Zahlenmystik im Bundestag: Die sieben Stufen der Spülbarkeit

Stufenmodelle gibt es in unterschiedlichen Wissenschafts- und Lebensbereichen, in der Ökonomie, in der Entwicklungspsychologie, in der Soziologie usw.

Beliebt sind Stufenmodelle auch im Bereich des Glaubens, der Religion, der Mystik. So soll es ja neun Pforten auf dem Weg zur Hölle geben (man denke an den Film „Die neun Pforten“), Dante bringt es in seiner Göttlichen Komödie auf neun Höllenkreise. Es gibt die acht Stufen  des Raja Yoga und die acht Stufen des Verdienstordens der Bundesrepublik – von der Verdienstmedaille (unterste Stufe) bis zur höchsten Stufe, der Sonderstufe des Großkreuzes (nicht verwechseln mit dem Fußballspieler, der schreibt sich anders). Es gibt die sieben Stufen von Alzheimer und die sieben Brücken, über die man gehen muss.

Und es gibt die sieben Stufen der Spülbarkeit. Diese Erkenntnis, die ich bisher noch nicht hatte, verdanke ich  der Antwort der Bundesregierung auf die „Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Menz, Ralph Lenkert, Caren Lay, Eva Bulling-Schröter und der Fraktion DIE LINKE“ (Drucksache 18/10588 vom 22.12.2016/Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode) zum Thema „Entsorgung von Feuchttüchern über die Toilette“.

In der „Kleinen Anfrage“ geht es um die Umweltschädlichkeit von Feuchttüchern, die durch die Toilette entsorgt werden (Verstopfung von Pumpen, Rohren, Rechenanlagen(!!) und kompletten Kläranlagen). In diesem Zusammenhang weisen die Fragesteller auf die „sieben Stufen der Spülbarkeit“ hin, ein von der Industrie entwickeltes Prüfverfahren (Zersetzung der Tücher im Wasser).

Die Fragesteller fragen u. a. nach dem volkswirtschaftlichen Schaden, der durch unsachgemäß über die Toiletten entsorgten Feuchttücher entsteht, sie fragen nach den Kosten für die Reparatur von Schäden durch Feuchttücher und nach der Steigerung der Abwasserentsorgungskosten durch Feuchttücher.  Die Antwort der Bundesregierung zu diesen drei Fragekomplexen, die zusammen gefasst werden, lautet wie folgt (wörtliches Zitat ohne Auslassungen oder Ergänzungen!):

„Zu den bundesweiten Kosten oder den durchschnittlichen Kostensteigerungen die bei der Abwasserbeseitigung entstehen können, wenn Feuchttücher über die Toilette entsorgt werden, liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Daher können auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen nicht geschätzt werden.

Im Rahmen des derzeit laufenden Verbundforschungsprojekts KURAS (Konzept für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme, Förderkennzeichen 033W013C), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme  ´Intelligente und multifunktionelle Infrastrukturen für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung´ (INIS) des Förderschwerpunktes ´Nachhaltiges Wassermanagement´ (NaWam) werden auch Instandhaltungskosten für die Beseitigung von Verstopfungen von Pumpwerken am Beispiel Berlin untersucht. Belastbare Ergebnisse liegen noch nicht vor.“

Noch Fragen?

Und: BITTE GRÜNDLICH NACHSPÜLEN!

hier zu einem Filmbeitrag:

 

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv
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