Heute mit: und ohne Messer
Wer kennt ihn nicht, den Edel-Ganoven Macheath aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht, über den es in der ersten Strophe des Eröffnungssongs „Die Moritat von Mackie Messer“ heißt:
„Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.“
Messer gibt es nicht nur viele, sondern nach Auskunft der Polizei immer mehr. Vor allem solche, die schnell ´mal zum Einsatz kommen. Diejenigen, die ein Messer zum Gebrauch bei sich führen, sind aber in ihrer Mehrheit keine Edel-Ganoven, sondern eine neue Art von Straßenräubern oder Aggro-Typen, die Messer nicht lediglich als Droh-Werkzeug bei sich führen, sondern auch stark dazu neigen, diese Stichwaffen einzusetzen – und sei es nur, um eine kleine Summe Geldes zu erbeuten.
Die WAZ meldet heute, dass sich „Schlagzeilen über Stichverletzungen häufen“ und die Verletzten die Notaufnahmen der Krankenhäuser belasten. Dies liegt u.a. daran, dass beim Einsatz von Messern häufig mehrere innere Organe betroffen sind, so dass verschiedene Fachabteilungen vor Ort sein müssen, um die Verletzten im Krankenhaus zu betreuen. Dr. Margarete Härting, die „Leitende Ärztin der Abteilung Thoraxchirurgie“ am Marienhospital in Gelsenkirchen, sagt dazu: „Da wird für mehrere Stunden das Gesundheitssystem im Krankenhaus blockiert – und das belastet uns wirklich.“ Und der Chefarzt der Klinik für Akut und Notfallmedizin am Evangelischen Krankenhaus führt aus: „Gleichwohl nehmen wir wahr, dass die Gewaltbereitschaft – auch mit Messern – zunimmt. (…) Das verdeutlichen auch die stetig steigenden Übergriffe auf Mitarbeitende im Rettungs- und Gesundheitswesen.“
Das Bild vom „edlen Wilden“ oder auch vom „Gentleman-Verbrecher“ ist also wohl eher etwas für Menschen, die die Outlaws romantisierend verklären, aber die harte Realität auf der Straße ist eine andere.
Landesweit kann eher von einer Zunahme von Straftaten, bei denen Messer eingesetzt wurden, ausgegangen werden, jedenfalls wenn man den Zahlen der letzten Jahre folgt, wobei die aktuellen Zahlen für Gelsenkirchen von der Polizei und den Strafverfolgungsbehörden noch nicht vorgelegt worden sind.
In der zweiten Strophe des Songs über Mackie Messer heißt es:
„Ach, es sind des Haifischs Flossen
Rot, wenn dieser Blut vergießt!
Mackie Messer trägt ´nen Handschuh
Drauf man keine Untat liest.“
Die Messerstecher in Gelsenkirchen tragen wohl in ihrer Mehrzahl keine Handschuhe!


