Die geheimen Tagebücher der K.W. (23)

Liebes Tagebuch!
Die Woche hatte doch eigentlich ganz gut angefangen. Wir konnten das Projekt ELSA vorstellen, ein bundesweites Pilotprojekt, für das Gelsenkirchen ausgewählt wurde. Mit ELSA sollen wir Probleme und Problembereiche, also etwa Kriminalität, schon früh erkennen, um entgegen zu wirken! Und dann machen wir noch einen Versuch mit Radarüberwachung von Spielplätzen. Die Zeiten ändern sich halt. Ältere Menschen erinnern sich vielleicht noch daran, dass es früher Spielplatz-Wärter gab. Diese Leute, manchmal Kriegsversehrte mit eingeschränkter Mobilität wegen einer Beinprothese, sorgten für Ruhe und Sauberkeit auf Spielplätzen. Da konnten sich halt Jugendliche nicht treffen, um Bier zu trinken oder Drogen zu konsumieren oder zu verkaufen, denn es waren ja Spielplätze für Kinder.
Aber dann crasht natürlich wieder so eine Untersuchung rein in all das Positive. Wieder ein Ranking! Wieder ganz am Ende! Das hätten wir vielleicht kommunikativ noch einfangen können – Kritik an der Methode, stärkere Betonung positiver Faktoren (wieder öffentliche Veranstaltungen in der Arena am Kanal, auf Consol, in der Schalke-Arena), aber passend dazu werden durch die Presse die Probleme mit den städtischen E-Bikes für kommunale Mitarbeitende und den städtischen Laptops für Lehrer medial in den Vordergrund gespielt. Man, diese Lehrer! Dann sollen die sich doch selber einen Laptop nur für den Schulgebrauch anschaffen, ist doch von der Steuer absetzbar!
Ärgerlich, wirklich sehr ärgerlich!
Aber was mich wirklich auf die Palme bringt, ist die Nummer mit dem S., dem neuen Dezernenten. Kaum ist der im Amt, meldet er sich auch schon ab für Elternzeit! Und dann muss man das auch noch positiv verkaufen: tolle Sache, dass auch mal ein Mann die Verantwortung für die Erziehung übernimmt. Jetzt fehlt nur noch, dass der sich vorzeitigt pensionieren lässt, weil er sich beim Wickeln ein Schultergelenk ausgekugelt hat und sich daraus, in Kombination mit der Erkenntnis, dass er aus biologischen Gründen nicht stillen kann, obwohl er sich das so sehr wünscht, eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat. Zuzutrauen ist den Männern mittlerweile fast alles!
Aber wenigstens soll das Wetter am Wochenende besser werden. Und die eine oder andere Veranstaltung werde ich auch besuchen. Die Auswahl ist groß genug!
Und es gilt:
Ego sum, qui sum!
Für den Moment aber erst einmal:
Schlaf gut, liebes Tagebuch!
Auf bald!

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10 comments

Heinz NiskiHeinz Niski says:

Ein neuer Dezernent mit dem Namen S..? Womöglich mit dem Nachnamen No…? Eventuell sogar ein Wirtschaftsdezernent?
Elternteilzeit finde ich gut. Wenn ein Dezernat ohne seinen Chef funktioniert, ist es gut „aufgestellt“ …. oder vielleicht überflüssig?

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

Das ist ja ein geheimes Tagebuch, da muss der Name wohl auch geheim bleiben. Aber interessant so eine Wirtschaftsförderei mit Eltern Plus Geld….

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So.Jo.Tien. says:

Oder ElterngeldPlus?
Elterngeld Plus macht vor allem Sinn, wenn du in Teilzeit arbeiten möchtest, da du hier den größten finanziellen Vorteil hast. Beispielrechnungen dazu findest du weiter unten.
https://www.elterngeld.de/elterngeld-plus/

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Ro.Bien. says:

Mal gespannt, in welchen Gefilden der kleine Brummer anschließend ausschwärmt… das gleiche machte übrigens der damals noch ganz neue Seniorenbeauftragte der Stadt, den bis heute kein Mensch kennt.

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

Junior oder Senior?

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Ro.Bien. says:

 der Junior wurde öffentlich bisher noch nicht abgelichtet…kommt ja vielleicht noch.

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Ro.Bien. says:

Und – kennt ihn jemand? außer uns beiden?

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So.Jo.Tien. says:

Die 1. Vorsitzende: Gudrun Wischnewski (AWO GE/BOT) des Generationennetzwerks.

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