Zweizeiler der Woche: Rilkes Panther in der Einkaufswagen-Waren-Welt

Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“ entstand 1902/1903 und wurde erstmals 1903 veröffentlich. Rilkes „Dinggedicht“ beschreibt einen Panther, wobei Rilke in den drei Strophen von äußeren Elementen (die Gitter des Käfigs, die Bewegung des Panthers, sein Blick) zur „inneren Verfassung“ des Tieres voranschreitet. Neben dem Titel verweist die Ortsangabe „Im Jardin des Plantes“ darauf, dass in dem Pariser botanischen Garten auch exotische Tiere zur Schau gestellt wurden, darunter wohl auch der Panther.
Das Gedicht ist der Ansatzpunkt für die Zweizeiler der Woche – Bindeglied ist die Gitter-Struktur von Einkaufswagen und ihr Bezug zu den Gittern des Panther-Käfigs.
Wir wünschen einen schönen Sonntag und eine noch schönere Woche!

Rilkes Panther (2023)

Rilkes Panther hält sich fest an seinem Einkaufswagen
Die Glieder müde vom Produkte tragen

Verwirrt ist er, sein Blick wirkt ganz entstellt,
orientierungslos ist er in bunter Warenwelt

Er denkt zurück an jenes Garten Grün
Und an Menschen, die ehrfurchtsvoll an ihm vorüberziehen

Er war gefangen, hinter tausend Eisenstreben
Und draußen, außerhalb, das war das Leben

Jenseits der Stäbe musste die Freiheit warten
Und so entfloh er jenem Käfig in dem Garten

Doch nun sieht er sich allein, auf sich gestellt
Erbarmungslos verloren in der Warenwelt

Und wieder hinter Gittern aus geflochtenem Stahl
Sein Herz denkt traurig an das „Es war einmal“

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