Die WAZ hat ihre Leser gebeten, etwas über ihre Stadt zu sagen. Jetzt geben die OB-Kandidaten per Video kurze Antworten zu besonders prägnanten Aussagen der Leser. Picken wir uns zwei davon heraus und geben unseren Senf dazu.
Das generische Femininum oder der Tippfehlerteufel hat zugeschlagen – man weiß es nicht: Norbert Emmerich (AfD) wird von der WAZ als „OB-Kandidatin“ vorgestellt. Er wirkt aufgeräumt, zum Plaudern aufgelegt und nicht so, als erwarte er ernsthaft, auf den anstrengendsten Job zu wechseln, den die Stadt Gelsenkirchen zu bieten hat. Ein geborenen Gelsenkirchener, der in seiner Ausstrahlung dem letzten geborenen Gelsenkirchener auf diesem Posten durchaus ähnelt.
„Bei uns gibt es eine tolle Nachbarschaft zwischen Deutschen und Ausländern. Ich lebe sehr gerne hier.“ Das ist der erste Satz, zu dem der Kandidat sich äußert.
„Es sind so Enklaven, die wir in der Stadt haben. Gut, dass es die gibt, diese Wohlfühlorte. Und da kann ich das auch nur dreimal unterstreichen. Und das ist, was ich auch hier erlebt habe, als ich 1988 nach Rotthausen gezogen bin. Heute kennt man vielleicht noch eine kleine Prozentzahl der Nachbarn und das ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor, eine Aussage, die hier getätigt wird, so sollte es eigentlich in allen Stadtteilen sein.“ Norbert Emmerich (AfD)
Aufgeschriebene, gesprochene Sprache. Ja nun, so liest sich das dann. Zum Glück des Kandidaten hat er 1988 gesagt und nicht 88, sonst bräche wohl ein Shitstorm los. Es gibt sie also noch vom Hörensagen, die Wohlfühlorte, wo die Gelsenkirchener sich dadurch auszeichnen, dass alle Gelsenkirchener sind. Der Kandidat spricht eine Selbstverständlichkeit aus, die ihm nicht mehr selbstverständlich ist. Und wie kommen wir da wieder hin? Gibt es Vorschläge dazu? Leider nicht.
„Für Frauen sind unangenehme Situationen bei Nacht nicht selten.“ Der Kandidat kramt in der Vergangenheit und findet Lösungsvorschläge: „Ich muss, wie zu meiner Zeit vor – Wie lange ist das her? 30-35 Jahren? – muss ich eben halt die Polizisten in den Stadtteilen haben, wir haben sie früher Dorfsheriffs genannt. Ich komm dann auch nicht weiter mit solchen unsinnigen Dingen wie Messerverbotszonen. Wer will das denn kontrollieren?“ Norbert Emmerich (AfD)
Ja, wer will denn das alles kontrollieren? Am Bahnhof macht es die Bundespolizei. In den Stadtteilen ist sie nicht zuständig. Messerverbotszonen simulieren politische Aktivitäten, das ist wohl so. Mehr Polizisten nachts auf Streife schicken oder besser noch Dorfsheriffs im Nachtdienst. In jedem Stadtteil wieder eine Polizeiwache? Vermutlich gibt es tausend Gründe, warum das alles nicht geht. Man denke nur an die Statistiken, die ausgefüllt werden wollen. Solange Polizei Landessache ist, wird sich wenig ändern.
Norbert Emmerich (AfD), 72, Bankkaufmann, Finanzberater, bodenständig, nostalgisch, Bewerber als Chef des Bunten Haufens. Passt das zusammen?


