Aus der besten aller Welten (25)

WILDGÄNSE RAUSCHEN DURCH DIE NACHT

 Es wird außer mir doch noch andere Menschen geben, die beim Stichwort WILDGÄNSE entweder an die Abenteuer von Nils Holgersson denken, wie sie die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf in ihrem Roman aus den Jahren 1906/1907 erzählt hat (Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen), oder an einen Söldnerknaller wie Die Wildgänse kommen (1978) mit Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger und anderen Lichtgestalten der Kinoleinwand.

Immerhin macht der Lokalteil der WAZ heute – unter einem Bild einer Truppe von Gänsen – mit der Schlagzeile auf: „Vogelgrippe ist in Gelsenkirchen angekommen“! Das ist aber unappetitlich und soll deshalb hier nicht weiter verfolgt werden! Stattdessen wenden wir uns lieber dem Gelsenkirchener Alltagsgeschehen zu! Das mag durchaus auch unappetitlich sein, ist aber letztlich doch Sinn stiftend. In der Ausgabe der WAZ von heute geht es also nicht nur um Wildgänse (S. 1 Lokalteil, großes Foto), die von Gelsenkirchen aus in die weite Ferne fliegen, sondern um Wildgänse anderer Art, die es nach Gelsenkirchen zieht. Diese Wildgänse kommen aus, wie das Statistische Landesamt meldet, Ländern von fern und nah. 4459 von ihnen haben jedenfalls keine deutsche Staatsbürgerschaft, sondern sind aus anderen Staaten und mit anderer Kultur im Gepäck zu uns eingereist. Die meisten von ihnen kamen aus Rumänien, eine zweite größere Gruppe reiste aus der Ukraine ein, gefolgt von Menschen aus der Türkei, aus Polen, Syrien, Italien und Bulgarien. Bulgarien ist übrigens das beliebteste Reiseziel derjenigen, die Gelsenkirchen verlassen haben. Bei den Zuzüglern stellt die größte Anzahl mit insgesamt 5073 Personen übrigens die Gruppe derjenigen, die staatlich nicht zugeordnet werden konnten (fehlende Papiere o.ä.), was deutlich macht, wie löcherig Grenzkontrollen und das städtische Meldesystem (immer noch) sind.

Verwunderlich ist ein zweiter Aspekt, der auf der Seite „Aus der Region“ heute thematisiert wird, nämlich die Frage: „Welche Migranten sind AfD-anfällig?“ Mal abgesehen davon, dass sich das ein wenig so anhört, als verbreite sich die Sympathie für die AfD wie eine moderne Seuche, also so wie eine Art politischer Vogelgrippe mit hohem Ansteckungsfaktor, tanzt der Beitrag der WAZ-Redakteurin um sich selbst kreisend, ohne uns eine schlüssige Erklärung anzubieten, warum denn nun ausgerechnet in den „Integrationsräten“ die AfD recht stark vertreten ist – so etwa auch in Gelsenkirchen. Man speist uns eher mit Leerformeln ab wie „In schwierigen Stadtteilen wird eher die AfD gewählt“. Wenn es so einfach wäre, müsste man die Verteilung der „Fremden“ anders organisieren, um eine (selbst gewählte) Ghettoisierung tunlichst zu vermeiden. Welchen Anteil an der Wahl der AfD in den Integrationsräten die jetzige Regierungspolitik hat, wird übrigens kaum nachgegangen.

Vielleicht ist diese Fragestellung aber auch zu heikel?

 Quelle: WAZ von heute

 

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4 comments

Heinz NiskiHeinz Niski says:

Die Antwort ist einfach. Da müssen bei der geheimen Wahl Kreuze vertauscht worden sein!
So jedenfalls SPD Bezirksbürgermeister Thomas Fath über die unerwartete Wahl des AfD Kandidaten zu seinem Stellvertreter.
Merke: der Aufstieg der AfD kann nur ein Versehen sein, nicht die Folge von politischen Fehlentscheidungen.
https://archive.ph/wQhbg

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Ali-Emilia PodstawaAli-Emilia Podstawa says:

Na, das wird doch wohl demokratisch rückgängig gemacht werden, oder? Das kann ja so nicht bleiben. Wie sieht das denn aus?

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Ali-Emilia PodstawaAli-Emilia Podstawa says:

Hahaha – und noch eine Episode aus dem Bühnenstück Unseredemokratie.

„Nachdem die AfD am Dienstag (11. November) im Gelsenkirchener Süden erstmals einen Kandidaten als stellvertretenden Bezirksbürgermeister durchbringen konnte, hat sie am Mittwoch auch im Bezirk Ost den Vize-Posten besetzen können. […] Zuvor hatte es allerdings eine kleine Überraschung gegeben: CDU, SPD und der grüne Einzelmandatsträger Stephan Tondorf hatten den Antrag eingebracht, zwei statt wie bislang nur einen Stellvertreter des Bezirksbürgermeisters zu benennen. Dieser Vorschlag wurde mehrheitlich angenommen, bei Gegenstimmen der AfD-Abgeordneten. Somit wurde es ermöglicht, auch der CDU einen weiteren Posten zu sichern.“
https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/article410440437/erneut-afd-gelsenkirchen-setzt-zweiten-vize-bezirksbuergermeister-durch.html

Wieso nicht 4 oder 5 pro Bezirk oder pro Hektoliter Bierverbrauch in der Stadt? Wir brauchen viel mehr Vizebezirksbürgermeisternde, wenn es der Demokratie dient.

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Heinz NiskiHeinz Niski says:

Mehr Demokratie wagen! Quartiersbürgermeisternde. Ehrenamts-Jobturbo. Genug für alle. Lasst uns neben dem Bundestag, dem zweitgrößten Parlament der Welt, Gelsenkirchen zur Stadt mit den meisten stellvertretenden Quartiersbürgermeisternden machen.
Es gibt auch Bezirksbürgermeister, die Furore machen… in anderen Städten: https://www.tagesspiegel.de/berlin/neukollns-integrationsbeauftragte-verteidigt-hikel-teile-der-spd-wollen-nicht-dass-islamistische-strukturen-bekampft-werden-14821004.html

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