Willkommen im GAGA-Land oder Frau J. dreht inkonsequent am Gender-Rad

Wer gerne ins GAGA-Land reisen möchte, der tut das am besten, indem er die Pforte zur Propsteikirche St. Augustinus frohgemut durchschreitet. In dem schönen Sakralbau  liegt nämlich ein Stück herzerfrischender Erbauungsliteratur aus – in Gestalt eines „Newsletters“ der Propsteipfarrei vom 28.2.21. Schon der Slogan des „Newsletters“, dessen Name einstmals wohl „Gemeindebrief“ lautete, erfreut das Herz des nach dem Absonderlichen und  dem Skurrilen,   kurz nach dem Gaga-Land- Suchenden. Der Slogan in den Kopfzeilen des Letters: „Seit über 1000 Jahren traditionsreich und doch immer modern“. Dieser Slogan ist sexy, der fixt einen gleich an, der ist vor allem originell! Traditionsreich und modern: Das ist der alte Küchenherd mit Fliesenspiegel und Schamottsteinen aus der Zeit, als Urgroßmutter noch den Kochlöffel schwang, mitten in der High-End-Küche mit smarter Steuerung und einem Backofen mit  Steam, Pro-Multidampfgarer und SousVide, Touch-Bedienung und Dampfreinigung.

Was soll uns in diesem „Letter-Slogan“ von St. Augustinus aber der Begriff  Tradition nun wirklich sagen? Dass Frauen in der katholischen Kirche immer noch nicht Papst bzw. Päpstin werden können oder Pfarrerin oder Bischöfin? Oder geht es hier um die Tradition des Zölibats? Oder der des Missbrauchs und seines Verschweigens – der Kölner Bischof lässt grüßen? Nein, es sind natürlich die 1000 Jahre! Gemeint ist, dass vor etwa 1000 Jahren, übrigens an der Stelle, an der heute die Evangelische Altstadtkirche in Gelsenkirchen steht, bereits die ersten Versammlungen im Geiste Christi stattfanden, so jedenfalls die Webseite von St. Augustinus.

Das Moderne erklärt sich durch den Artikel, den Pastoralreferentin Astrid J. für den „Newsletter“ verfasst hat. Der Beitrag schlägt einen Bogen von Corona über Jesus bis zu den Veränderungen, die mit ihm verbunden sind und die in einer Hoffnungsperspektive münden, nämlich dem Glauben daran, dass mit Jesus  „(…)  nicht einmal der Tod das Ende ist“. Der Beitrag, und da wird er ganz „modern“,  schreibt auch die biblische Geschichte um und fort – jedenfalls  die, die uns in den Evangelien geschildert wird. Von Corona und der Pandemie mit ihren Schrecken ausgehend, meint die Pastoralreferentin uns nämlich mitteilen zu müssen: „In einer ähnlichen Situation  stehen die  Jünger:innen Jesu.“ Gemeint ist, dass die Jünger:innen „(…) zum ersten Mal vom bevorstehenden Leiden Jesu gehört“ haben.


Jetzt wird einiges klar: Ich hatte schon immer so ein mulmiges Gefühl, wenn ich in der Bibel gelesen habe, was ich bis zu meiner Konfirmation regelmäßig getan habe: Ein junger Mann in den besten Jahren, der super Tricks drauf hat, der heilen kann, der eine Rednerbegabung sondergleichen sein Eigen nennen kann – und nur Männer in seinem Tross? Von seiner Mutter und Maria Magdalena einmal abgesehen! Jetzt mal ehrlich: wenn ich, als ich 33 war, so drauf gewesen wäre wie Jesus, quasi ein Super-Star, wäre ich mit 12 Jüngerinnen herumgezogen, mindestens 12! Und nicht nur mit einer Truppe von Fischern, Zöllnern und halbgaren Revolutionären. Nur als Roadies hätte ich zwei oder drei Kerle mitgenommen, nämlich um die Bühne und die Verstärkeranlage aufzubauen!

Was den Artikel aber leider  gaga macht und mich enttäuscht, ist die Inkonsequenz der Referentin. Sie traut sich nicht, die Nummer mit den Jünger:innen wirklich durchzuziehen. Kaum ist meine Begeisterung entflammt, tritt Astrid J. sie auch schon wieder aus. Denn nur wenige Zeilen später berichtet sie davon, dass Jesus sich „mit drei Jüngern“ auf einen Berg begibt. Da hat er dann wieder keine von seinen Jünger:innen mitgenommen, sondern nur drei seiner „best buddies“? Die Jünger:innen mussten unten am Berg warten? Warum? Und am Ende des Beitrags, als Jesus und die drei Jünger von ihrer Bergbesteigung zur Gruppe der Wartenden zurückgekehrt sind, sind die (…) :innen offensichtlich überhaupt nicht mehr anwesend. Da heißt es nämlich lapidar: „Ich glaube, die Jünger sind nicht mehr dieselben.“ Hat sich hier eine Metamorphose vollzogen? Wurden aus Jünger:innen doch wieder „nur“ Jünger, die aber natürlich andere sind, weil sie vorher schon andere waren?

Das versteht doch kein Mensch – dieses hin und her! Es sei denn, es geht in der Bibel und in dem Beitrag von Astrid J. bereits darum, genderfluiden Personen Raum zu geben, schon vor rund zweitausend Jahren klar zu machen, dass es mehr als zwei Geschlechtsidentitäten gibt, sondern auch genderfluide Menschen. Was genderfluide Menschen sind?

„ Bei genderfluiden Personen ändert sich die Geschlechtsidentität über einen Zeitraum oder auf bestimmte Situationen bezogen. Das Geschlecht kann zwischen allen möglichen Geschlechtern wechseln, z.B. von männlich zu weiblich, aber auch von weiblich zu nonbinary, von nonbinary zu agender, etc.  Im Unterschied zu einer genderqueeren Identität ändert sich die Identität und ist nicht unbedingt zu jedem Zeitpunkt außerhalb der Geschlechterbinarität zu verorten.“

(https://queer-lexikon.net/2017/06/15/genderfluid/)

Jetzt nehme ich das mit dem GAGA-Land aber zurück!

Die Jünger, von denen die Evangelien sprechen, waren eben einfach genderfluid. Mal Jünger, mal Jünger:in. Mal ganz jung, mal nur Junge, denn da ist sowohl „der Junge“ als auch „die Junge“ möglich!

Verdammt juchhe! Jetzt weiß ich auch, was das Wort „modern“ im Slogan von St. Augustinus wirklich bedeutet, nämlich dass die Pfarrei, gesellschaftlich gesehen, ganz weit vorne ist- fluid halt!

 

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2 comments

Heinz NiskiHeinz Niski says:

Mann man Mann man Mano….. ich vermute da weniger fluide Jungs bei der Astrid, als durch Weihrauch stimulierte luzide Klarträume. Da kann man und Innen etwas gegen tun. So ein Biohack (gemeint ist der Klartraum, nicht die Gestaltwandlung) lief früher unter „Offenbarung“ – kann gut sein, dass Astrid bald auf die Liste der anrufungswürdigen Schutzheiliginnen gegen anthropomorphe Geschlechtswidergängerinnen kommt. Vielleicht kommt das aber auch alles nur durch die vielen Hormone aus den Lebensmittelverpackungen.

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An.Rollf. says:

😂, bin auch schon ganz gaga……..

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