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Verkehrte Welt

Was in der Praxis funktioniert, ist meistens nicht verkehrt. Wenn Theoretiker die Praxis bestimmen, bekommen wir eine verkehrte Welt.

Das Zeitalter des Pragmatismus liegt längst hinter uns. Es war geprägt durch eine Generation, die bei null anfangen musste. Sie organisierte aus den verbrannten Überresten einer grausamen, irren politischen Idee mit Millionen Todesopfern einen funktionierenden Alltag. Der Wille zur Gestaltung und Verbesserung des Täglichen gipfelte in nie dagewesener Freiheit, in wachsendem Wohlstand für die Allermeisten, sowie sozialer Unterstützung der tatsächlich Bedürftigen. Aus der Perspektive der Beteiligten betrachtet war dies ein Wunder, das die größten Zukunftserwartungen übertroffen hatte.

Die folgende Generation übernahm diese funktionierende Welt, schraubte halbherzig an ihr herum, verstand aber nie, woraus sie im Kern ihre Kraft bezog. Eine neue Politikergeneration kam an die Macht, die am Aufbau nicht mitgewirkt hatte. Sie schuf einen Monsterapparat von Vorschriften zur Regelung von Allem. Sie verprasste den Wohlstand, fuhr das Land auf Verschleiß, füllte sich die Taschen und machte sich den Staat mit seinen Posten und Ämtern zur Beute. Nach Jahren des wirtschaftlichen Stillstands nun der verdiente Absturz. Die Weltlage sei daran schuld; wir hören zukünftige Historiker lachen.

Man wollte das Früher endgültig hinter sich lassen und lieber in ein viel besseres Morgen, Übermorgen oder Wann-auch-immer hinein diffundieren. Man benötigte dazu erneut eine gewaltige politische Idee, jede Menge Kredite, die neuerdings zum Vermögen gezählt werden, und nannte es Transformation – nicht Strukturwandel. Die Menschen des Ruhrgebiets hätten erzählen können, wie die Zukunft aussieht, wenn einem Land die Lebensgrundlage geraubt wird. Jetzt erfahren es alle.

Divisionen von Gesellschaftsklempnern machen sich in voller Work-Life-Balance mit der Tarnkappe „Bildung“ auf dem Kopf ans Eingemachte, entfernen die Keimlinge für die Zukunft des Landes restlos aus dem Erfahrungsschatz der Vorfahren und ersetzen sie durch fixe Ideen und beste Absichten, die in der Praxis scheitern – mit verherenden Auswirkungen.

An den Unis, in Think Tanks und Ideenschmieden, in Meetings und Social-Media-Kampagnen werden Terrabyte von irrelevantem Bullshit erzeugt und die Gesellschaft unter dem Label „Wissenschaft“ mit Unbrauchbarem aus allen Rohren geflutet.

Was wir jetzt bräuchten, ist bei uns nicht im politischen Angebot. Wir haben noch nicht einmal genügend Fliesenleger. Verkehrte Welt.

Andreas Rebers: Fliesenleger | Bestes Kabarett! | BR Kabarett & Comedy

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1 comment

Heinz NiskiHeinz Niski says:

Die chinesische Deepseek künstliche Intelligenz sagt:

„Die erste Generation schafft den Wohlstand, die zweite erhält ihn, die dritte vergeudet ihn.“

Der Spruch beschreibt ein oft beobachtetes Muster in Familienunternehmen oder wohlhabenden Familien, bei dem der Wohlstand über die Generationen hinweg nicht dauerhaft erhalten bleibt.

  • Die erste Generation arbeitet hart, um den Wohlstand aufzubauen.
  • Die zweite Generation verwaltet das Erbe und versucht, den Wohlstand zu erhalten.
  • Die dritte Generation hingegen, die den Wohlstand nicht mehr aus eigener Anstrengung kennt, neigt dazu, ihn zu verschwenden oder zu verlieren.

Der Ursprung des Spruchs ist nicht eindeutig einem bestimmten Autor zuzuordnen. Er wird oft in wirtschaftlichen, historischen oder soziologischen Kontexten verwendet und ähnelt dem englischen Sprichwort „From shirtsleeves to shirtsleeves in three generations“ (etwa: „Vom Hemdsärmel zum Hemdsärmel in drei Generationen“). Diese Redewendung findet sich in verschiedenen Kulturen und wird oft als Warnung vor dem Verlust von Wohlstand durch mangelnde Disziplin oder fehlendes Verständnis für den Wert von Arbeit und Besitz verstanden.

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