Die Jahrtausende alte Kulturtechnik der Ironie, Satire, des Spottes, des dionysischen Gelächters wurde immer schon von der Macht argwöhnisch betrachtet, bekämpft. Meist unter dem moralisch aufgeladenen Vorwand, dass es gemeinschaftszerstörend, teuflisch, zersetzend sei.
Damit konnte die Gefahr eingedämmt werden, dass Autorität durch Spott untergraben wird, Systemkritik versteckt hinter Humor transportiert wird, Widersprüche und Absurditäten aufgezeigt werden, eine Gegengemeinschaft durch gemeinsames Lachen geschaffen wurde.
Heute macht man sich oft nicht einmal mehr die Mühe, ideologische, ethische, religiöse Konstrukte zu bauen, um Zivilisationen von dieser Ausdrucksform zu befreien. Kultur und Kunst, Künstler werden auch gebannt, wenn sie den falschen Pass, die falsche Nationalität, die falsche Religion haben.
Israelische, jüdische Dirigenten, russische Sänger, Künstler, werden ausgeladen, um den Teufeln, dem Bösen die rote Karte zu zeigen. Russische Literatur wird in der Ukraine verboten, der Westen, die westlichen Intellektuellen applaudieren.
Vor einigen Monaten hatte ich einen Gesprächspartner, der mir erklärte, dass wir, der freie Westen, einen Kampf gegen die Feinde des freien Denkens, gegen finstere autoritäre Regime führen würden. Vertiefen konnten wir das Gespräch nicht, dafür wussten wir einfach zu wenig über die Kultur der „Barbaren.“ Während bei uns BMW und Mercedes vor der Poesie stand und steht, behauptet die orthodoxe russische Gesellschaft von sich, dass die Kultur der Zivilisation vorangeht. Während sich unsere Gesellschaft mehr und mehr in der Freiheit verirrt, orientieren sich Orthodoxe an Traditionen, die hier kritisch beäugt werden. Familie, Nation, Religion, nichts, was zu einer eklektizistischen Gesellschaft passen würde.
Um so spannender für mich, wenn ein Multi-Künstler wie Emir Kusturica, dessen Filme ich liebe, den Schleier der Unwissenheit über die Gedankenwelt serbisch-russisch orthodoxer Gesellschaften, Künstler, etwas für uns lüftet.
Trigger-Warnung: Kusturica arbeitet in seinen Filmen extrem mit Ironie, mit dionysischem Gelächter.


