…zum Ferienbeginn oder über das Södern
Seit dem Montag dieser Woche haben wir in NRW die lang erwarteten Sommerferien, was an sich nichts Besonderes ist. Der Termin aber schon! Denn auf einmal wollen sich die Bundesländer in ihrer Mehrheit nicht mehr damit abfinden, dass zwei Länder (Baden-Württemberg und Bayern) immer am Ende der Ferienstrecke die Schulen schließen dürfen!
Die Ursache ist, historisch betrachtet, ein Relikt aus der Zeit, in der Kinder und Jugendliche in den beiden agrarisch geprägten Ländern noch bei der Kartoffelernte helfen mussten. Darauf hat sich 1964 die Kultusministerkonferenz im „Hamburger Abkommen“ verständigt – ein Argument, das längst obsolet ist, an dem der bayerische Landesfürst aber aus Fürsorge für seine Landeskinder mit Zähnen und Klauen festhält, obwohl der Beschluss mittlerweile über 50 Jahre alt ist und selbst in Bayern keine Kinder mehr auf den Feldern herumstaksen, um Knollenfrüchte zu ernten oder vor dem Söderer zu fliehen!
Aber die Bayern sind eben ein heimat- und geschichtsbewusstes Alpenvölkchen, das an seinen Traditionen klebt wie die Fliegen am Fliegenfänger. Dass im August zumeist das Wetter besonders schön ist und zudem Fernreisen (mit dem Flieger oder dem Schiff) preiswerter sind als in den Wochen zuvor, wollen wir nur nebenbei erwähnen, dem Landesvater aber trotzdem mal schnell ans Revers heften, damit das „Södern“, eine Entzündung der Nervenbahnen aufgrund ausgeprägter Selbstüberschätzung, sich nicht noch zur dauerhaften Krankheit verfestigt, die zur Einweisung in ein Militärlazarett führt.
Wirklich handfeste Argumente kann der Patriarch des Grauens nicht vorbringen – alles klingt doch irgendwie verstaubt und angefault, eben wie von gestern und vorgestern. Nun kann der Landesfürst natürlich alle Schützenvereine, Blaskapellen, Heimatvereine und Winzergenossenschaften zu den Waffen rufen, um, mit sich selbst an der Spitze, für den Erhalt der guten Tradition zu werben. Aber lächerlich sähe das schon aus – oder etwa nicht?
Der Landesfürst geriert sich seit einiger Zeit als Selbstdarsteller, isst vor laufender Kamera Döner und Schweinsbraten, gibt sich leutselig und volkstümlich, grinst und schwadroniert, als würde am Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen, sondern würde ihm ein letztes „GRÜSS GOTT!“ zurufen. Aber eine Verknüpfung mit dem Festhalten am Ferientermin wäre vor allem eines:
ABSOLUT LÄCHERLICH!


