Geschwurbel – aber politisch korrekt

Was ist eigentlich ein Passant? Wenn wir im DUDEN nachschlagen, bekommen wir zwei „Definitionen“ des Wortes angeboten:

  1. (vorbeigehender) Fußgänger
  2. (schweizerisch, selten) Durchreisender.

Die Schweizer Variante können wir hier vernachlässigen, geht es doch um einen Vorfall in Berlin-Neukölln während einer Veranstaltung gegen Antisemitismus, die abgebrochen werden musste, weil – wie es in der WAZ von heute (Seite 1.) lautet – „Teilnehmer von Passanten attackiert wurden“.

Klingt doch irgendwie komisch, oder? Unter Passanten stelle ich mir, wie der Duden ausführt, Fußgänger vor, die in diesem Fall an einem Geschehen, also einer Kundgebung, vorbeischlendern, vielleicht mit Einkaufstüten in der Hand oder in Neukölln beim window-shopping unterwegs. Und plötzlich – und auch völlig unerklärlich –  unterbrechen diese Fußgänger ihre vorbeigehende Tätigkeit und greifen Teilnehmer einer Veranstaltung an.

Was hier so rätselhaft klingt, lässt sich einige Seiten weiter in einem Beitrag der Zeitung etwas genauer entschlüsseln. Die zwei angegriffenen Teilnehmer der Kundgebung führten eine  israelische Fahne mit sich und trugen eine Kippa. Die Attacke, die in der Meldung auf S.1 so seltsam inhaltsleer geschildert wird, entpuppt sich – fünf Seiten später – als der Angriff einer „Gruppe junger Männer, dem Augenschein nach arabischer Herkunft“ auf die zwei Kundgebungsteilnehmer, denen mit Gewalt die Fahne entrissen wird.

Was den Augenschein angeht, so weiß die WAZ dann auf S. 6 noch zu vermelden, dass in dem erwähnten Stadtteil, genauer: am Hermannsplatz, wo sich die Attacke ereignete, „viele arabischstämmige Menschen“ leben. Und die WAZ  serviert uns sogar ein Foto von dem Vorfall, ein Foto, auf dem ein Mann – ganz, ganz, ganz augenscheinlich nicht-deutscher Herkunft und auch nicht mit Springerstiefeln und Nazi-Glatze ausgestattet, eine Israel-Fahne an sich reißt.

Offen bleibt natürlich, ob es sich bei der Attacke einer „Gruppe junger Männer, dem Augenschein nach arabischer Herkunft“ um einen gezielten antisemitischen Akt  oder eine spontane Frustaktion junger Männer handelte, die  als Passanten, also schlendernde Fußgänger, auf diese Weise vielleicht ihren Protest gegen das  mangelnde Warenangebot in den umliegenden handy-shops oder ihren Protest gegen ihre  generelle Benachteiligung in der Bundesrepublik zum Ausdruck bringen wollten.

Was die WAZ hier  halbherzig und dadurch letzten Endes auf der Ebene des Faktischen mit (Achtung, Wortspiel!) Hang zur Verschleierung wiedergibt, ist dem Versuch geschuldet, der aktuellen Richtlinie 12.1  des Deutschen Presserates zur „Berichterstattung über Straftaten“ gerecht zu werden. Darin heißt es:

 „In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

So werden dann eben – man will ja schließlich Minderheiten vor Vorurteilen schützen – aus ganz offensichtlich gewaltbereiten arabischstämmigen jungen Männern mit deutlichem Hang zu einem aggressiven Antisemitismus, die gezielt als Gruppe zwei friedlich demonstrierende Teilnehmer einer Kundgebung massiv angreifen, „vorübergehende Fußgänger“, Passanten eben.

Die WAZ maßt sich also in ihrer Meldung auf S.1 an zu entscheiden, dass in diesem Fall der Verweis auf die Herkunft der jungen Männer nicht von „öffentlichem Interesse“ ist. Warum nicht?

Weil es nicht opportun ist, dass deutlich wird, dass wir neben dem  Antisemitismus verknöcherter Alt-Nazis und dummer Jung- oder Neonazis eine Form des muslimischen Antisemitismus haben, die offensichtlich immer mehr Platz greift, weil der Antisemitismus zur DNA des Islam gehört? Und weil das abermals einen Schatten auf bestimmte Folgen der sog. „Flüchtlingspolitik“ wirft?

Man serviert uns Geschwurbel – aber politisch korrektes Geschwurbel! Und letztlich wird der Leser der Nachricht entmündigt und zugleich für dumm verkauft!

Kein Wunder also, wenn Abonnentenzahlen schrumpfen, denn wer lässt sich schone gerne für dumm verkaufen und bezahlt auch noch dafür!

 

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

Ein Gedanke zu „Geschwurbel – aber politisch korrekt

  • Heinz Niski
    26. April 2018 um 10:11
    Permalink

    Die WAZ hält sich selber nicht an die Richtlinien des Presserates und schürt Vorurteile gegen südosteuropäische Minderheiten, siehe diesen Beitrag:
    https://www.waz.de/region/rhein-und-ruhr/grossrazzia-tausende-sollen-sozialleistungen-erschlichen-haben-id214125041.html
    Statt (Zitat):

    In den Fokus geraten sind dabei vor allem Zugezogene aus Südosteuropa, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien. So sollen im Januar 2374 Rumänen und 3754 Bulgaren trotz einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit ergänzende Leistungen erhalten haben. Hinzu gerechnet werden außerdem noch knapp 7000 Minijobber aus selbigen Ländern, die auch staatliche Unterstützung erhalten.

    – Zitat Ende

    müsste es im Sinne der völkerverständigen Berichterstattung allenfalls heißen, dass einige wenige, keinesfalls aber viele oder ein hoher Anteil an neuen Mitbürgern, …… Zahlen zu nennen, ohne dass man eine Relation hat, lässt den Leser uninformiert. Haben wir nun 13 000 Betrüger von wieviel zugezogenen? 13 000? 30 000? Ratlos…
    Und darf man über 13 000 Verdachtsfälle eigentlich berichten? Vielleicht sind es am Ende nur 3 tatsächliche Fälle und 12 997 Unschuldige müssen sich nun mit Vorurteilen plagen?

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