Die Natur – Der Mensch – Die Stadt – Der Tod? Hraven Tersgelunds Morphogenese im Skulpturenpark Herman Priganns

Hraven Tersgelund vor seinem Werk im Skulpturenwald Rheinelbe
Hraven Tersgelund vor seinem Werk im Skulpturenwald Rheinelbe

Erneut hat sich der andorranische Künstler Hraven Tersgelund einem Gelsenkirchener „Point of Interest“ an der Schnittstelle zwischen Industrie und Natur genähert (HerrKules berichtete) und diesmal auf dem ehemaligen „Unort“ Rheinelbe Akzente gesetzt.

Die Erinerungsidentitäten von Herman Priganns Landschaftskunst Skulpturenpark Rheinelbe, erweiterte er vor einigen Tagen durch Setzungen der Zitate archaischer Venusfigurinen (Venus von Willendorf) in Verbindung mit dem im kollektiven Gedächtnis verankerten, Norm setzenden und dadurch pop-art(igen) Frauen- und Kunstschönheitsideals Nofrete. Während der Betrachter die erdrückende Schwere der Industrie-Betonquader beim Durchschreiten der Prigannschen Tore auf sich wirken lassen kann, wird dieser Eindruck konterkariert (oder aber auch verstärkt?) durch die luzide türkise Gestalt über ihm, die so gar nichts von einem Bergmann hat, eingeklemmt zwischen zwei Quadern, entspannt,  Atlas gleich, dort die Last und Wucht vergangener Perioden trägt.

Natur und Tod, die Meme der Vortransformation des Ortes, werden spielerisch inszeniert und integriert durch den baumkletternden Azureus, (Pfeilgiftfrosch) ein mexikanisches Dia des los Muertos Zuckergebäck-Skelett und eine bemoost scheinende „Quietscheente“. Dies natürlich als humorvolles Statement an die überdimensionale, gleichsam doppeldeutig aufgeblasene Badeente Florentijn Hofmans im Hafen von Sydney oder die Riesenvogelallee vor der Zeche Zollverein. Hier ist die Skulptur kaum sichtbar, fast nur zu ahnen, wenn man mit dem bloßen Auge Betrachter ist.

Der fulminante Spannungsbogen mit sowohl heiteren, wie auch provokanten Statements lädt ein zu Spaziergängen zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten.

Raus aus den Wohnungen, Autos, Büros, Werkhallen und rein in den Rheinelbe Skulpturenwald.

Ein ausführliches Interview mit dem Künstler folgt.

 

 

 


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Ein Kommentar

  1. In diesen Tagen wird ja allerorten das Ende des Bergbaus zum Anlass für Theaterstücke, Musikwerke, Ausstellungen, Vorträge, Erinnerungsmelancholie und Gedenkgottesdienste genommen. Das hat fast alles eine Schwere, so als wolle Kunst uns die Steinstaublungen der Bergleute in artifizieller Form nachempfinden lassen.
    Da kommen die Werke eines „Fremden“, der vielleicht deshalb die nötige Distanz hat, zur rechten Zeit, um Atemnot zu verhindern. Geradezu leichtfüßig wird den schweren (im eigentlichen und übertragenen Sinn) Werken Priganns, die mit monumentaler Wucht und manchmal nahezu mit gewalttätiger und gewaltiger Rohheit in die Landschaft aufragen, ein spielerisches Element an die Seite gestellt. Ein Kontext wird aufgemacht, der uns zeigt, dass wir vor den Monumenten einer untergangenen Welt stehen, die aber selbst nur Glied einer Kette von untergegangenen Welten ist – so gesehen, ist ,etwa über Nofretete, der Sprung vom untergegangenen alten Ägypten zum untergegangenen Bergbau nur ein kurzer- und vor allem aber ein kurzweiliger.
    Die Gelsenkirchener Kunstszene, soweit man davon überhaupt sprechen kann, wird dieses kleine Kunstwunder geflissentlich ignorieren und verschämt verschweigen. Deshalb ist es zu loben, dass der Herr Kules diesem Künstler und seiner Kunst Raum und Stimme gibt.
    Hingehen-Anschauen-Staunen!

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