Wahnsinn als Methode. Die Seite mit dem ungebremsten Schaum vorm Mund (21)

Though this be madness, yet there is method in it (Shakespeare, Hamlet, II/2)

Warum ein Lied von Knödel-Herbert unbedingt verboten werden muss!

Mit nichts haben uns die Politikdarsteller nahezu aller politischen Schattierungen in den letzten Wochen so häufig belästigt wie mit ihrer – in Richtung AfD zielenden – geistigen Bettelsuppen-Erkenntnis von den Taten, die als Folge von Worten begangen werden. Mit dieser Frucht aus dem politischen Enddarm sollte die AfD in Haftung genommen werden für verbale und körperliche Angriffe auf Politiker – es sei denn, die Politiker, die Opfer einer Attacke wurden, gehörten der AfD an. Vorgetragen wurde diese „Erkenntnis“ zumeist im Brustton der tiefen Überzeugung davon, man präsentiere uns sensationelle Neuigkeiten, dabei ist der schlichte und politisch durchschaubare Gedankengang abgestanden und wird lediglich zweit- oder drittverwertet. Schon 2020 konnten wir lesen: „Immer wieder wird der AfD, Vertretern wie Anhängern, vorgeworfen, dass sie durch ihre Rhetorik Hass schüren und Menschen indirekt animieren, verbale oder körperliche Grenzen zu überschreiten. Ohne die AfD zu nennen, hatte Bundeskanzlerin Merkel nach den Morden in Hanau gesagt: „Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift.“ Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Arbeitsminister Hubertus Heil hatte die AfD als geistige Brandstifter bezeichnet.“***

Mit den Vorkommnissen auf Sylt wurde die Begrenzung der These nun deutlich und löste Irritationen aus: Hier riefen nicht AfD-afine Troglodytenfressen, die ihre Tage ansonsten in Höhlen verbringen,  ihre stumpfen Parolen, sondern junge Menschen, deren Eltern höchstwahrscheinlich keine Bürgergeldbezieher sind, sondern ihre Rotzblagen mit soviel Geld ausstatten, dass sie sich nicht, wie einst die Punker, die 2022 mit dem 9-EURO-Ticket massenweise nach Sylt gekommen  waren, mitten auf der Insel öffentlich daneben benehmen mussten, sondern dies auf der Terrasse eines Nobelschuppens tun konnten, der – in eigenen Worten – über sich Auskunft gibt: „PONY CLUB KAMPEN. KULT, GLAMOUR, NIGHTLIFE – Der etablierte Nachtclub mit eleganten Lounges und Cocktailbar bietet Mottopartys mit Classic Hits und House.“   Und diese jungen Menschen haben dann eine Mottoparty mit einem Classic Hit veranstaltet und sicher vorher oder nachher etwas vom Angebot der Speisekarte verzehrt, etwa die beliebten „6 Sylter Royal Austern mit Chesterbrot und Vinaigrette“ (30 EURO)  oder die „Currywurst mit Fries“ für 16 EURO oder mit „Trüffelfries“ für 20 EURO (siehe Speisekarte Pony). Das war natürlich ein Schock – Jugendliche aus der feinen Gesellschaft, wie Frau Ataman erschrocken feststellen musste, die „Unabhängige Bundesbeauftragte für Anti-Diskriminierung“ zum Sylt-Video: „Die Bilder stammen offenbar nicht aus einer Nazikneipe, sondern einer Nobelbar in Sylt.“ *****

Mal abgesehen davon, wie eine „Bundesbeauftragte“ zugleich „unabhängig“ sein kann, offenbaren sich hier wunderbare Klischees: in Nazikneipen (woran erkennt man die?) treffen sich halt die Nazis, sonst wären es ja keine Nazi-Kneipen – aber doch nicht in Edelschuppen auf Sylt, der Edel- Insel, auf der unser Finanzminister geheiratet hat und Fritze Merz im eigenen Flieger zur Feier des Tages gelandet ist. Schon allein das sprachliche Gegensatzpaar Kneipe-Nobelbar offenbart einen beschränkten Horizont, obwohl der Horizont am Meer auf Sylt doch eigentlich weit sein müsste. Deshalb musste ein Begriff her, mit dem man die Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen „einnorden“ konnte – und das war der Begriff „Wohlstandsverwahrlosung“. Nazis aus Nazikneipen rufen Nazi-Parolen, Jugendliche in Edelschuppen, die rassistische Gesänge anstimmen, sind wohlstandsverwahrlost.

