Heute ´mal mit der vollen Ladung – lecker und gemischt
Da blicken sie uns an, die drei Männer mit Brillen und in dunklem Tuch gewandet und die eine Frau (ohne Brille) mit Hosenanzug in verwaschenem Grün. Es handelt sich bei ihnen nicht um die neuste Attraktion des bereits angekündigten Weihnachtszirkus („Die beknackten Pistoleros“), sondern um die Vertreterin und die Vertreter von IHK und Sparkasse, die ihrer halbjährlichen Pflicht nachkommen und ein Schild in die Kamera halten, auf dem die neuste Konjunkturentwicklung grafisch und mit einem Zahlenwerk dargestellt ist. Dem Anlass angemessen sehen sie auch nicht besonders fröhlich aus, denn ihre Zahlen samt Grafik verheißen nichts Gutes: Die Konjunkturdaten sind eher enttäuschend, sind vielmehr Ausdruck einer deprimierenden Entwicklung, was die Gelsenkirchener Wirtschaft angeht.
Der Bürokratieabbau kommt nicht voran, die Experimente mit Wasserstoff sind eher mau, Industrie- und Gewerbeflächen sind noch im Stadium der „Bewährungsprobe“, hochwertige Wohnungen für „Führungskräfte“ sind rar und der Konjunkturindex („ELIX“) dümpelt vor sich hin. Ein „Masterplan Industrie“ soll gemeinsam mit der Stadtverwaltung entwickelt werden. Dass die Dame und die Herren eher etwas verkniffen dreinblicken, ist da kein Wunder, denn wer verkündet schon fröhlich eher schlechte Nachrichten: „IHK warnt: Wirtschaft rutscht tiefer ins Minus“ – so die Überschrift im lokalen Blatt der FUNKE-Mediengruppe. Da möchte man sich doch glatt selbst entleiben!
Das tut aber weder das ökonomische Quartett noch die zwei frisch als Vorsitzende gewählten Gestalten, die die Truppe der LINKEN anführen. Die Hauptaussage steht in etwas schrägem Deutsch in der Überschrift des Zeitungsbeitrages: „Nicht mit der Politik in die Tür fallen“! Das hört sich nach einer echten Slapstick-Nummer an, ist schon als bildlicher Ausdruck einfach klasse und hat die Qualität einer Aussage wie „Einer von uns beiden ist klüger als du!“ Von ganz tiefer Nachdenklichkeit geprägt ist eine politische Aussage des Genossen Felix, der die Wüllner-Adomako-Frage, was denn Menschen bewege, bei den LINKEN mitzumachen, mit der Auskunft beantwortet: „Ganz viel Antifaschismus! Das war der Hauptgrund.“ Und die Genossin Lea ergänzt noch rasch: „Aber auch die soziale Gerechtigkeit ist ein großes Thema.“ Der echte Knaller kommt dann zum Schluss des Interviews. Auf die Frage nach dem Umgang mit Israel im Kreisverband der LINKEN antwortet der Genosse Felix: „Wir haben früh gesagt: In Palästina findet ein Genozid statt. Aber mir ist keine einzige antisemitische Äußerung im Kreisverband bekannt.“
Ist der Begriff GENOZID nicht für sich schon antisemitisch oder fällt der Parteisprecher einfach nur wieder mit der Politik in die Tür?
Bleibt zum Ausklang dieses Beitrags mit „Gemischten Früchten“ nur noch der Verweis darauf, dass das „Interventionsteam EU-Ost“ bei einer weiteren Routinekontrolle von Häusern in Bulmke-Hüllen, der Altstadt und in Ückendorf abermals auf das Übliche gestoßen ist: Unsachgemäße Sicherheitsvorkehrungen, zersplitterte Türen und Fenster, Leistungserschleichung, Vortäuschen von Hilfsbedürftigkeit, Schwarzarbeit und 57 Verstöße gegen die Verkehrs- und Parkregeln.
Da kann man nur hoffen, dass die Dienstkräfte bei der Kontrolle nicht mit der Politik in die Tür gefallen sind!



Das »Trinken mit den Linken« immer Freitags in der Trinkhalle führt offenbar zu über den Treffen hinausgehenden Vernebelungen… 😁