind. Und solange kein „islamistischer Hintergrund“ aufleuchtet, können wir uns beruhigt den wirklich wichtigen Dingen zuwenden.

Etwa der Tatsache, dass die Ausstrahlung der  „Lindenstraße“ am Sonntag wegen der „Tour de France“ nicht nur verschoben worden, sondern gänzlich ausgefallen ist. Dass sich darüber Leute empören, ist doch nachvollziehbar, oder?

 

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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Ein Kommentar

  1. Im ersten Moment dachte ich spontan an eine Selbstverbrennung als Protestaktion aus Bruderliebe. Aber zum Glück ist in GE alles beim alten geblieben – man war nur betrunken und wollte seine archaische Rechtsauffassung durchsetzen.
    Puhh… das beruhigt.

    presseportal blaulicht

    Führende Kriminologen wie Herr Pfeiffer sagen ja, dass das das Leben in Deutschland noch nie so sicher war, wie zur Zeit. Die Ausreisser in GE sind einfach Ausreisser. Die Verstärkung mit neuen Hundertschaften Grundlos? Die Wettkämpfe der Polizei mit den Paralleljustizlern rund um den Bahnhof nur Lockerungsübungen?
    Schaun wir mal, wie es weiter geht.
    Die Beschwichtiger und die Dramatisierer liegen im Selbstbeschäftigungs-Clinch, eine Debatte der Stadtgesellschaft über Lösungen kommt nicht in Gang. Ein Beispiel dafür ist sicher das Zeit Dossier über Gelsenkirchen vom 21.07.16 – ich finde in den sozialen Medien keine nennenswerten Reaktionen darauf.

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