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Jetzt helfe ich mir selbst – Reparaturanleitung für eine Stadt

Ein Klassiker der guten Gebrauchsliteratur war bzw. ist die Reihe „Jetzt helfe ich mir selbst – Reparaturanleitungen“. Die Älteren werden sich erinnern oder haben sogar noch einen Band im Regal. Die Reihe bot für die unterschiedlichen Automodelle und -typen Erläuterungen und Hilfestellungen zur Selbstreparatur des eigenen Automobils an. Selbst schrauben war die Devise, um Geld für einen teuren Werkstattaufenthalt zu sparen. In Bild und Text wurden die Arbeitsschritte, etwa zum Austausch eines Luftfilters oder der Zündkerzen, aufgeführt. Auch für Laien war das durchaus verständlich. Ob man das Gelesene in der Praxis umsetzen konnte, ist eine andere Sache.
Nun kann man eine kleine Reparaturarbeit am Auto nicht mit der Sanierung einer Stadt oder einzelner Stadtviertel vergleichen. Ein Stadtviertel zu sanieren, dass erschien mir immer leichter als eine Zündspule zu wechseln, einen Luftfilter auszutauschen oder die Bremsen instand zu setzen. Aber da habe ich mich wohl getäuscht, jedenfalls seitdem die Abteilungsleiterin „Stadterneuerung und Sanierung der Stadt Gelsenkirchen“ mir in einem WAZ-Interview klar gemacht hat, was Sanierung bedeutet. Denn dieses Vorhaben hat es wirklich in sich. Das kann man schon im Interview, das ich zur Lektüre empfehle, erkennen, auch wenn man nur auszugsweise die Begrifflichkeit (Zitate)
zur Kenntnis nimmt. Beispiele dafür (in der Reihenfolge des Auftauchens im Artikel):
Zukunftsherausforderungen, innovative Lösungsansätze , interdisziplinäre Zusammenarbeit, Kräfte des Marktes, Sonderfördergebiet der Städtebauförderung, Veränderungsmotor in Gelsenkirchen, Jahrzehnt des Stadtmachens und -gestaltens, Zukunftspartnerschaft, Definition der räumlichen Zielvorstellungen, die Vorbereitung und Durchführung der Instrumente des besonderen Städtebaurechtes (Sanierungsrecht, Gebote etc.) , Management der Fördermittel, Erhalt eines ersten Zuwendungsbescheides, strategische Vorgehensweise, Reduktion von 3000 Wohneinheiten, an den räumlichen Strategien intensiv weiterarbeiten, sukzessive, Prioritätenliste auf Quartiersebene. Hier bitten wir um Geduld, um Erfolge nicht zu gefährden. (alle zitierten Begriffe, Satzfragmente oder Sätze im WAZ-Interview).
Da wird einem schon klar: Ein Management der innovativen Prioritätenliste bei sukzessiven Fördermitteln und der Reduktion der Sonderfördergebiete kann dem Veränderungsmotor für die Zielvorstellungen auch schon mal die Kräfte der Instrumente der Durchführung interdisziplinär gefährden! Also kann man, ohne zu übertreiben, sagen:

Stadtsanierung, das ist beinahe so kompliziert wie das Anflaschen einer rechtwinkeligen Muffe an das Schraubgewinde einer Sechs-Zoll-Mutter mit abgekanteten Schrägen, um danach das Verlängerungsstück mit dem Sporn in die vorgesehene Nut zu drücken, wobei die Schraubzwinge mit dem Vierkantholz durch einen 8er-Dübel fest verflext sein muss. ***

Alles klar?

Quelle: WAZ Gelsenkirchen, Das ist ein Durchbruch für Stadtentwicklung (online)
https://www.heymann-buecher.de/shop/magazine/93034/jetzt_helfe_ich_mir_selbst_reparaturanleitungen.html
*** so oder so ähnlich in Anlehnung an den Sketch „Im Baumarkt/Die Gardinenstange“ mit Diether Krebs und Dieter Pfaff

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11 comments

Ro.Bien. says:

Alle Achtung! Ich als schreibende und im Quartier wühlende Straßenköterin habe von beiden Materien nicht den blassesten Schimmer. Mich interessiert brennend: Was hat die Leiterin gelernt?

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

sie hat Stadt- und Raumplanung studiert. Lese ich im Internet.

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Ro.Bien. says:

hatte ich nicht gefunden. Esperanto:
Hintergründe zur Entstehung
Der Esperanto-Gründer Ludwik Lejzer Zamenhof wuchs in der heute polnischen, damals zum Russischen Reich gehörenden Stadt Bjelostock auf. Auf Grund der ethnisch diversen Bevölkerung von Polen, Litauern, Deutschen und vor allem Juden, bildeten sich ghetto-artige Strukturen. Oft gab es körperliche Auseinandersetzungen und Pogrome. Schon zu seiner Schulzeit kam Zamenhof der idealistische Gedanke, dass eine neutrale Sprache notwendig sei, um Ethnozentrismus und Ghettobildung zu verhindern, und letztlich auch ein Schlüssel zum Weltfrieden wäre.[23]

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

 ja, hat sich nie durchgesetzt, war aber der Vorläufer von Gender-Sprech etc.

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Ro.Bie. says:

Wenn schon, wäre Romanes für Alle naheliegender.

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

Das waren noch Zeiten, als Erdbeben (Lissabon) kaiserliche Befehle (Paris) oder Bombenkriege den Stadtplanern ersparten, Euphemismus-Esperanto zu erlernen, um ihre Arbeit mit mysteriösen, nebulösen Wortschleiern Geheimnis umwoben dem geneigten Auftraggeber, dem Bürger, wie Kaisers neue Kleider zu präsentieren.

Manchmal helfen Erfolge, das Publikum nicht ungeduldig werden zu lassen.

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Fra.Prez. says:

 Wohl wahr. Ähnlich semantisch aufgepimpt habe ich im früherem Leben meinen Scheiß bei Präsentationen in Marketingsprech gekleidet.

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Ali-Emilia PodstawaAli-Emilia Podstawa says:

Sollte man nicht tun. Führt erst zu Gesichts- und dann zu Kundenverlust, wenn die Luft nach wenigen Nachfragen aus der Textwüste entwichen ist. Das kann auch schlagartig passieren. Dann wird es nach den Gesetzen der Physik laut. Wer ist eigentlich auf der Kundenseite gegenüber der Stadt und ihren Planenden? Vielleicht haben sie dort den Knall noch nicht gehört?

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Ro.Bie. says:

Offenbar hats genutzt und sie sich blenden lassen.

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unbekannt says:

Die Sprache der ungebundenen, polyglotten urbanen Elite.

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