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Rumble in the Jungle oder Albernheiten aus der Box-Bude

 Der Rumble in the Jungle („Schlägerei im Dschungel“) war ein Boxkampf am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire) morgens um 3 Uhr Ortszeit zwischen den Schwergewichtsboxern George Forman und Muhamad Ali.  Ali siegte in der 8. Runde durch K.o. und wurde erneut Boxweltmeister, sieben Jahre nachdem ihm der Weltmeistertitel aus politischen Gründen aberkannt worden war (Weigerung, als Soldat nach Vietnam zu gehen). Der Kampf vor 100.000 teils frenetischen Zuschauern gilt für viele als der „größte Boxkampf aller Zeiten“. ***

Wenn man keinen Dschungel hat, dann muss man zumindest ab und zu so tun, als hätte man doch einen. Und fast stimmt es auch – denn der Gelsenkirchener  „Dschungel“ (auch bekannt als „Stadtgarten“) liegt nur ein paar Schritte von der „Box-Bude“, dem Schauplatz der Klopperei, also dem Hans-Sachs-Haus (HSH), entfernt. Was aber niemanden im HSH davon abhält, so zu tun, als sei der politische Mittelpunkt der Republik nicht in Berlin angesiedelt, sondern in Wahrheit in Gelsenkörki!

Dass der Antrag, den die CDU/CSU im Bundestag zur Abstimmung gestellt hat, auch die Stimmen der AfD bekommen hat, ist der Aufreger der Woche. Dahinter verblassen der Krieg in der Ukraine, die Auseinandersetzungen in bzw. um Palästina und Israel sowie seinen Nachbarstaaten, die Unruhen in Teilen Afrikas, die Vorfälle um die Kabel in Nord- und Ostsee und weitere Kloppereien, an denen die USA und Russland beteiligt sind.

Die Auseinandersetzung in der Gelsenkirchener Box-Bude bringt für diejenigen, die die Debatte im Bundestag verfolgt haben, weder einen intellektuellen Zugewinn noch einen Lustgewinn. Bestenfalls die Erkenntnis, dass hier die Reden aus dem obersten Parlament der Republik zweit- und drittverwertet werden und intellektuelle Tiefenschärfe, ganz nach Gelsenkirchener Kochrezepten, durch geistige Geschmacksverstärker ersetzt worden sind. ****

Eigentlich ging die politische Katzbalgerei im HSH (und auch im Bundestag) am Kern der Sache vorbei, nämlich der Frage, was unsere Demokratie ausmacht? Und die Antwort zu dieser Frage, ist recht einfach, wurde aber weder hier noch in Berlin gestellt, geschweige denn beantwortet. Dazu hat H. M. Broder im Interview mit der WELT eine ganz einfache Antwort gegeben: Er hat darauf hingewiesen, dass die Debatte im Bundestag eine Sternstunde der Demokratie gewesen sei – fast jedenfalls! Denn ihm fehlte noch die Aufhebung des Fraktionszwangs. Diese Aufhebung hätte es allen Bundestagsabgeordneten freigestellt, ihr Recht auf Gewissensfreiheit wahrzunehmen. In Artikel 38/1 des Grundgesetzes heißt es: Die Bundestagsabgeordneten „(…) sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“

Nun mag es sein, dass (fast) alle Stadtverordneten (ebenso wie die Bundestagsabgeordneten) ihrem Gewissen gefolgt sind und rein zufällig nach Fraktionen abgestimmt (Bundestag) oder argumentiert (Gelsenkirchen) haben. Das wäre schon ein absonderlicher Zufall! Wie es auch Zufall ist, wenn in einer Box-Bude ein einzelner Besucher aus der gesamten Boxtruppe Kleinholz macht und dann das Preisgeld kassiert.

Es hat dunnemals auch kaum jemand damit gerechnet, dass George Foreman von Ali vermöbelt wird.

Hat Ali aber!

*** (Quelle u.a. WIKIPEDIA)

**** WAZ, Lokalteil GE, vom 31.1.2025 (S. 1)

*****https://www.youtube.com/watch?v=FP-SvoKoCAU (H. M. Broder zur Abstimmung im Bundestag über den von der CDU/CSU eingebrachten Vorschlag zu Flüchtlingen und Asyl)

 

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