Die wunderbare Welt des Absurden (24)

Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“ Albert Camus

Sollten wir nicht ´mal über den Begriff des SPARENS reden? Der Begriff fliegt uns doch tagtäglich um die Ohren, schreit uns förmlich an, sabbelt uns voll. Wenn man den einschlägigen Werbeanzeigen Glauben schenken darf, verbringt der deutsche Durchschnittsbürger den halben Tag mit dem Sparen. Wenn ich auf alle Angebote eingehen würde, die mir versprechen, dass ich spare, wenn ich Geld ausgebe, wäre ich bereits ein zweiter Dagobert Duck, der bekanntlich so reich ist, dass er mit erigiertem Bürzel in das Becken seines Geldspeichers springt. Jedenfalls, wenn ihm danach ist! Aber was ist SPAREN eigentlich?

Das Sparen ist, ökonomisch gesehen, die Schaffung einer „Leistungsreserve“. Was ich heute nicht ausgebe, habe ich auch morgen noch zur Verfügung. Das Sparen entsteht aus dem Vorgang des Konsumverzichts, ist also genau das Gegenteil des Vorgangs, der uns suggeriert, wir könnten sparen, wenn wir es genau nicht tun.

Bei WIKIPEDIA lesen wir:

Sparen (englisch saving, französisch épargner) ist in der Wirtschaftswissenschaft und in der Umgangssprache der Verzicht auf den Verbrauch von Einkommen oder Gütern und Dienstleistungen (Konsumverzicht) zwecks späterer Verwendung.

Das Verb sparen stammt aus dem altgermanischen Verb „spar“, das für „bewahren“ oder „unversehrt erhalten“ stand. Daraus entwickelte sich das althochdeutsche Verb „sparôn“ für „schonen“, „erhalten“ oder „aufschieben“. Im Sparvorgang liegt tatsächlich die Schonung von Geld vor seiner sofortigen Ausgabe oder das Aufschieben von Zahlungen. Seit dem 16. Jahrhundert lässt sich für Sparen eine neue Konnotation hin zur Ausrichtung in die Zukunft unter Verknüpfung mit Geld nachweisen. Abwandlungen zu Sparsamkeit oder Sparer als Person tauchten ebenfalls in dieser Zeit auf. (WIKIPEDIA)

Nicht ohne Grund heißt das kleine rote Heftchen auch SPARBUCH und das Tier SPARSCHWEIN, denn wenn wir Geld bunkern, dann verzichten wir auf unmittelbaren Konsum in der Hoffnung darauf, es später auszugeben (wofür auch immer).

Dem Begriff des SPARENS als Verzicht auf eine Ausgabe kommt auch ein jüngerer Beitrag in der lokalen Ausgabe der WAZ nahe, obwohl die Überschrift etwas anderes verheißt: „20 Millionen oben darauf“ (WAZ, Lokalteil, 3.12.25). Es geht um Mehrausgaben für die IGA 2027 in Gelsenkirchen, also die Internationale Gartenausstellung (!!!). Waren für diese Ausstellung von den Planern ursprünglich einmal 35 Millionen angesetzt, ist man mittlerweile schlauer geworden, denn die Gartenausstellung wird zwischenzeitlich mit 55 Millionen veranschlagt, also einer Mehrausgabe gegenüber der ursprünglichen Planung in Höhe von 20 Millionen EURO.

Und wodurch entstehen diese Mehrausgaben?

Sie entstehen, weil sich die einstmaligen Planer bei der Beurteilung der notwendigen Ausgaben für den Kohle-Bunker beträchtlich verschätzt haben, denn diesen Bunker hat man bei der einstigen Beschlussfassung einfach dem „Verfall“ überlassen! Aber genau dieser Bunker soll nun zum „Prachtstück“ werden, also zum glanzvollen Mittelpunkt der Ausstellung. Und dazu gehören ein Restaurant im Erdgeschoss, ein Dachgarten mit grandiosem Ausblick über das halbe Ruhrgebiet sowie eine in den Kanal reichende begehbare Brücke von 50 Metern Länge, auf die allerdings mittlerweile verzichtet werden soll. Durch diese Minderausgabe (!) spare man laut WAZ 500 Millionen EURO ein!

Wodurch lassen sich die Mehrausgaben gegenüber der ursprünglichen Planung erklären?  Etwa durch Wassereinbruch im Gebäude, Verschmutzung durch Tauben und anderes „Federvieh“, Ausbau der Schmutzwasserentsorgung und Neuanlage der Frischwasserversorgung, kurz: durch Investitionen, die bei dem ursprünglichen Planungsverfahren nicht berücksichtigt worden sind. Hinzukommen – begründet durch die „Verfallszeit“ – grundsätzliche Mängel in der Bausubstanz und andere Schäden.

Kurz: Hier wird nicht gespart, sondern hier entstehen Mehrkosten in nicht unbeträchtlicher Höhe, die, wie wir von anderen Großbaustellen wissen (Hamburger Philharmonie, Stuttgart 21 usw.), nicht im jetzigen Rahmen bleiben werden.

Aber dafür werden wir Gelsenkirchener auch belohnt: Von der geplanten „Rooftop-Bar“ auf dem Dach des vormaligen Kohle-Bunkers werden wir einen tollen Überblick über das halbe Ruhrgebiet haben, denn der Blick wird zu den „spektakulärsten“ (WAZ) in der ganzen Region gehören.

Und dieser Blick wird uns die Mehrkosten rasch vergessen lassen!

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