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Reisen bildet!

Eine der sehr seltenen Stellen mit Vandalismus Graffiti (links unten)

Aus familiären Gründen stand vor einigen Tagen ein Besuch in Antwerpen an. Ich kaufte mir also ein paar CO2 Zertifikate, um meinen ökologischen Fußabdruck anzupassen, ich fuhr zu diesem Zwecke ja mit drei anderen Personen eine Tankladung E10 Benzin leer. Dieses Zeug, das dort angebaut wird, wo früher Wälder standen oder Nahrungsmittel wuchsen.

Meine Begleiter mussten die Kernthesen der Dekolonisierungsbewegung auswendig lernen, immerhin fußt der Reichtum der Stadt auf der Ausplünderung des Kongos und auf dem Handel mit Blutdiamanten. Weshalb ich mir natürlich auch einen Passierschein der Boycott,
Divestment, Sanctions (BDS) Bewegung besorgt habe. Sicher ist sicher, diese „Kauft nicht beim Juden“ Bewegung könnte ja Straßensperren vor dem Diamantenviertel errichtet haben.

so kann auch eine hässliche Rückfront zum Träumen anregen

Angekommen mussten wir zunächst einige Schreckminuten lang lernen, dass die Radler dort zwar in Ausgehgarderobe fahren, aber keineswegs zögern, dich mit ihren Lastkähnen Krankenhausreif zu schreddern. Die Radwege sind nicht immer vom Bürgersteig zu unterscheiden, was aber so viel nicht macht, da der Bürgersteig mehrheitlich den E-Scootern gehört. Man muss sich irgendwie durchschlängeln.

Diese Stadt hat doppelt so viele Bewohner wie Gelsenkirchen, dafür sind die Gelsenkirchener rund 50fach unfreundlicher, rempeliger, lauter, vermüllender, aggressiver, raumgreifender. Während Gelsen aus einem Vakuum an Benimm, ein Nichts an Atmosphäre schafft, seinen tristen, grauen Einheitsbrei als bunten Haufen verkauft, ist die Stadt an der Schelde tatsächlich vielfältig, farbenfroh, bunt, lebendig, fröhlich, divers, freundlich und verbindet Tradition und Moderne. Die Stadt strahlt Zuversicht aus, man kennt und benutzt Wörter wie „Danke“, „Bitte“, „Entschuldigung“, die Menschen schauen sich an, lächeln, fragt man nach dem Weg, wird der nicht nur erklärt, sondern man bekommt ein „you are welcome“ mitgegeben.

Nun bin ich ja den Anblick bunter Körpertapeten gewohnt, Metall in Nasen, Ohren, Lippen reizen mich schon lange nicht mehr, daran zu ziehen, unter T-Shirts hervorlugende Bäuche, aus Leggins quellendes Formfleisch ist state of the art.

Immer wieder neu für mich in Antwerpen sind allerdings die orthodox gekleideten Juden, vor allem wenn Mama, Papa, Kinder zusammen auftauchen und ein Hauch von Amisch in Schwarz, mit lustigen Strumpfhosen und coolen Hüten daran erinnert, dass wir Deutschen nach unserem Menschheitsverbrechen immer noch nicht geschafft haben, offenes jüdisches Leben mitsamt seinen befremdlichen Dresscodes zu ermöglichen. (Ja, ich weiß, dass es in Deutschland kaum orthodoxe Juden gibt)

Während in Antwerpen Schwarz & Weiß (Verbotener Begriff, klar) Moslems, Hindus, Juden, Christen, Männer, Frauen (Etc. herabsetzender Begriff, klar) respektvoll und freundschaftlich miteinander umgehen, würde ein orthodoxer Jude wohl kaum ungestört vom Musiktheater bis zur Heilig Kreuz Kirche gehen können.

Ich wünschte mir für Gelsen weniger Bunte Haufen, dafür mehr Antwerpener Weltoffenheit.

Ob das machbar wäre??????

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2 comments

Pet.Teut. says:

Genauso schick, weltoffen und tolerant könnte jeder mittelprächtige Werbetexter auch unsere Emschermetropole anpreisen. Und Beipiele gibt es…Ok, wir wissen, Herr Kules produziert viele Geistesblitze, Fake News normalerweise nicht. 😉

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Bea.Kru. says:

👍🏻

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