Das ist mir zu simpel, weil es die geistige Verwahrlosung über den Wohlstand der Eltern erklärt – nicht aber über das falsche Bild von Kindern! Und die damit verbundene Erziehung! Verantwortlich für diese Erziehung, bei der Kinder, obwohl sie schon aufrecht gehen können, in Lastenrädern bis zur Garderobe der KITA oder der Grundschule kutschiert oder, wenn sie zu groß für diese Fahrradmonster sind, mit dem SUV des Vaters oder dem E-Cabrio der Mutter bis in die Pausenhalle der Schule gefahren werden, sind nicht nur die leiblichen Eltern, sondern die seit Jahren gepredigten Methoden der Vergötterung von Kindern. Einer der Hauptverantwortlichen ist Knödel-Barde Herbert Grölemeyer, durch dessen Bild von Kindern ganze Alterskohorten einer angemessenen Erziehung entzogen worden sind. Über Kinder heißt es bei Grölemeyer in „Kinder an die Macht“ u.a.:

„Sie sind die wahren AnarchistenLieben das Chaos räumen abKennen keine RechteKeine PflichtenNoch ungebeugte KraftMassenhaftUngestümer Stolz

Gebt den Kindern das Kommando“ ******

Da haben wir doch die Antwort auf alle Sylt-Pony-Terrassenrassismus-Video-Fragen: Anarchie, keine Kenntnis von Rechten und Pflichten, ungestümer Stolz und nicht zuletzt CHAOS! Ganze Genrationen sind auf der Grundlage dieses Götzenbildes erzogen bzw. NICHT erzogen worden. Anstatt klarer Ansagen schon morgens endlose Debatten darüber, ob das Kind mit zwei gleichen Socken in die Schule geht oder – weil es demokratisch ernst genommen werden soll – mit einer roten und einer lila Socke gehen darf, weil sonst vielleicht die Seele Schaden nimmt. Und wenn der Rotzlöffel beim Eierlaufen oder Sackhüpfen in der KITA Letzter wird, dann gibt es gleich ein anwaltliches Schreiben an die KITA-Leitung mit der Androhung einer Klage wegen Körperverletzung, weil das Kind sich schlecht gefühlt hat wegen der Zurücksetzung, da es keine Siegerurkunde bekommen hat.

Keine Rechte – keine Pflichten: Vor allem nicht die Rechte anderer und vor allem keine eigenen Pflichten, die zu erfüllen sind!

Da passen dann rassistische Gesänge doch ganz gut zu „Currywurst mit Trüffelfries“. Aber das Lied von Grölemeyer wird natürlich nicht verboten – obwohl es Verderbtheit, Unanständigkeit, Regellosigkeit und nackte Selbstsucht lobpreist, wogegen das harmlose Liedchen von Gigi D´Agostino, das die Liebe preist (L´amour toujours*******), auf dem Oktoberfest nicht mehr gespielt werden darf!

Eine Schande!

Ach, und zuletzt: Was soll Kriegsminister Boris Pistorius mit dieser Generation anfangen, über die es bei Grölemeyer in der ersten Strophe heißt:

 „Die Armeen aus GummibärchenDie Panzer aus MarzipanKriege werden aufgegessenEinfacher PlanKindlich genial“

 *** https://www.tagesspiegel.de/politik/gaulands-sprache-ist-der-schlecht-verkleidete-jargon-von-gangstern-7330918.html

**** https://pony-kampen.de

*****:  https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sylt-handyvideo-rassismus-reaktionen-100.html

****** https://www.youtube.com/watch?v=oW1XlohEEdE

*******

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1 comment

Heinz NiskiHeinz Niski says:

In Phasen der Restauration sollte man auf anderes Liedgut zurückgreifen. Für den Anfang schlage ich als Lieder fürs Kinderzimmer Wedekinds „Ich habe meine Tante geschlachtet“ vor. Als begleitende Lektüre den Struwelpeter und Max und Moritz. Weg mit den bunten Einhörnern, wir müssen kriegstüchtig werden. https://youtu.be/0CvrvEvPrCE?si=yf21W_VCbS_HwefD

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