Hilfe, man agitiert mich!

Nein, es geht dabei nicht um Politik, jedenfalls nicht im landläufigen oder engeren Sinne. Nein, niemand versucht, mir im direkten Gespräch Begeisterung für die Euro-Pläne von Herrn Macron einzutrichtern, also für Pläne, die darauf hinauslaufen, den deutschen Steuerzahler finanziell für die Schulden anderer Länder noch mehr in Haftung zu nehmen als bisher schon. Nein, niemand will Begeisterung in mir wecken für das „Umsiedlungsprogramm“ der UNO, das für Deutschland ein Kontingent von 10 000 Flüchtlingen, von einer UNO-Kommission „handverlesen“, vorsieht (so als litte Deutschland unter einem Mangel an Flüchtlingen).

Nein, viel schlimmer – weil viel profaner! Ich werde von Teilen meiner Familie agitiert. Wobei ich zugestehen muss, dass ich auch einen Teil Mitschuld daran trage.

Ich habe, das sei zunächst ´mal mitgeteilt, kein Smartphone und bin übrigens bis jetzt auch ganz gut ohne ein solches durch die letzten Jahre gekommen. Ich gehöre also nicht zu der Spezies, die, kaum dass sie nach einem Schalke-Spiel die Arena verlassen hat, im Smartphone nachliest, was man denn soeben live gesehen hat, sich also offensichtlich davon überzeugen will, tatsächlich beim Fußballspiel als Zuschauer gewesen zu sein. Ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die – gesenkten Hauptes – am Straßen- und Fußgängerverkehr teilnehmen und Radfahrer wie mich dazu nötigen, für sie verkehrstechnisch mitzudenken, wenn sie den Fahrradweg oder den Übergang kreuzen.

Was ich habe, ist ein schon ziemlich altes Nokia-Klapp-Handy. So ein Klapp-Handy von der Art, wie es Adele ganz zu Beginn ihres Videos zu „Hello“ in der Hand hält. Mir reicht dieses kleine schwarze Wunderding zum gelegentlichen Telefonieren (SMS schreibe ich so gut wie nie, denn das ist eine Tortur für mich), und zumeist liegt das Nokia unbeachtet auf meinem Schreibtisch herum. Dieses alte Telefon, dieses sehr alte Telefon lässt mich nun aber merken, dass es schon etwas betagter ist. Der Akku wird schwächer und schwächer. Selbst wenn es unbenutzt, aber eingeschaltet nur irgendwo herumlungert, will es in immer kürzeren Abständen geladen werden. Ich verstehe das, denn ich werde mit zunehmendem Alter auch kurzatmiger. Insofern passt es durchaus immer noch oder auch erst recht zu mir.

Nun zu meiner Mitschuld, was die Agitation angeht. Ich habe (heute am Frühstückstisch) den Fehler gemacht, eine unbedachte Äußerung zu tun, nämlich: „Der Akku von meinem Nokia wird immer schneller leer.“

Und zack: Agitation und Propaganda von Frau und einem Sohn brachen über mich herein. „Du hast doch bald Geburtstag, dann können wir dir doch ein Smartphone schenken, so eins für Senioren.“ (Ich will aber keine Geschenke, und schon mal gar nicht so ein Smartphone) „Du kannst dann doch über W-Lan ins Internet gehen!“ (Will ich nicht, da setze ich mich lieber an den Rechner) „Das alte Ding ist doch sowieso schon halb kaputt“ (Stimmt nicht, der Akku schwächelt halt.) „Dann kannst du doch in die  wozzäpp-Gruppen der Schule und der Familie eintreten.“ (Nein, da trete ich lieber eine Tür ein!) Undsoweiterundsofort!

Übrigens: Ich weiß nicht genau, ob das überhaupt so freundlich-fürsorglich  gemeint ist, wie es vorgeschlagen wird. Vielleicht wollen mich meine Familienagitatoren auch nur als den alten starrköpfigen Modernisierungsverweigerer entlarven, der ich bin. Vielleicht steckt aber auch ein ganz fieser Plan dahinter, der etwa so aussehen könnte:

Wenn sie mich grundsätzlich weichgeklopft haben, dann steht ja eine Anschaffung auf der Tagesordnung. Und da gilt: für den Papa nur das Feinste, also irgend so ein Gerät von der Firma mit dem angebissenen Apfel, das Ganze natürlich über Kredit finanziert. Da man aber weiß, dass ich es keine zwei Tage mit dem Gerät aushalten und dann mein Nokia reaktivieren würde, könnte eine Kettenreaktion erfolgen:

Mein topaktuelles High-End-Smartphone geht an die Gattin, deren Gerät dann an den älteren Sohn und dessen Apfel-Handy geht weiter an den jüngeren Sohn, das Brüderchen, das nach den Sommerferien auf die weiterführende Schule kommt und deshalb sowieso ein Smartphone bekommen soll – natürlich aus Sicherheitsgründen, weil der Bub, der Arme, ja mit der Straßenbahn allein zur Schule fährt.

So ist es also: Diese ganze Agitation ist nichts anderes als faule Propaganda selbstsüchtiger Familienmitglieder, die Eigennutz unter dem Mäntelchen der Fürsorge betreiben! Wartet nur!

Dieses Komplott werde ich zu vereiteln wissen! Morgen gehe ich in die Innenstadt in so einen Telefon-Billigladen, und dort kaufe ich den Nachfolger meines Nokia.

Am besten auch ein Klapp-Gerät!

Mit dem man nur telefonieren kann!

Und sonst nichts!

 

 

Link zu Adele, Hello: https://www.youtube.com/watch?v=YQHsXMglC9A

 

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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