Heute ´mal mit Eulenartigen
Mit den Eulentieren ist das so eine Sache: Je nach kulturellem Kontext gelten sie als „weise“ und werden verehrt, etwa im frühen Griechenland, oder sie haben etwas Unheimlich-Bedrohliches an sich, weil sie „Nachttiere“ sind (jedenfalls die meisten Arten), die noch dazu ihren Kopf sehr weit drehen können. Man geht von 270 Grad aus!
Durch spezielle Federn können sie nahezu geräuschlos fliegen, sie haben ein überragendes Hör- und Sehvermögen und eine bewegliche Halswirbelsäule. Es gibt rund 200 Arten von ihnen in unserer Heimat – und den Bundes-Uhu. Die hervorstechenden Merkmale des Bundes-Uhus sind zunächst einmal seine Trägheit, mit der er seine Zuhörer auch schon ´mal in den Schlaf wiegt, weil er zwischen den Sätzen, selbst den einzelnen Wörtern auch gerne unendlich lange Pausen macht.
Sein zweites Merkmal, das in engem Zusammenhang mit dem erst genannten steht, ist seine ausgefeilte Kunst, Sätze so zu zerdehnen, dass er manchmal stundenlang für einen Satz vom Anfang bis zum Ende benötigt. Wenn er zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges gelebt hätte (1618 – 1648), hätte er mit der Ausrufung des Westfälischen Friedens 1618 beginnen können und wäre 1648 immer noch nicht mit dem ersten Satz fertig gewesen. Es gibt übrigens, das nur nebenbei gesagt, die Legende, der heutige Bundes-Uhu hätte die Kriegsparteien von damals einfach durch seinen ersten Satz zum Frieden genötigt, weil er alleine durch die Länge seines ersten Satzes die Parteien des Krieges quasi zum Frieden gelabert hätte. Aber wie gesagt: Das ist natürlich Unsinn!
Wahrscheinlich hat unser Bundes-Uhu bei der Übernahme seines jetzigen Amtes vor gefühlt 100 Jahren nicht bedacht, dass man bei dieser Profession auch ´mal genötigt ist, das eine oder andere Ströphchen aufsagen zu müssen. Und da gibt es dann doch Berufe, deren sprachliche Herausforderung überschaubarer ist, so etwa Ansager im Paternoster (Nennung der Etage und des Warenangebots) oder – sprachlich noch reduzierter – : Schülerlotse! Beide Tätigkeiten verlangen das Tragen einer von der vorgesetzten Behörde bestimmten Uniform oder Elemente einer solchen! Im Haus der Deutschen Geschichte könnte übrigens auch die Kelle des Schülerlotsen mit der Bezeichnung „Kelle des Bundes-Uhus“ als historisch wertvolles Anschauungsstück ausgestellt werden.
Aber der Bundes-Uhu wusste wahrscheinlich doch, worauf er sich da eingelassen hat, als er auf die Frage, wer denn wohl den Uhu machen möchte, laut nichts gesagt hat, so dass schnell klar war: Der Frank-Walter machtet! Und das macht er ja nun auch schon wieder und immer noch – und erfreut uns mit seinen sprachlichen Sprühfunken, der Eleganz seiner Satzbögen, dem Vortrag mit wohl modulierter Stimme und diesem langweiligen Gesicht, das nun aber überhaupt nicht dazu passt, dass er uns zum wiederholten Male zum „Widerstand“ aufgefordert hat. 9. November – hin oder her!
Frank-Walter, du bist und bleibst ein Labertünnes!


